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Übersicht > Offene Kategorie > A-Z > Alles mit L...

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Mit offenen Augen und Ohren durch die Welt der Kinder streifen.

Nachteile:
Schäden können bis zum Suizidversuch führen, wenn nix dagegen getan wird.




L - wie psychische LANGZEITSCHÄDEN
Bericht wurde 1899 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Mit diesem Bericht möchte ich einen Beitrag zum besseren Hineinverdenken unbetroffener Menschen leisten. Er wird auf einige Leser etwas ungewöhnlich erscheinen. So soll es aber auch ganz bewußt sein.

Anlaß für meine Niederschreibung ist eine Fernsehsendung auf ARTE gewesen, auf die ich Dank einer lieben Userin hingewiesen wurde. Es war der brühmte Themenabend auf ARTE: sexueller Mißbrauch von Kindern. Man liest und hört sooo viel darüber. Aber keiner weiß, wie sich eigentlich das Kind in solchen Momenten fühlt, wie die Angst, die über ihm kommt, zur Phobie wird. Deswegen möchte ich über das Thema schlechthin nicht schreiben, sondern vielmehr über die Nachwirkungen, die Gefühle, das Verarbeiten des Geschehenen und die psychologischen Schäden, die das Kind zeitlebens mit sich trägt. Quasi ein Bericht aus den Augen des betroffenen Kindes.

Wie viele Menschen aus der Nachbarschaft, Freunde, Bekannte usw. sagen nach dem Hörensagen: „Ja, das verstehe ich, ich kann dir nachfühlen.“ NEIN!!! Das können sie nicht. Das kann NUR ein Mensch, der Ähnliches oder Gleiches erlebt hat. ALLE anderen können es nur ahnen.

Was ist sexueller Mißbrauch in den Augen des Kindes?
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Eine Straftat eigentlich. Das Kind weiß ganz genau: Es geschieht etwas Verbotenes. Während der Straftat ist das Kind wie gelähmt. Gelähmt in Worten, gelähmt am ganzen Körper. Es ist geistig völlig abwesend. Nimmt alles nur im Unterbewußtsein war. Es schwebt zwischen Wahrheit und Traum.

Angst, es könnte jemand kommen, es könnte bestraft werden, verletzt werden, ausgeschlossen werden. Hinzu gesellt sich ein Gedankengemisch, welches in Sekundenschnelle durch den Kopf des Kindes rauscht. Das Kind ist hilflos, ratlos, kraftlos und fühlt sich "kotzerbärmlich".

Eigenartigerweise fühlt es auch noch Gehorsam, wenn es sich bei der sexuellen Straftat um den eigenen Vater, Stiefvater oder einen anderen nahen Verwandten handelt.

Das Kind spürt die Schmerzen, dem Kind seine Blicke wandern hilflos umher und denkt nur eines: Wann nimmt das ein Ende? WARUM hilft mir keiner? Wo ist meine Mutti? Mit wem kann UND darf ich darüber reden. Fragen über Fragen, und das Kind bekommt KEINE Antwort. Die Welt um ihn herum schein trostlos und verloren. Das Kind fühlt sich minderwertiger denn je.

Die psychologischen Probleme nehmen ihren Lauf
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In dem Kind entsteht eine Mischung aus Wut, Haß, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Depressionen schon im Kindesalter. Mit der Zeit gewöhnt sich das Kind daran, damit zu leben. Es resigniert! Dem Kind fehlt die komplette Bewältigungstaktik, die es auf Grund seines Alters einfach nicht haben kann.

Alarmsignale des Kindes
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Jede Menge unternimmt das Kind, um unbedingte Aufmerksamkeit in seinem Umfeld zu erhalten. Je weniger es Aufmerksamkeit erhält, um so mehr unternimmt es, um diese zu erhalten. Das führt bis hin zu schweren Verhaltensstörungen.

Das Kind fängt an, die Umgebung seines "Täters" zu meiden. Zieht sich immer mehr hin zu Großeltern oder zur Mutter. Aber genau dieses Verhalten wird von der Mutter nicht als Alarmsignal verstanden. Es passiert genau das Gegenteil: Die Mutter sagt WIEDERHOLT zum Kind: „Hab dich doch nicht so, Vati ist doch so gut zu dir.“ Bruch, das ist der größte seelische Schlag, den das Kind erhalten konnte. Spätestens von diesem Moment an weiß das Kind: Zur Mutter braucht es nicht mehr zu gehen, um von ihr Hilfe zu erwarten.

Der Tag der WAHRHEIT rückt immer näher
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Irgendwann kommt der Tag, an dem nun doch alles herauskommt. Aus welchen Gründen und Situationen auch immer. Was nun??? Oh Grauen, das kann doch nicht wahr sein. Um Gottes Willen. Erzähl das BLOSS keinem anderen. So sind dann die Worte der Mutter.

Das Kind weiß nun überhaupt nicht mehr, was es von dem Verhalten der Mutter halten soll. Es war doch froh, nun alles erzählt zu haben. Was ist geschehen? Wie wirkt das auf das Kind? Furchtbar, einfach furchtbar. Das Kind hatte Hilfe und Verständnis von der Mutter erhofft. Was hat es erhalten? Eine Bürde, eine Last: ZU SCHWEIGEN!!! Eine sehr schwere Last, die das Kind da auf seinen Schultern tragen MUSS. Statt dem Kind zu helfen, hat es eine Pflicht auferlegt bekommen.

Das Verhalten anderer Kinder, gegenüber dem geschädigtem Kind
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Nachdem die Kinder durch Veröffentlichung der Medien, oder alleine durch das Verhören der Polizeit im Schulgebäude erfahren haben, was mit ihrer Mitschülerin passierte, distanzieren sich zunächst erst einmal alle Schüler von diesem geschädigten Kind. Bruch! Der nächste seelische Schlag wirkt auf das Kind ein. Das Kind beginnt damit, sich selbst Fragen zu stellen: Was habe ich nur getan, warum sind alle so komisch zu mir? ICH habe doch ihnen nichts getan. Alle meiden mich, als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Habe ich nicht schon genug aushalten müssen und verstehen, was ich nicht verstehen kann? Was kann ich denn dazu, wenn ich Gehorsam übe. Ist denn das schlecht?

Das Verhör
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Vorweg: Sexuelle Aufklärung ist heute schon im frühen Alter über die Schulen schon ab der 8. Klasse vorzufinden. Ich rede hier aber in einer weitaus früheren Vergangenheit. Aus den 60ern. Da gab es noch keine solche Aufklärung. Und schon gar nicht auf dem Lande.

Wie nun auf die Fragen antworten? Welches Kind aus den 60ern weiß schon, was ein "Pimmel, Schwanz, Penis usw." ist? Keines. Also, dann streng dich mal schön an, du liebes Kind, und erzähl doch mal dem Onkel, was dein Pappi mit dir so gespielt hat! So begannen die Verhör(e). Beklemmend. Sehr beklemmend kann ich da nur sagen. In den ersten Sekunden bringt das Kind nicht einen einzigen Ton über seine Lippen. Hilfesuchend wandern seine Blicke von einem Onkel zum anderen. Es wartet auf Hilfestellung, auf eine Frage, damit es wenigstens den Anfang findet. Nichts, aber auch gar nichts passiert. Doch allmählich bequemen sich die Onkels ein Blatt Papier vor das Kind zu legen. Es sollte anfangen, aufzumalen, was das Kind gesehen hat. Was es in Erinnerung hat, was es während der Straftat erlebt hat. Die Verständigung zwischen Kind und Kripo wahr mühsam. Alles wiederholte sich zum x-ten Male. Ein Verhör nach dem anderen. Es wurde keine Rücksicht auf das Kind genommen. In der heutigen Zeit sind wenigstens noch Kinderpsychologen zugegen, die sofort einschreiten, wenn das Kind kurz vorm seelischen Zusammenbruch ist. Aber damals wurde von einem Kind ebensoviel abverlangt, wie von einem Erwachsenen.

Die Trennung vom Täter
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Wer jetzt denkt, wenn der Täter nun endlich hinter Gittern sitzt, hat es das Kind leichter, der irrt! Auch hier geschiet das Gegenteil. Das Kind macht sich die allergrößten Vorwürfe, dass es seinen Pappi in den Knast gebracht hat. Die Mutter des Täters (Oma) schaut das Kind nur noch von der Seite an, weil es ihren geliebten Sohn genommen hat. Reden tut sie schon gleich gar nicht mehr mit ihm. Weihnachtsgeschenke? Vergiß es. Diese Vorwürfe waren eine weitere Last auf den Schultern des Kindes. Es durfte dafür jetzt auch schwer, sehr schwer arbeiten. Schließlich galt es, einen großen Bauernhof zu bewirtschaften. Der Mann auf dem Hof fehlte, da muß das Kind herhalten. Aus war es mit der Kinderzeit. Das Kind wurde frühzeitig aus dem Kindeshalter geholt. Es wurde erwachsen, begann allmählich ernster und selbständiger zu werden.

Die Zeit nach dem Knast
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Unerträglich. Wieder hatte das Kind Angst. Der Peiniger war zurück. Angst nun erst Recht. Stündlich erwartete das Kind die sogenannte Rache. Wo es ging, vermied das Kind einen Zusammenstoß. Es war sogar überfreundlich zu ihrem Peiniger. Die Mutter: Sie dachte nun, es sei alles wieder bestens. Sie schickte das Kind mit ihrem Peiniger zusammen oft irgendwohin. Das Kind sollte seinem Pappi bei vielen Arbeiten helfen. Was die Mutter nicht wußte: Sie tat dem Kind wieder Lasten aufbürden. Sie ahnte nicht, wie schwer es dem Kind fiel, mit ihm zusammen zu sein.

Das Kind wird biologisch erwachsen
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Pupertät: Die ersten Küsse, die ersten Flirts. Aber mehr nicht. Es hatte ganz grausame Angst vor weiterem. Es hatte Angst, ihm könne wieder weh getan werden. Das Kind ist zwar nun biologisch erwachsen, aber sexuell ein Spätzünder. Damit hatte es nix am Hut. Wie oft traf das Mädchen auf wirklich sehr nette Jungs, Männer. Aber sie konnte nicht aus ihrer Haut heraus. Sie konnte ja keinen von ihnen erzählen, was mit ihr geschehen war. Mit was sie für psychische sexuelle Komplexe zu kämpfen hatte. Wer sollte dafür auch Verständnis aufbringen. Das Kind war abgestempelt. Alles lachte über das Kind. Es galt als albern und geziert. So etwas spricht sich natürlich auch unter den Jungens herum. Resultat: Man mied das Mädchen. Andere gingen Tanzen. Das Mädchen durfte zu Hause bleiben und in ihre Kissen weinen. Es erwachte eine große Sehnsucht in dem Kind. Sehnsucht nach einem zärtlichen Streicheln, Sehnsucht nach Verständnis. Letztendlich erwachten auch eigene Zweifel in dem Mädchen, ob es noch normal sei. Das Kind zog sich immer mehr zurück in die Einsamkeit. Es wollte doch eh keiner.

Die Gegenwart
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Das Mädchen hat nun schon doch mit einigen Männern Sex gehabt. Es hat gelernt, damit umzugehen. Ein langer Weg über 50 Jahre. Und heute noch hat sie ihre ureigensten Vorstellungen und Gedanken über den Sex. Sie stellt an den Partner sehr hohe Ansprüche. Das Kind – zukünfig die Frau – ist übersensibilisiert.

Übersensibilisiert in den Tönen, die zu ihr gesprochen werden. Übersensibilisiert auf die Empfindungen, wenn ihr Körper berührt wird. Übersensibilisiert im Verhalten, was man ihr entgegenbringt. Ein Partner hat es mit solch einer geschädigten Frau nicht leicht. Er muß sie mit Glazéhandschuhen anfassen. Macht er dies nicht, riskiert er eine Trennung oder er schmeißt um, was die Frau sich selbst und mit vielen Psychologen in mühsamer jahrelanger Kleinarbeit aufgebaut hat.

Wie sieht es mit dem Vergessen aus?
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Ist nur begrenzt möglich. Es wird ins Unterbewußtsein verdrängt. Beim kleinsten Anlaß über dieses Thema ist alles SOFORT wieder da. Es läuft ein innerer Film vor den Augen ab. Diese Art von Geschehnissen können mit dem besten Psychologen nicht völlig aus dem Gedächtnis ausgeräumt werden. Man kann die Dinge nur verarbeiten und lernen, mit dem Geschehenen zu leben.

Mit anderen Worten: Solch ein geschädigtes Kind hat die Langzeitschäden bis ins hohe Alter zu ertragen. Diese Schäden können in vielen Lebenssituationen verherende Folgen mit sich bringen.

Was gibt ein geschädigter Mensch an andere weiter?
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Augen und Ohren offen halten! In der Familie und in der Nachbarschaft. Lernt, Alarmsignale rechtzeitig zu erkennen, sie sofort zu melden. Augen und Ohren zu verschließen wäre völlig verkehrt. Denkt immer daran: Das Kind wartet innerlich sehr darauf, gehört zu werden, verstanden zu werden. Egal, ob in der Familie oder von Fremden. Hauptsache es wird gehört. Nichts wünscht sich dieses Kind sehnlicher. Verständnis und gehört werden.

Wie tief sitzen die Erinnerungen noch nach Jahren?
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Sehr, sehr tief. So sehr tief, dass nicht nur ein innerer Film abläuft, sondern das alles Erlebte nocheinmal erlebt wird. Und das ist schrecklich. Gänsehaut, Wut, Haß und Unverständnis über die milden Strafen, die die Täter erhalten.

Als ich diesen Themenabend auf ARTE von Anfang bis Ende sehr intensiv verfolgte und die Erinnerungen über mich kamen, erlebte ich nicht nur nocheinmal alles.

Sogar die Machart, der Geruch, die Farbe der Tapete, das Zimmer insgesamt ... Alles, aber auch alles kam wieder hoch. In sekundenschnelle liefen alle Attacken vor meinen Augen ab. Nie wieder sexueller Kindesmißbrauch! Ich würde mich von Herzen freuen, wenn es mir mit diesem Bericht möglich war, Unbetroffene das wirkliche Geschehen rund um das geschädigte Kind etwas näher zu bringen und damit zu verdeutlichen.

Ich bedanke mich herzlich fürs Lesen.
Copyright © by Roswitha Willner/2001



Geschrieben am: 15. Oct 2001, 03:32   von: powerfrau



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