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Übersicht > Medien > Bücher > Autoren > Oates, Joyce Carol "Das Spukhaus"

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
spannend, abwechslungsreich, sogar ein lesenswertes Nachwort

Nachteile:
manche Geschichten schwach




Groteske Geschichten
Bericht wurde 1775 mal gelesen Produktbewertung:  gut
Bericht wurde 1 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Neben Margaret Atwood gehört Joyce Carol Oates zu den wichtigsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Sie wurde für ihre Romane, Erzählungen, Gedichte und Theaterstücke mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem auch mit dem „National Book Award“. Daher hat mich diese Autorin schon lange interessiert. Dieses Taschenbuch mit 16 Geschichten ist das erste und bisher einzige Buch, dass ich von ihr gelesen habe.

Der Originaltitel des Buches lautet „Haunted. Tales of the Grotesque“. Dieser Titel passt sehr gut, zumal die Autorin selbst im Nachwort erklärt, was für sie der Begriff „Grotesk“ bedeutet: Groteske Geschichten sind sehr vielfältig, sie bergen die gesamte Fülle der Phantasie. Allerdings gehören die eleganten Geistergeschichten der viktorianischen Zeit nicht dazu, sie sind zu anständig. Groteske Geschichten bieten Grusel und Erschütterung, aber auch Abstoßendes, sie sind nicht gefällig.
Die Geschichten dieses Buches sind sehr unterschiedlich. Teilweise gehören sie in den Bereich „Krimi“, andere eher zu Fantasy oder Grusel. Die Autorin hat durchwegs ein gutes sprachliches Niveau. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen immer Frauen.

Ich möchte jetzt ein paar der Geschichten vorstellen:

„Die weiße Katze“:
Ein reicher, älterer Mann hat eine wesentlich jüngere Frau, eine verführerische Schauspielerin geheiratet. Leider entwickelt er nach und nach einen unerklärlichen Hass auf die schöne weiße Perserkatze, die er seiner Frau vor Jahren geschenkt hat. Er versucht, das Tier umzubringen – allerdings bewahrheitet sich hier auf gruselige Weise, dass Katzen viele Leben haben. Der Schluss ist sehr überraschend.
 Diese Geschichte ist für mich eine der besten des Buches. Eigentlich stellt sie auch eine Ausnahme dar, weil die Geschichte aus der Sicht des Mannes geschildert wird. Mir gefällt, welche unerwarteten Wendungen die Handlungen nimmt und wie zwischen den Zeilen die Eheprobleme aufgezeigt werden. „Die weiße Katze“ ist sehr spannend.

„Das Modell“:
Ein junges Mädchen, das nach dem angeblichen Unfalltod der Eltern bei ihrer Tante lebt, wird beim Joggen im Park von einem fremden Mann angesprochen. Er möchte sie porträtieren und ihr dafür eine Menge Geld zahlen. Das Mädchen nimmt an. Der Fremde ist so nett und anständig. Aber ist er harmlos?
 Dies ist eine sehr lange Geschichte mit fast 60 Seiten. Es handelt sich um eine ruhige Geschichte, die eher ein Krimi ist. Sie hat kein „übernatürliches Element“ und könnte sich eigentlich wirklich zutragen. Was mir hier nicht so gut gefällt, ist das offene Ende. Die Geschichte ist aber sehr einfühlsam geschildert und somit lesenswert.

„Mildernde Umstände“:
Eine Frau hat ein Verbrechen begangen und schildert ihre Gründe.
 Diese sehr kurze Geschichte ist für meinen Geschmack einfach nur nervtötend, weil (fast) jeder Satz mit „Weil“ beginnt.

„Das Vorgefühl“
Ein Mann namens Witney macht sich Sorgen, weil sein Bruder Quinn kurz vor Weihnachten nicht zu erreichen ist. Hat der jähzornige Bruder vielleicht seiner Frau und seinen Töchtern etwas angetan? Witney ist allerdings ein Meister darin, vor dem Offensichtlichen seine Augen zu verschließen. Er ist erleichtert, seine Schwägerin und die Nichten munter im Haus vorzufinden, wo sie mit Putzen, Geschenke verpacken und Koffer packen beschäftigt sind.
 Wieder eine Geschichte, die mir sehr gut gefällt. Die Autorin sagt dem Leser zwar nicht ausdrücklich, was geschehen ist, aber sie führt ihn genau in die richtige Richtung. Eine schwarzhumorige Schadenfreude-Geschichte, die mir viel Spaß gemacht hat.

„Blind“
Eine alte Frau wacht in der Nacht auf. Irgendetwas ist passiert. Kein Licht lässt sich anschaltet, es ist extrem dunkel. Der Ehemann liegt offensichtlich tot im Bett. Sie versucht, Hilfe zu holen. Aber wie?
 Eine makabere Geschichte, bei der man erst ganz zum Schluss erfährt, was passiert ist. Und das ist sehr schrecklich. Ich finde „Blind“ ausgezeichnet, sie erinnert mich stark an die besten Lovecraft-Geschichten, wobei „Blind“ allerdings deutlich moderner ist.

„Der Radioastronom“
Wieder eine realistische Geschichte. Eine Altenpflegerin schildert ihre Arbeit bei einem Radioastronom, der mal ein großartiger Wissenschaftler war. Nach einem Schlaganfall ist er pflegebedürftig.
 Diese Geschichte könnte tatsächlich so von einer Altenpflegerin erzählt werden. Das Grauen findet nur im Kopf des ehemaligen Radioastronoms statt, der immer noch hofft, wieder gesund zu werden, dem nicht bewusst ist, wie schwer es ihn erwischt hat. Wieder eine gute, lesenswerte Geschichte, die nicht so belanglos und schlicht ist, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte.

„Martyrium“
Diese sehr lange Geschichte besteht aus zwei Handlungssträngen. Einer handelt von einer Ratte – oder Ratten an sich – die um ihr Überleben kämpfen. Der andere Handlungsstrang widmet sich „Babygirl“, einem Mädchen, das nur gezüchtet wurde, um alle männlichen Phantasien zu befriedigen.
 Ich finde diese Geschichte einfach nur scheußlich, ich konnte kaum ertragen, wie „Babygirl“ im Verlauf der Handlung gequält und gefoltert wird. Auch die Wortwahl ist hart. Für feinfühlige Menschen ist diese Geschichte definitiv nicht geeignet. Mir ist zwar klar, dass die Autorin mit dieser Geschichte einen tieferen Sinn vermitteln möchte. Trotzdem ist mir „Martyrium“ zu hart.

„Die fluchbeladenen Bewohner des Hauses Bly“
Miss Jessel, die brave Pfarrerstochter und ihr Liebhaber Quint müssen nach dem Tod weiterhin im Haus ihres Arbeitgebers spuken. Miss Jessel war die Gouvernante der kleinen Flora. Wie Jessel von Quint schwanger wurde, sah sie keinen Ausweg ausser Selbstmord. Quint ist kurz danach durch einen Unfall gestorben...
 Diese Geschichte ist für mich wieder ein kleines Meisterwerk. Auf den ersten Blick eine viktorianische Geistergeschichte (sie spielt ja auch in dieser Zeit). Allerdings spricht die Autorin in dieser Geschichte Themen an, die für eine viktorianische Gruselgeschichte definitiv tabu sind. Und sie verdreht die Moral, den der Leser ist zwangsläufig auf der Seite der verruchten Miss Jessel, nicht auf der Seite ihrer anständigen Nachfolgerin...

Meine Meinung zum Buch insgesamt:
Diese Sammlung von Kurzgeschichten hat dem Leser einiges zu bieten. Allerdings braucht man am Anfang etwas Durchhaltevermögen. Die ersten drei Geschichten sind etwas schwierig. „Die Puppe“ und „Der Bingomaster“ sind sich von der Art ähnlich und das Ende ist so offen, dass man sich vielleicht fragt, was das soll. „Das Spukhaus“ ist eine makabere Kriminalgeschichte. Der erste Höhepunkt ist wie gesagt „Die weiße Katze“, da war mir klar, dass ich dieses Buch auch zu Ende lesen wollte.
Joyce Carol Oates bietet ein breites Spektrum von makaberen oder grotesken Geschichten. Es gibt viele überraschende Wendungen, somit sind die Geschichten nicht vorhersehbar. Mir gefällt sehr, wie Joyce Carol Oates die Tradition der makaberen Geschichten weiterführt. Der Einfluss von Autoren wie E. A. Poe und H. P. Lovecraft fällt auf. Aber sie kopiert diese Geschichten nicht, sondern führt sie weiter. Für mich war auch erstaunlich, wie die Autorin ihre Wortwahl ändern kann. Je nachdem, wovon die Geschichte handelt oder aus wessen Sicht sie schreibt.
Sie lässt dem Leser auch Raum für eigene Interpretationen. Es ist nicht immer klar, ob etwas Übernatürliches passiert ist oder ob eine Person einfach verrückt geworden ist. Ich mag das gern. Es zeigt für mich, dass die Autorin ihrer Leserschaft genug Verstand zutraut, sich selbst eine Meinung über eine Geschichte zu bilden. (Schlechte Autoren erklären alles bis ins Detail, so dass man den Eindruck hat, eine Onkel mit erhobenem Zeigefinger würde hinter einem stehen.)
Wer das Buch liest, sollte auf jeden Fall auch das Nachwort der Autorin lesen, in dem sie sich mit grotesken Geschichten an sich befasst. Ich finde es absolut lesenswert und interessant.

Ich kann das Buch allen empfehlen, die sich von einer Sammlung von Kurzgeschichten mehr erwarten, als „nette Unterhaltung“. Denn „nett“ sind diese Geschichten wirklich nicht.


Geschrieben am: 03. Mar 2003, 20:23   von: Dragonfly



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