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Übersicht > Games > Rollenspiel > Engel

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
feines Layout, sehr atmosphärisch & kreativ, mal was richtig Neues – abseits der Wege ;-)

Nachteile:
knapp 20 Euro, einige vermeidbare Rechtschreibfehler




Die, die sind wie Gott
Bericht wurde 1739 mal gelesen Produktbewertung:  gut
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

In beeindruckendem Layout liegt nun das Ordensbuch: Michaeliten vor mir, dass inhaltlich zumindest meist mit den beeindruckenden Bildern mithalten kann.

Oliver Graute und Oliver Hoffmann wollen uns also jenen Orden nahebringen, der gemeinhin als die Führer der (Engels-) Scharen bezeichnet wird, starten aber mit ihrer Annäherung im Italien des 27. Jahrhundert, Mutterland der Angelitischen Kirche. Im Kapitel „Urbs et orbis“ wird sachlich-fachlich, dass mancher sich in ein Geographielehrbuch aus Schulzeiten oder seinen letzten Reiseführer erinnert fühlt, auf das mächtigste europäische Land und seinen zwölf (heilige Zahl!) Provinzen eingegangen. Kurz und bündig, so dass es nicht zu trocken wird, dem Leser eine grobe Übersicht bietend, sicherlich nicht genug Material, um einem Meister nun eine ganze Kampagne in einer der Regionen zu ermöglichen. Dazu ist es aber sicherlich auch nicht gedacht.
Die Übersichtskarte, ebenfalls stillvoll gezeichnet, wird dem Leser wohl als erstes wegen dem riesigen Dreieck um Korsika und Sardegna (Sardinien) herum, ins Auge fallen – unüberwindbares Brandland rund um diesen Sektor, wo sich die Tore der Hölle geöffnet haben und niemand außer dem Herrn der Fliegen höchstselbst weiß, wie es im Inneren aussieht.
Der zweite Teil des Kapitels kümmert sich um die Hauptstadt Roma Æterna, der umgebenen Provinz Latium und der wichtigsten Gebäude der Stadt, geht aber auch auf gesellschaftliche und historische Fragen ein.

Das „Castra Michaelitorum“ beschreibt das wohl zentralste und größte Gebäude des neuen Roms, den Himmel der Michaeliten. Ausführlich wird auf die Struktur, Tore, Wohn- und Versorgungseinheiten eingegangen und durch die 3-fach A4 große, stilvolle Gebäudekarte ergänzt, die den riesigen Turm in gänze mit Aufrissen an einigen Stellen zeigt, so dass man letztendlich ein plastisches Bild gewinnt.

„Machinationes Michaelitorum“ geht nun auf den Orden ein, angefangen mit der Ankunft des Engels auf Erden, der drei Ausbildungsabschnitte, den sogenannten Claustrums, die er durchläuft, ihren Unterorden und Gruppierungen, bis sie schließlich den Ruf in die weite Welt folgen. Spätestens hier wird es richtig spannend zu lesen, so außergewöhnlich und fremdartig ist diese Rollenspielwelt, ohne ins irreale oder absurde abzudriften.
Der Rest des Kapitels erläutert spezielle Michaeliten-Mächten (nach d20) sowie stellt es 6 Beispielcharaktere vor, die vom fanatisch-verblendeten Jungengel bis hin zum resignierten Ungläubigen reichen. Das ganze ist so angelegt, dass sie sowohl schnell als NSC benutzt werden können als auch als (Teil eines) Spieler-Charakterkonzepts dienen kann, wobei auch hier die Vielfalt erfrischt und keine stereotypen Platzfüller sind, wie es mir bei den Vampire-Clanbüchern manchmal vorkommt. Augenfällig sind die deutlichen Unterschiede des werteorientierten d20-Systems und dem viel freizügigerem Arkana-System.

„Michaeliti extra fines“ stellt verschiedene Außenposten des Ordens in Europa vor, wobei es immer auch viel über politische Hintergründe zu erfahren gibt. Dover Island stellt z. B. die letzte Bastion der Michaeliten in Britannien dar, welches überraschend den Gabrieliten überantwortet wurde. Der Schreibstil läßt förmlich einige mögliche Szenarien und Abenteuerideen in den Köpfen des lesenden Meisters vorbeiziehen. Ergänzt wird das Kapitel mit den Beziehungen des Ordens zu den anderen Engel-Orden.

Zuguterletzt bildet „Dramatis Personae“ eine Vorstellung bedeutener Ordensmitglieder, welche im wesentlichen durch die Vorsteher des Himmels und das Konsistorium, das höchste Gremium des Ordens, gestellt werden. Aber auch hier muss ich einen lebendigen, kreativen Schreibstil attestieren, der gar keinen Gedanken an das Wörtchen „Lückenbüßer“ aufkommen läßt.

Die einzelnen Kapitel werden jedenfalls von einem Introitus begonnen, atmospärischen, zweiseitigen Kurzgeschichten, das Cover ziert ein beeindruckend schwarz-weiß getuschter Michalit, in mit gold kalligraphierten Lettern prangt der Titel dort, ein Stil der sich im Inneren fortsetzt (, wenn auch in schwarz-weiß), und auch die getuschten Engel im Inneren zeugen von der hoher Qualität des gesamten Werks. Durchbrochen wird das zweispaltige, sehr übersichtliche Layout stellenweise von randlosen Textboxen, die tieferes Wissen über das Europa des 27. Jahrtausend und die Welt der Engel vermitteln oder auch mal die NSC-Werte wiederfindet. Im Appendix finden sich noch zwei spezifische Waffen für das d20-System und die obligatorische Open gaming license.

Etwas kritisch muss ich auf die Rechtschreibfehler eingehen, zwar halten sie sich in grenzen, scheinen mir sie aber so augenscheinlich (z.B. diee), dass es erst wundert, dass weder Lektorat noch Korrektorat sie übersehen hat. Jedoch mit dem Wissen, dass dieses zu 50% aus den Autoren besteht, wird es schon erklärlicher, eigene Fehler übersieht man einfach schneller...

Mein Fazit: Marketingtechnisch nicht ungeschickt ist SL- und Spielerwissen gut durchmischt, reich an Informationen eben nicht nur über Michaeliten, fast immer atmosphärisch und spannend und layouttechnisch wohl das beste, was der Markt zu bieten hat. Spielern sei allerdings abgeraten, sich das Heft ohne Rücksprache mit seinem SL zu kaufen, da viele Erzähler ihre Spieler als frisch auf erden angekommende engel starten lassen wollen ohne jegliches Vorwissen (auch seitens des Spielers, nicht nur des Charakters). Ansonsten komme ich zu einer uneingeschränkten Empfehlung trotz eines Preises von fast 20 Euro, zu der ich bei den vergleichbaren Clansbüchern zu Vampire eher selten komme.

Produktname: Engel Ordensbuch: Michaeliten
Autor(en): Oliver Graute, Oliver Hoffmann
Verlag: Feder & Schwert
ISBN: 3-935282-47-8
Preis: 17,95 Euro
Seiten: 96 + Kartenbeilage
System: Engel



Geschrieben am: 18. Apr 2003, 18:42   von: Greifenklaue



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