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Übersicht > Medien > Bücher > Buchtitel > V > Verlierer, Der - Ustinov, Peter

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Ich war gar nicht gemeint...

Nachteile:
...oder?




I'm a loser Baby...
Bericht wurde 2380 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 2 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Obwohl ich wusste, dass das Weihnachtsgeschenk eigentlich eher im Autoren begründet war, machte ich mir doch so meine Gedanken. Warum schenkt man mir ein Buch mit dem kurzen, prägnanten Titel „Der Verlierer“? Gut, ich hatte meine Sympathie für Peter Ustinov im Vorfeld geäußert. Aber musste es denn dieser Titel sein? War das der Wink mit dem Zaunpfahl? Nun, immerhin war es nicht „Der Intrigant“, das hätte ich wohl auch nicht besser gefunden; andererseits wäre auch „Über Gott und die Welt“ eine Option gewesen – aber lassen wir das.

Die gerade erwähnte Sympathie ist eigentlich durch nichts wirklich begründet. Vor diesem Buch kannte ich Ustinov lediglich als Schauspieler in Historienschinken, als Unicef-Botschafter und als, äußert komisches, Testimonial der EXPO 2000. Doch das Lebenswerk des englischen Ritters, seine allseits bekannte Virtuosität und die unaufgesetzt weltmännische Art machen ihn zu einem absoluten Sympathieträger; bestimmt nicht nur bei mir.

Dass ich ausgerechnet diesen Roman geschenkt bekam, mag an einem Hang zur Chronologie liegen; der Verlierer ist der erste Roman Peter Ustinovs, verfasst im Jahre 1960. Dies erwähne ich nicht nur aus Gründen der Faktennennung; es unterstreicht auch die Begabung des Autors (schön, dieses Wort auch mal wieder in seinem eigentlichen Sinne zu verwenden...).

Als „kühn“ bezeichnet der Klappentext das Buch. Eine Aussage, die ich so nicht unterstützen kann. Man kann diesem Roman viele positive Eigenschaften zuschreiben; kühn finde ich ihn jedoch nicht. „Der Verlierer“ ist ein Anti-Kriegsroman, geschrieben in einem sicheren Abstand zu den geschilderten Ereignissen.

Hans (man möge seine erste Assoziation des Namens bitte in Kontrast zum Titel stellen) Winterschild wird in einer Zeit geboren, in der es nicht unbedingt förderlich für ein erfülltes Leben ist, Sohn eines Oberst eines Artillerieregiments zu sein. So gehört er zu der Generation Männer, die als gerade mal Volljährige für Adolf Hitler und sein tausendjähriges Reich voller Enthusiasmus in einen im Endeffekt wenig glorreichen Krieg ziehen sollen.

Ustinov beschreibt Hans’ Kindheit für den Leser als ziemlich trostlos. Für Hans selbst nicht, denn die pädagogischen Schwerpunkte seines Vaters sind von Anfang an auf Disziplin und Vaterlandstreue gerichtet, so dass Hans nie, oder vielmehr erst viel später, etwas anderes kennen lernen soll. Was dem Vater dann bei der Machtübernahme Hitlers an Überzeugungskraft fehlt, besorgt Hans’ Schwager. Das Ergebnis: Hans wird ein echter Vorzeigenazi, führer- und kirchentreu und zieht voller Begeisterung in den Krieg. Man sollte jedoch keinesfalls den naheliegenden Fehler begehen und davon ausgehen, dass es Hans an Intelligenz mangelte; lediglich die Prägung und Erziehung durch Vater, Schwager und sein Umfeld führten ihn in diese ideologisch begründete Sackgasse; ein Phänomen, dass nach den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs wohl nie wieder hätte passieren sollen, was ja ein Trugschluss ist, wie wir heute wissen... Ustinov hat mehr Zeit als dramaturgisch nötig in Hans’ Kindheit investiert. Dies ist wohl sein Mittel, zum Ausdruck zu bringen, wie wichtig Erziehung und Kindheit als Prägung des später reifen Menschen sind.

Hans macht sehr schnell Karriere; er ist intelligent, couragiert und verachtet jeglichen Versuch Unter- und Übergebener, sich zum Erhalt des eigenen Lebens „der Sache“ zu entziehen. Doch im Laufe des Krieges lernt Hans, dass es auch andere Objekte positiver Zuneigung geben kann; wenn auch erst sehr spät für ihn. So ist Hans im Verlauf des Romans mehrfach genötigt, Prostituierte oder Bordelle aufzusuchen, ein Umstand, der ihm großes Unbehagen und große Schwierigkeiten bereitet, da er erstens keinerlei Erfahrung mit Frauen jeglicher Art hat und zweitens dieses Gebaren als unwürdig empfindet; der Zeugungsakt sollte schließlich lediglich dem Erhalt und der Weiterentwicklung der arischen Rasse dienen. So sorgen Ustinovs Beschreibungen dieses Aufeinanderprallens von Welten doch immer wieder für Gelächter beim Leser. Und nicht nur diese. Das Auffälligste an diesem Roman ist für mich der ständige Wechsel von bitterernsten und desillusionierenden Feststellungen im Kontrast zu Ustinovs Humor. Einen so gekonnten Wechsel zweier solch gegensätzlicher Elemente habe ich bisher in keinem Roman vorgefunden.

Nachdem Hans an mehreren Fronten erfolgreich für sein Vaterland kämpft, kommen zwei Dinge, wie sie kommen mussten: Zum einen beginnt das Deutsche Heer zu verlieren und zu kapitulieren, zum anderen verliebt sich Hans in eine Frau – eine italienische Prostituierte. Den Sinneswandel, der sich bei Hans durch diese aufeinandertreffenden Ereignisse einstellt, beschreibt Ustinov so detailliert und bilderreich, dass er gar nicht komisch oder gar unrealistisch anmutet; und dies trotz Hans’ starrer Haltung für den Führer und gegen Frauen.

Als Deutschland den Krieg nun endgültig verloren hat, lebt Hans die jüngst entdeckte romantische Ader voll aus. Anstatt, wie alle Kameraden, zu versuchen, sich in die Sicherheit eins neutralen Staates zu begeben, versucht Hans zurück nach Florenz zu kommen, wo Teresa lebt. Doch Welten prallen aufeinander –während Hans versucht, die neu gewonnenen Gefühle auszuleben, versucht sie, jegliches Gefühl in sich zu töten, um ihren „Job“ erledigen zu können...

Ich möchte das Ende verschweigen, auch wenn jedem bewusst sein dürfte, dass der Titel keinen Spielraum in die eine Richtung zulässt. In der anderen Richtung jedoch weiß Ustinov trotzdem zu überraschen und es dem Leser nicht leicht zu machen, seinen Erstling zu vergessen. Die fein gezeichneten Charaktere bleiben einem noch sehr lange im Gedächtnis; genauso wie die Absehbarkeit des Lebens von Hans Winterschild von der ersten Seite an. Trotzdem ist das Buch in keiner einzigen Zeile langweilig. Ustinov versteht es unheimlich gut, um diesen kalten, scheinbar emotionslosen Menschen eine immer mehr ansteigende Emotionalität zu bauen, die schließlich von ihm Besitz ergreift. Diese Kunst, gepaart mit einer Form von Humor, die ich nach dem Genuss eines Hörspiels wohl als ustinovtypisch bezeichnen kann, macht den Roman zu einem sehr ergreifenden Lesegenuss, der weit über die letzte Zeile hinaus anhält...


Geschrieben am: 22. Mar 2002, 09:43   von: teajay



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