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Übersicht > Aktuelles > Todesstrafe

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Nichts spricht für die Todesstrafe

Nachteile:
Endgültig, rassistich, unmenschlich, was bei Irrtümern?




Spannend und nachdenklich: Besuch in Todezelle
Bericht wurde 3870 mal gelesen Produktbewertung:  mangelhaft
Bericht wurde 3 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Mein Besuch in einer Todeszelle

Schon viele Jahre habe ich aktiv bei amnesty international gegen die Todesstrafe gearbeitet und mich dort engagiert. Dazu gehörte, dass ich über Jahre hinweg Kontakt zu einem Todeshäftling in Huntsville, Texas (USA) hatte. Er hieß Robert. A. M.. 1980 war er zum Todes verurteilt worden, weil er für schuldig befunden worden war, jemanden beauftragt zu haben, einen Mann zu töten. Ausschlaggebend für das Urteil war die Aussage des Mörders, der zunächst vor Gericht bezeugte, dass er für einen Gebrauchtwagen und 500 Dollar als Lohn den Mann im Auftrag des Beschuldigten umgebracht habe.
Daraufhin wurden der Mörder zu 40 Jahren Haft und der "Auftraggeber" zum Tode verurteilt. Kurze Zeit später widerrief der Mörder sein Geständnis und bezeugte jetzt, dass er die Tötung dem Robert nur angehängt habe, weil er von Polizisten dazu überredet worden sei. Man habe ihm als Mörder andere Versprechungen gemacht und gesagt, er würde nur zu wenigen Jahren verurteilt, wenn er den Mord dem Robert anhängen würde. Hintergrund war, dass Justiz und Polizei wegen anderer Delikte dem R. etwas anhängen und ihn dingfest machen wollten.

Keine Neuauflage des Prozesses

Über Jahre versuchte R. eine Neuauflage des Prozesses zu erreichen. Ergebnislos. Als zum Tode Verurteilter war er ein Fall für amnesty international. Amnesty forderte die Aufhebung der Todesstrafe und ein neues Verfahren für R. Auch viele Jahre vergeblich.

„No physical kontact“

Ich hatte zu R. über 15 Jahre Briefkontakt und habe ihn während dieser Zeit zwei Mal in seinem Gefängnis in Huntsville, Texas als Privatperson und auf eigene Kosten besucht. Vom ersten dieser Besuche in 1990 will ich hier kurz berichten. Ich hatte mich von Deutschland aus postalisch in Huntsville angemeldet und einen konkreten Tag abgemacht. Dabei nutzte ich einen privaten Urlaub in Florida, um am vereinbarten Tag nach Textas zu fliegen und vom Flughafen Houston aus per Leihwagen nach Huntsville zu fahren (zweieinhalb Stunden in Richtung Dallas).

In Huntsville sind - verteilt auf mehrere Gebäude - die Todesgefangenen des Staates Texas untergebracht. Damals waren es über 2000. Unter den Bushs sind noch viele weitere hinzu gekommen, wenngleich auch fleißig hingerichtet wurde.
Im Gefängnis angekommen, wurde ich zunächst gründlich nach Waffen oder sonstigen Mitbringseln untersucht und dann in einen "Besucherraum" geführt. In diesem etwa 70 qm großen Raum gab es eine lange Stuhlreihe, die inmitten durch eine Glasfront getrennt war. Saß man sich gegenüber, konnte man sich durch das Glas gut sehen und hören, denn das Glas hatte nur eine Höhe von etwa 50-70 cm. Ich war zunächst alleine in dem Raum - etwa zehn Minuten später wurde R. herein geführt. Ich stand natürlich auf, um ihn über das Glas hinweg zu begrüßen und zu berühren, was jedoch von den drei Wachen im Raum schon im Ansatz unterbunden wurde: No physical kontact. Es war traurig, den Mann, den ich von weit über 100 Briefen inzwischen gut kannte, nicht mal einmal berühren zu dürfen.

2 Stunden Gespräch

Wir sprachen ungehindert gut zwei Stunden, tauschten Meinungen aus. Ich bekam Hintergrundinformationen zum Strafvollzug in Todeszellen und einen persönlichen Eindruck von R. Ich mochte nicht gehen, als die Gesprächszeit abgelaufen war, war tief bewegt und beeindruckt und noch fester in meinem Glauben, dass R. zwar ein "kleiner Ganove" war, aber wohl wirklich nichts mit dem Mord zu tun hatte. Positiv bleibt zu erwähnen, dass unser Gespräch nicht beeinflusst wurde von den Wachen. Wir konnten über alles reden, wurden nicht einmal gestört. Nur war der persönliche Kontakt auch beim Abschied verboten. Auch kleine Geschenke durfte ich nicht da lassen.

Taktische Begnadigung

Nun, ich machte Rummel, besuchte die Redaktion der Houston-Post bekam einen Artikel in der Zeitung, schrieb unzählige offizielle Stellen an mit dem Ergebnis, dass R. zwar begnadigt wurde (zu lebenslanger Haft), aber dadurch noch weniger Chancen auf eine Wiederaufnahme seines Verfahrens hatte. Im Verlauf der nächsten Jahre wurden alle Versuche (auch mit Rechtsbeistand) abgeblockt und auf die lange Bank geschoben bis R. vor zwei Jahren starb. Er hatte zuletzt, so seine Meinung, nicht mehr die Medizin bekommen, die er brauchte. Mein Eindruck: Man wollte einen lästigen Fall los sein und hat ihn bewusst sterben lassen. Was ich aber nicht beweisen kann.

Gegen die Todesstrafe

Aus meiner persönlichen Erfahrung mit einem zum Tode Verurteilten und in dem Wissen, dass es gerade in vielen US-Staaten unschuldig zum Tode Verurteilte in den Zellen gibt (was ja erst jüngst wieder Studenten bewiesen haben) bin ich gegen die Todesstrafe. Es ist eine unmenschliche und erniedrigende Strafe, zumal sie in einigen US-Staaten (38 der 51 Statten haben die Todesstrafe) auch noch rassistisch angewandt wird. Es sitzen mehr Farbige als Weiße in den Zellen; für gleiche Taten werden Farbige häufiger als Weiße zum Tode verurteilt.
Axel Sonntag



Geschrieben am: 15. Feb 2003, 14:52   von: oexel



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