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Übersicht > Medien > Bücher > Autoren > Morton Frederic > Ewigkeitsgasse

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
sehr guter sprachlicher Stil, anspruchsvoller Inhalt

Nachteile:
---




Was machen Beine im Kühlschrank?
Bericht wurde 2295 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Diesmal gibt es keinen Krimi, keinen historischen Roman, sondern diesmal will ich im Rahmen des „Bücherfrühlings“ von einem wunderbaren Stück Literatur berichten – „Ewigkeitsgasse“ von Frederic Morton.

Zum Autor:

Frederic Morton, ein amerikanischer Schriftsteller europäischer, besser österreichisch-jüdischer Prägung, wurde am 5.10.1924 in Wien Hernals als Fritz Mandelbaum geboren. Nachdem 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, sein Vater verhaftet und nach Dachau gebracht wurde (nach einiger Zeit wurde er wieder freigelassen),
emigrierte die Familie 1939 nach Großbritannien, von wo aus sie 1940 nach Amerika (New York) weiter wanderte. Dort änderte Fritz Mandelbaum seinen Namen in Frederic Morton, denn unter den damals sehr antisemitischen amerikanischen Gewerkschaften durfte der Vater unter dem Namen Mandelbaum nicht in die „Union“ eintreten.
Frederic besuchte dort eine Bäckergewerbsschule, studierte danach Nahrungsmittelchemie, nach Abschluss auch Literaturwissenschaften. Während er an verschiedenen Universitäten Englische Literatur lehrte, kamen seine ersten Veröffentlichungen auf den Markt – „The Hound“ und „Asphalt and Desire“. Schon seine ersten Bücher erregten literarisches Aufsehen und Thomas Mann z.B. schrieb: „Frederic Morton ist ein außergewöhnlich begabter Erforscher der Beziehungen zwischen menschlichem Charakter und gesellschaftlichem Milieu. Dieser Schriftsteller ist ausgereift im Stil und brillant in seinen Einsichten.“
Ab 1959 arbeitete Morton nur noch als freiberuflicher Schriftsteller, landete mit „Die Rothschildts. Ein Portrait der Dynastie“ einen absoluten Bestseller, der in 23 Sprachen übersetzt wurde.
„Ewigkeitsgasse“ erschien erstmalig 1984.
Viele Preise und Auszeichnungen heimste der geniale Schreiber ein, u.a. das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien und zweimal wurde er für den National Book Award (höchste Auszeichnung in den USA, für die jeweils die fünf besten Bücher eines Jahres ausgewählt werden) nominiert.

Zum Inhalt:

Ein Stein, für manche ein Sakrament, für andere eine Belastung – ein Stein, der 1683 vom Großwesir Kara Mustafa, der vor der österreichischen Hauptstadt sein Lager aufschlug, mit zwei anderen Reliquien mitgebracht wurde; ein Stein, der von der Klagemauer, den Überresten des letzten Tempels der Juden stammte. Dieser Stein würde fast 250 Jahre später das Geschick der Familie Spiegelglas bestimmen.
Berek Spiegelglas, ein slowakischer Schmiedegeselle aus Varungy, einem schon fast verlassenen kleinen Weiler, kam 1873, auf Veranlassung von Dr. Nassig, einem etwas zwielichtigem Gesellen, der bald mit all dem ihm anvertrautem Gelde verschwand, nach Wien, besser in die Wiener Vorstadt ans Türkenplatzl. Von dort fuhr er in die Hofburg, um dem Kaiser eine Gans zu überreichen und ihn gleichzeitig um die Genehmigung der Niederlassung und der Herstellung von Metallwaren aller Art zu bitten – eine Bitte, die dem jungen Juden sofort gewährt wurde.
Es war die Zeit der Wiener Weltausstellung, eine Zeit, in der große Nachfrage nach kunstvoll verzierten Medaillen herrschte, eine Zeit, in der die Monarchie noch in voller Blüte stand.
Berek nutzte die Gunst der Stunde, holte seine Cousine und deren Mann aus Varungy ans Türkenplatzl, heiratete dort Tamara, die Hüterin des Steines, kaufte mit der Zeit der Israelitischen Kultusgemeinde alle sechs Häuser des Türkenplatzls ab und erreichte schließlich durch unentwegtes Arbeiten ein gewisses Maß an Wohlstand.
Seine Frau, die er sehr liebte und die ihm während ihrer Schwangerschaft das Schreiben bis zum Buchstaben s beibrachte, gebar ihm nach vielen Jahren Zwillinge, starb aber eine Woche nach der Geburt. Doch Berek fand in Hesther, einer Kusine Tamaras, seine zweite Tamara, die mit dem Schreibunterricht weiter machte – deshalb schrieb Berek Zeit seines Lebens die Buchstaben a-s in Kurrentschrift und die restlichen Buchstaben in lateinischer Schrift - und arbeitete unermüdlich, glaubte an die Wirkung des Steines und lebte in seiner Welt, dem Türkenplatzl.
Der erste Weltkrieg kam, die Monarchie zerfiel und mit dem Tag des „Anschlusses“ endet Bereks Geschichte, endet sein Leben, endet das Türkenplatzl.

Homorphus’ Leseerfahrung:

Dieses Buch faszinierte mich von der ersten bis zur letzten Zeile. Es ist nicht einfach eine Familiengeschichte, es ist die Geschichte eines jüdischen Lebens in Wien, fernab vom mondänen Leben der Jahrhundertwende innerhalb des Ringes. Morton erzählt unheimlich liebevoll, der wunderbare feine jüdische Humor ist in jeder Zeile zu spüren.
Fantasie und Geschichte wird kunstvoll vermischt, jede einzelne Figur ist durchkonstruiert und großartig gezeichnet. Jeder Charakter ist anders und dennoch gehören sie alle zusammen.
Sei es der ruhige, unerschütterliche Berek, das Familienoberhaupt, die eher exzentrische Hesther, der lustige Conrad, der riesige Ferdinand, die immer fröhliche Riddah (der zwei Hähne überall hin nachlaufen), der kleine Leon…
Doch nicht nur jüdisches Leben, sondern auch christliche Monarchisten, z.B. Bereks Kompagnon Schall, der alte Fürst Wallisch begegnen uns in diesem Roman. Wir erleben die Elektrifizierung der Vorstadt genauso mit wie die Zeit der Suppenküchen, die Auseinandersetzungen zwischen Schutzbund und Heimwehr, den Bürgerkrieg 1934, den Generalstreik – den Untergang Österreichs; aber alles ohne Wehleidigkeit oder politischem Anspruch, sondern aus der Warte ganz normaler, liebenswerter Menschen, die auf unterschiedlichste Weise versuchen, durch die Zeit zu kommen.
Das Türkenplatzl ist der Thelemanngasse in Wien Hernals (17. Bezirk) nachempfunden, einer Gasse, in der Mortons Großvater eine Metallfabrik hatte, eine Gasse, die es heute noch gibt.

Für jeden, den es zwischendurch einfach nach sprachlich wunderbar ausgefeilter und trotzdem angenehm zu lesender Literatur gelüstet, ist „Die Ewigkeitsgasse“ unbedingt zu empfehlen. Ihr werdet lachen, schmunzeln, nachdenklich sein, euch vielleicht zwischendurch auch ärgern über die Sturheit Bereks, ihr werdet das Buch aus der Hand legen und sagen: „Schade, dass es nicht weiter geht!“

Frederic Morton: Ewigkeitsgasse. 1996, Deuticke, ISBN 3216301915. € 13.90

Lasst euch verzaubern von Frederic Morton und seiner Ewigkeitsgasse

Homorphus

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PS: Die Überschrift bezieht sich auf eine besondere Szene des Romans, in der der unerschütterliche Optimismus einer der ProtagonistInnen herauskommt.


Geschrieben am: 04. May 2003, 19:36   von: homorphus



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