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Übersicht > Medien > Bücher > Buchtitel > D > Der Vampyr, Chronik der Unsterblichen, Wolfgang Hohlbein

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung



zweiter Schlag
Bericht wurde 3484 mal gelesen Produktbewertung:  befriedigend
Bericht wurde 2 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Wie bereits erwähnt, war ich vom ersten Teil der „Chronik der Unsterblichen“ eher mäßig begeistert und hätte den zweiten Teil „der Vampyr“ (etwa 350 Seiten) wohl auch nicht gelesen, wenn ich nicht gleich mehrere Teile als Paket bei ebay (regulär kosten die Taschenbuchversionen übrigens so um die 9 Euro) ersteigert hätte. Zudem endete Teil 1 (Am Abgrund) dann doch zu einem Zeitpunkt an dem es endlich interessant wurde.

In Teil 1 hatte man bereits Andrej Delany kennen gelernt, der sich dort als Unsterblicher entpuppte, zunächst so eine Art Mischung zwischen Highlander und Vampir, was aber erst in „der Vampyr“ etwas näher definiert wird. Delany ist zunächst einmal auf der Suche nach seinem eigenen Ursprung und möchte gern wissen, was er überhaupt ist. Nebenbei hat er noch eine Rechnung mit dem Inquisitor Domenicus auf, der den einen Teil seines Dorfes ermordet und den anderen Teil als Sklaven verkauft hat. Außerdem will er seiner Geliebten Maria auf der Spur bleiben, der Schwester von Domenicus, die einen ziemlichen Brass auf Andrej hat, weil deren Begleiter Frederic dem armen Inquisitorlein einen Dolch in den Wanst gerammt hat, was deren Gesundheit recht unabträglich war. Die gute Maria weiß nicht, was für ein Massenmörder ihr Brüderchen ist. Frederic ist noch ein Junge und entfernter Verwandter Andrejs, welcher die Geschehnisse im Dorf damals mittendrin statt nur dabei miterlebt hatte. Gleichzeitig gehört auch er zu den Unsterblichen. Ebenso wie die drei goldenen Ritter, die für Domenicus arbeiten. Andrej tötet am Ende einen von diesen, erfährt aber vorher noch etwas über die Unsterblichen, trinkt das Blut des toten Ritters und übernimmt so dessen Macht und Kenntnisse. Die Geschichte spielt in Transsylvanien zu einer Zeit als die Türken in das Land einfielen und der gute alte Dracula sich fröhlich als Pfähler betätigte, was auch den guten Hohlbein inspirierte.

Zu Beginn von „der Vampyr“ trifft man nu den partiell Untoten Andrej auf dem Sklavenschiff des Nubiers Abu Dun wieder, an den seine familiären Restbestände verkauft worden waren. Andrej will die Gefangenen befreien, muß aber miterleben wie das Schiff auf Befehl des schnöden Domenicus verbrannt wird, und zwar (Paukenschlag und Trommelwirbel) vom Drachenritter Vlad „Dracul“ Tepesch „der Pfähler“ himself. Seineszeichens übrigens nicht unsterblich oder vampirisch, aber auch nicht wirklich ein Sympathieträger.
Zufällig rettet Andrej Abu Dun und tut sich mit dem Piraten zusammen, um Domenicus und Tepesch zu verfolgen. Auch der gute Frederic ist immer noch dabei. Es dauert nicht lange und die ganze Versammlung wird von Tepesch gefangen genommen. Auch Domenicus und dessen Konsorten sitzen in dessen Burg fest. Domenicus und Tepesch arbeiten zwar zusammen, sind sich aber gegenseitig nicht wirklich grün und versuchen sich nebenbei auszubooten. Gleichzeitig sind auch noch einige Schlachten gegen die angreifenden Orientalen auszustehen.

Mir hat dieser Teil besser gefallen als der erste, die Geschichte hat mehr Action und ist wesentlich spannender, auch wenn es wieder mal die eine oder andere Ungereimtheit gibt und vieles vorhersehbar ist, so daß der eine oder andere Knalleffekt einfach nicht zündet.

Der rote Faden der sich durch die mittlerweile sechsteilige Buchserie zieht, ist anscheinend die Suche Delanys nach seinem eigenen Wesen, nach einer Erklärung – vielleicht nach einer Möglichkeit wieder „normal“ zu werden. Ironischerweise mutiert (mal wieder) ein Mann von Ehre und Gewissen zum „Monster“. Andrej wird in „der Vampyr“ klar als ein solcher definiert, unterscheidet sich aber in einigen wesentlichen Aspekten vom klassischen Blutsauger, wie er allgemein seit Stokers „Dracula“ bekannt ist. Andrej setzt also nach und nach das Puzzle um sich selbst zusammen, in dem er hier etwas herausfindet und dort etwas erfährt. Häufig sind es seine größten Widersacher, die goldenen Ritter und später Tepesch, die ihn weiter bringen.

Der damaligen Zeit entsprechend fällt natürlich jemand dessen Wunden sich umgehend nach einer Verletzung wieder schließen in der Art und Weise unangenehm auf, daß es immer wieder zu unerfreulichen Reibereien mit den Katholen kommt, die aber auch nicht im Sinne der Nächstenliebe agieren und sich mit fiesen Gestalten verbünden. Für die goldenen Ritter ist die Inquisition eine willkommene Möglichkeit andere (teils unwissende) Unsterbliche zu meucheln und deren Lebensenergie in sich aufzunehmen. Wäre Andrej nicht so ein exzellenter Schwertschwinger, wäre es ihm wohl ähnlich ergangen. So ist er eben nicht einfach tot, sondern muß sich gegen andere Unsterbliche und Möchtegernunsterbliche behaupten. Der olle Tepesch dagegen will selbst Vampyr werden, was ihn zum fröhlichen Foltern veranlasst, um die Natur der Vampyre zu erforschen.

Leider verstehe ich bisher auch noch nicht, worauf Hohlbein mit seinen Vampyren hinaus will. Schien es sich zunächst um eine Art Highlander-es-kann-nur-einen-geben-Story zu handeln, wo die Untoten sich gegenseitig umhauen und aussaugen, tritt nun doch mehr der klassische Vampir in den Vordergrund, der auch so mal aus Spaß ein Schlückchen aus Normalsterblichen vertragen kann. Dem Verständnis entziehen sich auch gewisse Tatsachen, wie Andrejs Lichtempfindlichkeit, seiner gesteigerten Kraft und Sinneswahrnehmung bei Nacht. Während er sich im Gegentum nicht in eine Fledermaus verwandeln kann, Weihwasser trinkt und auch so einen normalen gesegneten Appetit auf gängige Hausmannskost hat. Ich habe den Verdacht, dass Hohlbein sich Andrejs Können bzw. Nichtkönnen dem Verlauf der Geschichte passend hinbiegt, anstatt sein „Monster“ sauber und ordentlich aufzubauen.

Zu den Charakteren muß ich sagen, daß ich mich zunächst mit Andrejs neuen Freund Abu Dun anfreunden konnte. Er spielt eine recht klassische Rolle, der auffällige, schlagkräftige und nicht unwitzige Exgauner mit der treuen Seele. Irgendwie taut auch Andrejs Charakter neben ihm endlich auf, die Dialoge zwischen den Beiden haben dann doch einen gewissen Witz. Außerdem ist Abu Dun ein schöner Gegenpol zu Andrejs gern an den Tag gelegter Naivität – besonders in Bezug auf Frederic, der in jugendlichen Trotz mehr unkalkulierbares Problem denn Hilfe ist. Diesmal fiel mit im Ansatz auch hin und wieder eine gute Portion schwarzen Humors auf, einerseits in den Dialogen, Andrej kann besonders unter Druck recht trocken reagieren, andererseits sogar eher unterschwellig und situationsbedingt.

Interessant war diesmal der Gegenspieler Tepesch. In Teil 1 wirkten die Gegner (Domenicus und die drei Goldenen) recht blass und profillos, was leider auch daher rührt, daß die Geschichte lediglich einem einzigen Handlungsstrang folgt. Tepesch ist da viel facettierter, da er im stetigen Kontakt zur Hauptfigur steht, und einen Dracula abgibt, wie man ihn sich vorstellt. Auf der einen Seite der grausame Krieger, Vlad der Pfähler, mitunter aber auch der elegante, manipulative (spätere?) Graf Dracula.

Leider aber hat Hohlbein einige Möglichkeiten der Geschichte schlichtweg versaut. Immer wieder auftauchende Ungereimtheiten veranlassen den Leser automatisch, nach solchen Aspekten zu suchen, man wird automatisch sensibler. Zum Beispiel erklärt Vlad in „der Vampyr“ dem guten Andrej, daß das Wort Zigeuner „ziehende Gauner“ bedeuten soll. Ich lese gerade Teil 3 der Chronik, wo Andrej eine junge Frau trifft, die ihm das gleiche erzählt, weil Andrej es nicht weiß.

Ähnlich unnachvollziehbar sind die Handlungen der Figuren, wenn man beispielsweise Freunde in die Hände eines gutbekannten Gegners fallen lässt, um abzuhauen und gequälte Feinde zu erlösen... woraufhin Stunden später, man feststellt, daß der Gegner wohl doch eher sein Wort, besagten Freunden nichts zu tun, nicht halten wird, weil er einfach ein hundsgemeines Schwein ist. Ooooooopsi!

Um ehrlich zu sein, fällt mir vieles jetzt beim schreiben erst auf, weil Hohlbein natürlich eins macht, er ballert den Leser mit Ereignissen dermaßen zu, daß man völlig gespannt einfach nicht zum Nachdenken kommt! Quasi wird man von Quantität erschlagen.

Wenn ich mir dagegen mal Tad Williams als Autor ins Hirn rufe, wo ich mich manchmal darüber aufrege, daß seine Figuren ständig Pausen machen, essen und schlafen... also Hohlbein beutelt seine Jungs, Mädels und Monster da schon ganz anders, die müssten eigentlich alle mit Modelfigur und Tränensäcken unter den Augen herumtorkeln.

Des weiteren ärgert mich die Vorhersehbarkeit einiger Aspekte, Andrej gewinnt oft durch simples Glück, wenn Frederic in Kämpfe eingreift, geschieht dies immer aus Dummheit und Trotz und endet im Chaos. Außerdem weiß man eigentlich immer schon vorher, wann Frederic loslegt und ins Klo greift. Die Gegner agieren gern stereotyp, so daß sie quasi austauschbar sind. Alle böse, alle durchtrieben, alle hinterhältig aber katzenfreundlich. Genau das hat mir Tepesch, der mir im Groben ganz gut gefiel, wieder vergällt. Ich habe aber die Hoffnung, daß er im Laufe der Reihe noch mal ins rechte Licht gerückt wird, wenn das wie an der Sache jetzt auch noch so unlogisch sein mag.

Ein weiteres Ärgernis ist, wie Hohlbein sich dezent unbequemer Möglichkeiten entledigt. So war die Rettung von Andrejs Dorfgemeinschaft ein klares Ziel zu Buchbeginn... Unbequem für den Autoren? der gute Vlad ist ja auch viel interessanter, also wird die versammelte Sklavengemeinde schlicht und einfach versenkt, und fertig! Aus dem Auge aus dem Sinn, und weil das so schön ist, machen wir das immer wieder! Das hat was von einer Seifenoper... unpraktischer Charakter? Ab ins Koma, Kopf ab, tot – solange schon die nächste, interessantere Figur in den Startlöchern sitzt, um den leeren Platz zu füllen, und die Leser abzulenken.

In all der Trivialität wirkt es dann geradezu lächerlich, wenn Abu Dun auf einmal mit Andrej darüber philosophieren will, ob es Menschen gibt, die bereits böse geboren werden... Thema verfehlt, oder zuviel Anne Rice gelesen, Wolfgang?

Nach all dem Gemecker eine doch gute Bewertung?
Ja für das pure Entertainment des Ganzen, für das Tempo, die Spannung und die Action.


Geschrieben am: 06. Jun 2004, 20:13   von: vampire-lady



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