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Übersicht > Unterhaltung > Kinofilme > Thriller > Jury, Die

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Unterhaltung?

Nachteile:
Botschaft?




Some are more equal...
Bericht wurde 3438 mal gelesen Produktbewertung:  befriedigend
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

„Der Mensch ist weder Schurke noch Held. Vielmehr ist er beides zugleich.“ (Martin Luther King, amerikanischer Bürgerrechtler u. Baptistenpfarrer

Was wollte Joel Schumacher uns mit seiner Verfilmung des Bestsellers „Die Jury“ von John Grisham bieten? Pure Unterhaltung und einen kommerziell erfolgreichen Film mit Starbesetzung oder einen Streifen, der uns zum Nachdenken anregt, der bewegt, der Themen wie die Todesstrafe oder Rassismus aufnimmt und versucht, etwas wie eine Botschaft zu vermitteln?

Ein kleines Kaff in Mississippi, irgendwann Ende der 60er oder Anfang der 70er. Ein kleines, 10-jähriges Mädchen wir von zwei Männern brutal vergewaltigt. Der zweifache Versuch, sich mittels Mord des Opfers zu entledigen, scheitert. Die Männer werden festgenommen. Doch der Vater sinnt nach Rache. Bei der nächsten Gelegenheit schießt er die beiden über den Haufen. So weit, so schlecht.

Natürlich können wir die Handlungsweise des Vaters vollkommen nachvollziehen. Natürlich wissen wir, dass er unter bestimmten Gesichtspunkten ein Recht darauf zu haben scheint, zumindest ein moralisches. Natürlich wissen wir auch, dass der gewählte Weg nicht der richtige sein kann. Natürlich wissen wir, dass er gegen Recht verstoßen hat.

Doch Regisseur Schumacher gibt dem Film, wie auch sein Vorlagengeber Grisham, einen interessanten weiteren Aspekt. Denn Vater Carl Lee wird gespielt von Samuel L. Jackson, soll heißen: seine Haut ist schwarz wie die Nacht. Die Vergewaltiger hingegen sind weiß wie Mehlwürmer.

Auf den ersten Blick ist es eigentlich Jackson, der schauspielerisch negativ aufzufallen scheint. Ist sein Charakter doch im Gegensatz zu allen sonstigen Figuren eher blass geblieben. Doch auf den zweiten Blick, in der Gesamtreflexion, ist er der Einzige, der eine glaubwürdige Inszenierung bietet. Denn was von nun an folgt, ist eine Anhäufung von Stereotypen, die ich so bei einem Film bisher selten erlebte.

Carl Lee engagiert Jake Brigance, einen jungen, weißen, bisher erfolglosen aber unglaublich smarten Anwalt. Und wenn ich smart sage, dann meine ich smart. Was Schumacher uns zumutet ist der Wandel vom coolen, alles überschauenden Karriere-Twen, der ständig mit einem Zigarrenstumpen im Mund die miese Situation seiner Kanzlei mit Esprit und Witz wegzuwischen scheint zu einem Opfer seiner zur Schau gestellten Toleranz, in einer Umgebung, in der kein Platz für diese zu sein scheint. Es scheint nur konsequent, dass jeder, aber wirklich jeder versucht, ihn davon abzubringen, den Mörder Carl Lee zu vertreten. Doch er kämpft und kämpft, lässt sich durch nichts abschrecken, sieht er doch am Horizont eine Gerechtigkeit, die es eigentlich gar nicht gibt. Denn der Fall wird recht schnell in zwei Richtungen gelenkt.

So fährt Brigance zweigleisig. Zum einen instrumentalisiert er den zu dieser Zeit an diesem Ort vorherrschenden Rassismus, baut seine Argumentation darauf auf, dass dem armen Carl Lee angesichts der äußeren Gegebenheiten ja gar kein fairer Prozess gemacht werden könne. Und spätestens hier wird der Otto-Normal-Zuschauer dann auch vergessen haben, dass Gerechtigkeit in diesem Falle ja eigentlich den Schuldspruch bedeuten würde. Was Brigance erst sehr spät im Film gelingt, ist beim Zuschauer schon längst geschehen: er sieht Carl Lee im Recht, und das lediglich aufgrund der Tatsache, dass der gute Mann schwarz ist. Die eigentliche Tat rückt in den Hintergrund, scheint im Endeffekt beinahe nebensächlich zu sein.

Das andere Standbein Jakes ist die angebliche Unzurechnungsfähigkeit Carl Lees. Hierzu muss man sicher anmerken, dass Carl Lee bereits einige Zeit vorher sein Handeln indirekt angekündigt hatte; zu allem Überfluss natürlich ausgerechnet bei Jake.

Auftritt Kevin Spacey. Ich mag Kevin Spacey, sehr sogar. Arschlöcher und Psychopathen scheinen ihm wie auf den Leib geschrieben zu sein. Und auch hier – Arschloch par excellence. Wunderbar. Natürlich ist er ein Staatsanwalt (Rufus Buckley). Er ist sogar DER Staatsanwalt schlechthin. Natürlich ein ganz karrierehungriger. Natürlich ist er unglaublich widerlich. Natürlich ist er die neue Definition für Arroganz und Überheblichkeit. Doch spätestens hier beginnt man, sich zu fragen, ob es dem Thema dienlich ist, solch überzogene Charaktere zu erzeugen.

Just in diesem Moment bekommen wir die junge, weiße Aktivistin und Jurastudentin Roark (Sandra Bullock) präsentiert. Gegen Rassismus. Gegen die Todesstrafe. Sie bietet und biedert sich Jack als Gehilfin an und muss sehr schnell feststellen, dass er a) nicht immer ihre Meinung teilt und b) ein ganz großer Moralist ist. Trotz Zuneigung passiert nie etwas zwischen den beiden, denn Jack ist verheiratet. Apropos. Da ist dann auch Stereotyp Nummer 4. Seine Frau, eine echte Kalkleiste, strohblond (im eigentlichen Sinne), natürlich wahnsinnig tolerant und anti-rassistisch; letzteres allerdings nur, bis das erste Kreuz auch vor ihrem Haus brennt. Da hört es mit dem Verständnis dann auch ganz schnell wieder auf...

Die brennenden Kreuze kommen, wie die meisten wissen dürfen, vom Ku-Klux-Klan. Dieser hat flugs eine Filiale in unserem kleinen Kaff eröffnet, die von Freddie Lee (Kiefer Sutherland) angeführt wird. Letzterer war der Bruder eines der beiden Vergewaltiger und könnte kaum rassistischer sein. Stereotyp Nummer 5. Hier endet dann auch die Aufzählung, wobei unzählige Nebencharaktere, wie bspw. der rassistische Juryvorsitzende, die arschkriechenden Staatsanwaltsgehilfen oder der schleimige Scheidungsanwalt und Freund Jakes sich hier problemlos einreihen ließen...

So nimmt der Kampf David gegen Goliath seinen Lauf. Rufus ist natürlich mit allen Wassern gewaschen und ein richtiges Schlitzohr. Natürlich alles unfaire Mittel, moralisch unvertretbar... Jake ist natürlich auch mit allen Wassern gewaschen und ein richtiges Schlitzohr. Natürlich alles clevere Mittel, im Dienste der Toleranz und der Gerechtigkeit.

Mittlerweile verhärten sich natürlich auch die Fronten in der Bevölkerung. Und immer dann, wenn sich Schumacher von der Haupthandlung wegbegibt, die Konfrontation von KKK und der Gesellschaft für die Gleichstellung schwarzer Bürger zeigt und thematisiert, gewinnt der Film ein Stück Glaubwürdigkeit zurück und weiß zu bewegen. Denn auch die letztgenannte Gesellschaft wird keineswegs nur in positives Licht gerückt. Auch hier besteht der Hang zur Instrumentalisierung, die aber dank des überparteilichen Jake scheitert. Dass er diese Instrumentalisierung selbst praktiziert lässt mich dann leider doch an der Glaubwürdigkeit des Charakters zweifeln – aber da scheine ich recht allein zu sein...

Mittlerweile ufert der Konflikt aus. Es gibt Tote. Es gibt abgebrannte Häuser. Es gibt Entführungen. Jake riskiert alles, Haus, Familie, Ehe, Karriere, Job; nur im Dienste seines Gewissens.

Doch auch er bleibt nicht unkritisiert. Zuerst ist es Roark, die ihn mit seiner zur Schau gestellten Toleranz konfrontiert; später ist es Carl Lee selbst, der ihm zu verstehen gibt, dass er einer von den „Anderen“ ist. Erst hier beginnt Jake zu begreifen, natürlich kurz bevor der Prozess sich dem Ende neigt...

Die Geschichte gipfelt in einem Schlussplädoyer, das an Pathos und Vorhersehbarkeit kaum zu überbieten ist. Und konsequenterweise wird Carl Lee dann auch freigesprochen. Man möge sich selbst ein Urteil bilden, inwieweit dies realistisch erscheint, Im Mississippi der späten 60er, bei einem Schwarzen, der zweifachen Mord beging.

Und damit wir nach 2,5 Stunden auch mit einer heilen Welt entlassen werden, lässt Jake seiner Pseudotoleranz dann auch noch echte folgen, besucht Carl Lee, gemeinsam mit seiner Familie – und bildet somit einen ganz hervorragenden Kontrast. Die weiße blonde Tochter spielt mit der schwarzen. Die weiße, blonde Frau unterhält sich mit der schwarzen über Pfirsichkuchen. Und Jake und Carl Lee können endlich Freunde werden, und das, obwohl Carl Lee doch so furchtbar gemein war und behauptet hat, Jake wäre einer von den Bösen...

Was bleibt, ist ein ganz hervorragender Film, wenn man ihn als Unterhaltung betrachtet. Wenn man danach sagen will: „Ja, ich habe Schauspieler gesehen, die ganz hervorragend in der Lage waren, mir Stereotype zu präsentieren. Ja, ich hatte mein Happy End. Ja, Rassismus ist böse und hat nicht gewonnen. Praise the Lord.

Oder aber man betrachtet die Botschaft dahinter. Dass Selbstjustiz gerecht ist. Dass ein Schwarzer gegen Recht verstoßen darf, da er Opfer von Rassismus war und ist. Dass man Gerechtigkeit im Kleinen vergessen darf, wenn sie dadurch im Großen wiederhergestellt wird. Dass der Zweck die Mittel heiligt. Dann hinterlässt der Film einen ziemlich schalen Nachgeschmack. Dann ist er im Sinne der Toleranz eher kontraproduktiv. Denn, um mit den Worten aus Jakes Schlussplädoyer zu schließen:

„Und jetzt stellen Sie sich bitte vor, das Mädchen wäre weiß...“


Geschrieben am: 04. Mar 2002, 09:40   von: TeaJay



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