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Übersicht > Medien > Bücher > Buchtitel > W > Wüstenblume (Dirie, Waris)

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
unterhaltsames Buch mit nachdenklichem Charakter, regt zum respektvollen aber nachdenklichen Umgang mit Kulturen an,

Nachteile:
klingt manchmal so unglaublich, daß man kaum glaubt, daß es eine Autobiografie ist




Wüstenblumen sind unzerstörbar!
Bericht wurde 2324 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 2 mal kommentiert Berichtbewertung: 

"Ein leises Geräusch weckte mich. Ich öffnete die Augen und starrte direkt in das Gesicht eines Löwen. Sofort war ich hellwach. Ich riss meine Augen so weit auf, als ob das Tier vor mir darin Platz finden müsste. Da ich seit Tagen nichts gegessen hatte, war ich viel zu schwach, um aufzustehen, und meine Beine gaben schon bei dem Versuch zitternd unter mir nach. Matt ließ ich mich an den Baum zurücksinken, in dessen Schatten ich, geschützt vor der gnadenlosen Sonne der afrikanischen Wüste, Rast gemacht hatte. Ich legte ruhig den Kopf an den Stamm, schloss die Augen und spürte die rauhe Baumrinde an meinem Schädel. Der Löwe war so nah, dass ich in der sengenden Hitze seinen fauligen Atem roch."

So beginnt Waris Dirie ihren Roman Wüstenblume, der gleichzeitig auch eine Autobiographie darstellt.
Zu diesem Zeitpunkt ist sie etwa 13 Jahre alt und auf der Flucht quer durch die somalische Wüste vor ihrem Vater, der sie mit einem alten Mann verheiraten will.

Das Buch:

Das Taschenbuch Wüstenblume erschien im Knaur Verlag zum Preis von 16.- DM oder € 8.-.
Die ISBN dieser Ausgabe ist 3-426-61948-2. Es umfasst 348 Seiten.
Die englische Originalausgabe erschien unter dem Titel "Desert Rose".


Der Umschlag

Der Umschlag ist dunkel rot mit einem grauen Streifen. Auf dem Cover ist ein Bild einer bildhübschen schwarzen Frau zu sehen, deren Haare unter einem weißen Tuch verborgen sind, vermutlich Waris Dirie selbst, die ja als Model arbeitet. Die Frau ist im Profil abgebildet und ernst und sehr nachdenklich.
Der Umschlag passt hervorragend zu dem gesamten Buch, weil es zu dessen Atmosphäre passt.


Die Atmosphäre:

Das Buch hat eine sehr nachdenkliche Atmoshäre. Man merkt, dass Waris Dirie lange gezögert hat, diese Autobiographie zu schreiben und dass sie sie dann sehr bedacht geschrieben hat.
Sie erzählt sehr emotionsvoll ihre Geschichte und ihre Beziehung zu „ihrem“ Land und ihrer Familie.
Das gesamte Buch spricht von ihrer Liebe zu ihrem Herkunftsland und auch ihren Eltern und Geschwistern. Dennoch stellt sie Gebräuche in Frage und kann aus einigem Abstand die Handlungen ihrer Familie relativ objektiv bewerten.
Die gesamte Atmosphäre ist außerdem von der Wüste geprägt. Zeitweilig glaubt man, die Hitze zu spüren.

Die Autorin:

Weil es sich um eine Autobiographie handelt unter Autorin nur die wichtigsten Informationen.
Waris Dirie ist verheiratet, hat einen Sohn und arbeitet als Model.
Sie ist Sonderbotschafterin der UNO gegen Genitalverstümmelung von Frauen und widmet ihrem Kampf gegen die Beschneidung viel Zeit und Geld.

Der Inhalt:

Wann Waris geboren ist, weiß sie nicht, denn es ist in ihrem Geburtsland Somalia nicht üblich, das Geburtsdatum aufzuschreiben oder es sich zu merken. Es ist unwichtig.
Ihre Eltern sind Wüstennomaden, die mit ihren -zeitweilig- 12 Kindern und den Tieren durch die Wüste ziehen, ständig auf der Suche nach Wasser und Weideflächen.
Schon im frühen Alter hilft Waris in der Familie mit, wie alle ihre Geschwister, auch wenn sie nur ein Mädchen ist.


Sie ist noch recht klein, etwa drei Jahre alt, als ihre Mutter mit ihrer Schwester Halemo zur Beschneidung in die Wüste geht und ohne sie zurück kommt.
Waris ist noch zu jung um zu verstehen, warum ihre Schwester nicht zurückgekehrt ist.
Und auch von anderen Mädchen hört sie, die mit ihren Müttern weggingen und nicht mehr zurückkehrten.

Heimlich folgt sie ihrer Mutter, als diese mit ihrer älteren Schwester Aman aufbricht, um das Ritual zu vollziehen, dass aus einem Mädchen eine Frau macht.
Waris sieht die riesigen Schmerzen ihrer Schwester und hofft inbrünstig, dass sie dies nicht durchmachen muss.
Doch bald ändert sich dies wieder, denn ein unbeschnittenes Mädchen ist unrein und noch keine Frau, sie wird aufgrund ihrer Unbeschnittenheit verachtet, und deshalb beginnt Waris darauf zu drängen, endlich beschnitten werden zu dürfen.


Als sie fünf Jahre alt ist, kommt endlich Waris großer Tag.
In der Wüste trifft sie in Begleitung ihrer Mutter eine Zigeunerin, welche Beschneidungen durchführt.
Nachdem Waris sich hingelegt hat, zieht diese Zigeunerin eine zerbrochene Rasierklinge!!! heraus, wäscht sie mit Spucke ab und führt dann die Beschneidung durch. Danach durchbohrt die Zigeunerin die Wunde und näht diese bis auf ein Streichholzgroßes Loch zu, dass zum Urinieren und für die Blutung bleiben muss.
Der Sinn darin liegt, dass dies die Jungfräulichkeit der Frau garantiert und da sie späteren Geschlechtsverkehr nicht genießen kann, auch die Treue ihrem Ehemann gegenüber.
Die Mädchen werden so früh beschnitten, damit ihre Jungfräulichkeit auf jeden Fall erhalten bleibt und sie als Brautpreis -den der Vater erhält- mehr Kamele erhalten.

Mehrere Tage muss Waris liegen, während sie furchtbare Schmerzen hat und sich die Wunde entzündet, doch sie hat Glück, sie überlebt.
Jetzt endlich versteht sie, was mit Halemo und all den anderen Mädchen geschehen ist. Sie alle waren am Schock, an einer Wundinfektion oder einfach am hohen Blutverlust gestorben.


Waris ist ungefähr dreizehn Jahre alt, als ihr Vater ihr freudestrahlend mitteilt, dass sie heiraten werden. Der Bräutigam sei zwar alt, aber werde deshalb gut zu ihr sein. Außerdem sei er sehr stolz auf sie, weil sie als Brautgabe 5 Kamele erhalten werde.
Waris ist geschockt, sie will keinen alten Mann heiraten und deshalb entschließt sie sich durch die Wüste zu fliehen.
Nach Tagen in der Wüste ohne Wasser oder Nahrungsmittel begegnet sie dem oben genannten Löwen, der sie verschont, weil sie wohl zu mager ist.
Waris will nach Mogadischu fliehen, zu einer ihrer Tanten.
Allein reisende Frauen gelten als „Freiwild“ und so schafft es Waris zwei mal nur knapp einer Vergewaltigung zu entgehen.

Bei ihrer Tante angekommen, kann sie dort für eine Zeit bleiben, merkt jedoch schon bald, dass ihr Onkel -der ihr zuvor schon mehrfach geraten hatte zu ihrem Vater zurückzukehren, weil dieses ihre Pflicht sei, schließlich benötige er die fünf Kamele- ihren Vater informiert hat, damit dieser sie abholen soll, so dass Waris erneut fliehen muss.

Bei einer zweiten Tante, bei der sie vorläufig unterkommt, wird sie als Kindermädchen missbraucht, so dass sie sich entschließt bei ihrer Schwester Aman zu wohnen, die vor ihr geflohen war und jetzt in Mogadischu verheiratet ist.
Doch auch diese macht ihr wegen ihrer Flucht Vorwürfe, weil sie ihre Mutter mit der ganzen Arbeit sitzen gelassen hätte. Waris wundert sich, weil auch Aman geflohen war, macht diese allerdings nicht darauf aufmerksam, dass sie dass doch auch getan habe.

Schließlich findet sie bei einer weiteren Tante (Man merkt schon, die Familien haben sehr viele Kinder!) ein gutes neues Zuhause. Sie hilft im Haushalt mit und fühlt sich wohl.


Durch die Hilfe dieser Tante erhält sie die Chance für ihren -schon wieder ein anderer- Onkel, der Botschafter ist, als Hausmädchen in London zu arbeiten.
Sie fühlt sich bei der Familie nicht sonderlich wohl, die sie als billige Arbeitskraft missbrauchen und spricht kaum ein Wort Englisch, als ein Mann sie wiederholt anspricht und ihr schließlich sogar nach Hause folgt.
Ihre Tante übersetzt ihr, der Mann wolle Nacktaufnahmen von ihr machen.
Waris lehnt empört ab.

Als der Botschafter mit seiner Familie zurück nach Somalia fliegt, gelingt es ihr durch eine List in England zu bleiben, jedoch jetzt als illegaler Flüchtling.
Sie sucht sich eine Wohnung, arbeitet bei einer Burgerkette als Putzfrau und lernt gleichzeitig Englisch.
Erneut begegnet sie dem Mann, der die Aufnahmen von ihr machen wollte. Doch jetzt kann sie mit Hilfe einer Freundin übersetzen, dass er nur eine Portraitaufnahme machen wollte. Ihre Tante hatte sie, damit sie ihre billige Arbeitskraft nicht verlor, diesbezüglich angelogen.
Waris lässt die Aufnahme machen und wird schließlich von einer Modelagentur angenommen.

Männer lässt sie in all der Zeit nicht an sich ran, wie soll sie ihnen, die in einer anderen Kultur aufgewachsen sind, auch erklären, dass sie beschnitten und zugenäht wurde.
Schließlich entschließt sie sich zu einer Operation, die auch glücklich verläuft.

Weil sie als Model viel reisen muss, entschließt sie sich einen Reisepass zu kaufen, weil sie immer noch illegal in England lebt.
2000 Pfund zahlt sie dafür, doch der Mann, der ihn für sie fälscht, tut dies so schlecht, dass es der Einwanderungsbehörde sofort auffällt.

Während er sich mit Waris Geld -und dem von Anderen- absetzt, soll Waris ausgewiesen werden.
Aus Not geht sie mit einem Mann eine Scheinehe ein, der schon bald nach der Eheschließung beginnt sie zu verfolgen und terrorisieren.

Währenddessen wird ihre Karriere als Model immer erfolgreicher und eines Tages bietet ihr die BBC an, eine Dokumentation über sie und ihre Familie zu drehen.
Waris kehrt zurück nach Somalia, trifft Freunde und Verwandte wieder.
Hierbei erfährt sie, dass die zweite Frau ihres Vaters, die er sich dazu „genommen“ hatte, weil Waris Mutter ihm zu alt war, weggelaufen ist und ihre Mutter nun deren fünf Kinder aufziehen muss.

Wieder zurückgekehrt lernt sie ihren späteren Mann kennen und schafft es sich zu überwinden, ihm zu erzählen, was man mit ihr getan hatte. Als sie schwanger wird, reicht sie die Scheidung von ihrem ersten Mann ein.

Nachdem sie es geschafft hat, ihrem Mann zu erzählen, was man ihr als „Ritual“ angetan hat, entschließt sie sich gegen die Beschneidungen anzukämpfen.
Sie beginnt Interviews zu geben, so schwer sie ihr auch fallen und wird schließlich sogar Sonderbotschafterin der UNO gegen die Beschneidungen.

Diesem Kampf gegen die Genitalverstümmelung widmet sie ihr letztes Kapitel, betont aber, dass sie es verstehen kann, dass ihre Eltern sie beschneiden ließen.
Ihre Mutter, meint sie, habe kein Mitspracherecht gehabt und ihr Vater hätte gar nicht so genau gewusst, was passieren würde und habe im Grunde nur an ihre Zukunft gedacht, denn ein unbeschnittenes Mädchen hätte keiner Heiratschancen gehabt.
Beide Elternteile seien in dieser Kultur aufgewachsen und hätten sie ganz selbstverständlich übernommen, was sie auch verstehen könne.

Dennoch muss dieser Brauch abgeschafft werden, denn 2 Millionen kleine Mädchen pro Jahr, das sind fast 6000! täglich, werden beschnitten.

Sehr viele von ihnen sterben an dieser Behandlung, die unter unmöglichsten Bedingungen vorgenommen werden. Getötet durch den Schock, eine Infektion der Wunde oder an einer einsetzenden schweren Blutung, durch die sie verbluten.
Die anderen Mädchen, die das Glück haben, zu überleben, sind ihr Leben lang verstümmelt.

Am Ende des Buches werden Adressen, die sich an dem Kampf gegen die Beschneidung beteiligen aufgeführt.


Die Bewertung:

Waris Dirie schreibt ein sehr nachdenklich stimmendes Buch, das sehr spannend geschrieben ist.
Dieses Buch war keinen Moment lang langweilig. Es gelingt sehr gut, sich in die Hauptperson einzufühlen, auch wenn dies aufgrund der anderen Kultur nicht immer einfach ist.
In diesem Buch, merkt man die andersartige Kultur Somalias sehr stark, die ein gänzlich anderes Frauenbild vertritt.
Sehr deutlich wird vor allem, dass nicht die Eltern schuld sind, wenn sie ihr Kind beschneiden lassen, sondern dass diese kaum eine andere Wahl haben, als so zu handeln und dass diese Kultur geändert werden muss, damit die Beschneidungen aufhören.
Diesem schwierigen Thema widmet sich Waris Dirie ausführlich und sehr informativ.
Die Geschichte hört sich zeitweilig so spannend und unglaublich an, dass man kaum glauben kann, das dieses eine Autobiographie der Autorin ist.
Es ist die Geschichte einer unglaublich starken und mutigen Frau. Sie hat es gewagt, zu fliehen um der Ehe mit einem alten ungeliebten Mann zu entkommen, sie hat einem Löwen getrotzt und hat es geschafft, sich alleine durchzuschlagen. Ihr größter Mut liegt jedoch in ihrer Offenheit, dass sie es geschafft hat über ihre Geschichte zu reden und die Beschneidungen, die täglich zu tausenden stattfinden in das Bewusstsein einer größeren Masse der Bevölkerung zu rufen.
Dieser Kampf mit ihrer Scham, zu offenbaren, was man ihr angetan hatte, als sie noch jung und hilflos war, und gleichzeitig dieses so objektiv sehen zu können, dass sie nicht ihre Eltern, die ihr das antaten, schuldig dafür macht, ist der größte Kampf, den sie jemals gewonnen hat oder gewinnen kann.
Ein sehr gutes Buch, welches mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Und ein gutes Beispiel für uns alle....


Geschrieben am: 30. Dec 2001, 18:45   von: fania



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