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Übersicht > Medien > Musik > Gruppen > R > Rödelheim Hartreim Projekt

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Hervorragendes Soundbild, stimmige Texte - eben einfach ein Klassiker des deutschen Sprechgesangs

Nachteile:
nichts




Für die Blinden und die Tauben
Bericht wurde 1480 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 2 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Deutscher Sprechgesang - oder sagen wir besser: Rap - hat eine fast 20-jährige Tradition. Definiert man Rap großzügig, kann man eigentlich schon den "Kommissar" von Falco aus dem Jahre 1982 dazu zählen. In den 80er Jahren entwickelte sich an vielen Orten in Deutschland eine Untergrund-Szene. Der breiten Masse, aber auch den Plattenmanagern, damit auch den Charts, blieb die deutsche Rap-Szene gänzlich verborgen. Dies änderte sich 1992, als die "Fantastischen Vier" durch extreme Kommerzialisierung den Durchbruch schafften und gleichzeitig "Advanced Chemistry" durch teilweise übertriebene Politisierung sozusagen zum Gewissen der deutschen Hip-Hop-Szene avancierten.

Kurz danach (1993) fanden sich mit Moses Pelham und Thomas Hofmann als Rapper aber auch Martin Haas und Robert Sattler als Produzenten und Arrangeure ein Team zusammen, welches sich durch nicht klar definierte Arbeitsteilung Musiker/Management/Produzent auszeichnete. Dies ist wohl darin begründet, dass Moses Pelham vor dem Rödelheim Hartreim Projekt (im folgenden RHP) schon einige negative Erfahrungen als Solokünstler mit dem Musikbusiness machen musste, nun behielt Moses P als Chef der Produktionsfirma "Pelham Power Produktion" jederzeit nicht nur die musikalischen Fäden in der Hand. Später gipfelte dies in der Gründung des eigenen Labels 3P.

Warum schätze ich RHP auch heute noch?
Ich finde an RHP bemerkenswert, dass hier Extreme aufeinandertreffen.
Zum einen ist hier das für diese Sparte hohe qualitative Level der Musik zu erwähnen. So bekommt kann man neben diskret eingesetzten Keyboards gelegentlich auch absolut hervorragend arrangierte Streicher hören. Die für Rap üblichen Scratches bzw. Samples werden hier eher sparsam eingesetzt. Man kann sich diese Art von Musik durchaus auch mit "normalen" Gesang vorstellen - eine Behauptung, die sich durch das erste Album von Xavier Naidoo "Nicht von dieser Welt" bestätigt sieht, welches ja von demselben Team (3P) produziert und arrangiert wurde.
Dann muss man natürlich auch die Lyrics erwähnen. Sicher, von der verbal vorgetragenen Gewaltbereitschaft heben sich RHP sehr stark von dem Gute-Laune-Pop der Fanta 4 und dem erhobenen Zeigefinger der Advanced Chemistry ab. Viele werteten dies am Anfang des RHP negativ. Dies ging teilweise so weit, dass RHP faschistoides Gedankengut unterstellt wurde. Offenbar waren vor allem einige Journalisten zu sehr auf die Kahlköpfigkeit von Moses P fixiert. Jedenfalls sahen sich RHP genötigt, auf dem Erstling einen Aufkleber "Für die Blinden und die Tauben" nebst einem durch das RHP-Logo gespaltene Hakenkreuz anzubringen und somit für Klarheit ob der politischen Gesinnung zu sorgen. Eine ähnliche Vorverurteilung musste ja in noch umfangreicheren Ausmaß "Rammstein" durchleben.

Jedenfalls stellt sich für mich hier die Frage nicht, ob ich Musik mit solchen, teilweise überaggressiven Texten mag oder nicht. Zu Rap allgemein, nicht nur dem deutschsprachigen, gehörte schon immer ein gewisses Maß an überspitzen Schilderungen. Ob es nun explizite Darstellungen der Potenz des Künstlers sind oder eine genaue Aufzählung des Waffenarsenals - Beispiele für Überspitzungen finden sich viele. Und viele Akteure rücken eben den Vergleich mit anderen Akteuren des Genres in den Mittelpunkt der Lyrics, welche immer in dem verbalen "Niedermachen" dem Dissen des "Gegners" enden. Gerade das findet sich bei RHP in extremer Form. Also kurz und knapp: die Lyrics von RHP sind nun einmal eine durchaus gängige Ausdrucksform der Rapper und somit stellt sich nicht die Frage, ob man RHP deswegen mag oder nicht, sondern die Frage lautet vielmehr, ob man Rap mag oder nicht. Und da ich Rap mag, schrecken mich die Texte von RHP nicht davon ab, das Projekt für gut zu befinden. Dass da und dort den Worten Taten folgen - USA: Westcoast vs. Eastcoast-Battle nebst der prominenten Opfer 2Pac und Notorious BIG oder auch die legendäre Kopfnussattacke von Moses P auf Stefan Raab - mag in persönlichen Defiziten der Menschen liegen, nicht im Mangel dieser musikalischen Stilrichtung. Vergleichbares gilt beispielsweise auch für die Todesverehrung von Death Metal. Dort wird hin und wieder der Selbstmord jugendlicher Fans mit der Musik in Verbindung gebracht und führt zu der übereilten Verdammnis einer ganzen Musikrichtung.

Aber nun kommen wir (endlich) zu dem Tonträger:
Direkt aus Rödelheim (1994, MCA Music Entertainment GmbH)
Enthalten sind insgesamt 11 Tracks, von denen neun im weitestgehenden Sinn als "Songs" bezeichnet werden können und zwei als auf Rap-Alben (beispielsweise Ice Cube, De La Soul) recht häufig anzutreffenden Zwischenstücke mit Dialogfetzen oder ungewöhnlichen Geräuschansammlungen.
Gesamtspieldauer: ca. 46 Minuten, was für eine CD meiner Meinung nach recht wenig ist, aber Björk hat das ja mit "Selmasongs" und einer Spielzeit von etwa 32 Minuten noch getoppt - oder muss man sagen gefloppt? Nein! Hier wie dort sagt die Spielzeitlänge nichts über den musikalischen Gehalt aus - er ist höher, viel höher als bei manch 75-minütigen Longplayer.

1. In wenigen Sekunden (2:57 min.)
Eine Frauenstimme sagt mehrmals "Bitte haben sie ein wenig Geduld und bewahren sie Ruhe. Das Rödelheim Hartreim Projekt beginnt in wenigen Sekunden"
Verschiedene Personen äußern sich in einer Art Umfrage positiv oder negativ über RHP. Erkennen kann man die Stimmen von Moses P und Thomas H aber auch von Altkanzler Helmut Kohl (teils O-Ton, teils Stimmenimitator).
Unter anderem bekommt man folgende Statements zu hören:
"Das Rödelheim Hartreim Projekt existiert gar nicht"
"Was ist dat denn für ein Projekt?" (unbekannt)
"Das ganze Konzept muß ich rundweg ablehnen" (O-Ton Kohl)
"Die Texte sind irgendwie so asozial" (unbekannt)
"Denen muss man mal so richtig in die Fresse schlagen, verstehst du, würde ich ja gern machen" (Kohl-Imitator)
"Ich finde die Texte sind sehr, sehr gut. Sind absolut endlich mal auf den Punkt und kein blödes Rumgelaber" (unbekannte Frauenstimme)
"Also ich muss sagen, ich bin angenehm überrascht" (Kohl-Imitator)
"He Hombre, musst du verstehen, ist scheiß Musik" (unbek.)
(OT - hier und im weiteren Bericht werden Originaltextausschnitte von RHP durch eben dieses -OT- gekennzeichnet)

Bombastische Keyboards und Streicher bilden einen monotonen Klangteppich.

2. Reime (4:44 min.)
Eine groovige Gitarre (klingt hin und wieder wie die Gitarre des Serienthemas "Die Straßen von San Francisco"), akzentuierende Keyboards und ein pochender, synthetischer Bass bilden das Fundament für die schnellen, von Moses P und Thomas H teilweise gemeinsam, teilweise abwechselnd vorgetragenen Raps. Unterbrochen wird es von dem Refrain "Reime - Jede Menge Reime, die sich auch noch reimen" - dabei wird das erste, langgezogene "Reime" immer von dem damals noch überregional unbekannten Xavier Naidoo vorgetragen - unverkennbar!
In diesem Track wird klar gemacht, wer die wahren "Herrscher" der deutschen Rap-Szene sind und dass im übertragenen Sinne dieser Thron mit allem Mitteln verteidigt werden soll.
"Sag mir wer, wie, was, der, die, das, wieso,
weshalb, warum, kommst du mir krumm?
Bist du denn dumm rundherum?
Bum, bum könnt'es da machen, es gibt Sachen,
die da krachen, einen 9 Millimeter Pfropf
für deinen Kopf oder den Rachen" (OT)
Und natürlich darf man auch erfahren, wer die "Gegner" sind:
"(...) nein, dem Lied von vier Stuttgarter Jungs,
sie nennen sich fantastisch, ich wundere mich,
was sich die Jungs dabei denken, sie sind spastisch" (OT)

3. Keine ist (4:02 min.)
Für mich auch heute noch das beste Stück von RHP. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und zähle den Songs zu einem der besten deutschsprachigen Songs überhaupt. Übrigens wurde ich damals durch diesen Song auf RHP aufmerksam. Der ungewöhnlich sanft und ruhig vorgetragene Text wird durch einen dezenten Beat und diverse, zunächst klavier- dann streicherähnliche Keyboardsounds getragen. Absolutes Highlight ist das dominante, dennoch hervorragend zu dem Sound und der Stimmung passende Sopransaxophon, welches von Robert Sattler gespielt wird.
In dem Song bekommt man deutlich ein anderes Gesicht von RHP zu sehen: Trauer und Sehnsucht, Verlustängste und Ratlosigkeit, Vergänglichkeit und Ohnmacht. Gerade dieser Song, wenn man ihn nicht sowieso schon kennt, wird hoffentlich verständlich machen, warum ich so viel von RHP halte.
"Ich erwache jeden Morgen mit Tränen auf den Wangen,
lache gegen Sorgen über Szenen, die schon längst vergangen,
ich bin gefangen von Tönen, die schön klangen, doch die Engel,
die sie sangen, verwandelten sich in Schlangen" (OT)
(...)
"Ich höre eine Stimme, obwohl sie nicht mehr spricht, ich schwöre,
wenn ich's dimme, dann bricht sie durch das Licht, ihr Gesicht,
das schön und schlicht, ist nicht entwischt ..." (OT)

4. Wenn es nicht hart ist (4:17 min.)
Wie im 2. Track wird auch hier wieder durch einige heftig formulierte Passagen der "rapperischen" (und auch sonstigen) Überlegenheit von RHP gegenüber den anderen deutschen Rappern Ausdruck verliehen. Der Beat ist eher langsam, die Lyrics werden teilweise schnell und abwechselnd vorgetragen. Bemerkenswert an diesem Stück ist, dass die damals unbekannte Rapperin Schwester S. (bzw. Sabrina Setlur) einen Gastauftritt hat.
"Ich lass es nicht länger vertagen - Schwester S. hat dir was zu sagen
Ich hab' schon jede Menge dummgeschleime Reime gehört, jedoch nicht einer, also keiner,
hat mich wie deiner gestört
(...)
Wir gehen jetzt auf die Reise,
nur du und ich,
auf die Rödelheimer Art und Weise,
dann gehen wir schwimmen,
dort, wo uns keiner kennt, das heißt:
Nur du und deine Schuhe aus Zement." (OT)

5. Wahnsinn (4:03 min.)
Der Titel verrät schon einiges: Ein krankes Hirn schildert seine gestörten Wahrnehmungen. Oder sind es "nur" Alpträume (oder gar Albträume...)? Jedenfalls geht von diesem Song eine bedrohliche Stimmung aus. Und immer wieder die Frage "Was geht ab in meinem Hirn?" (OT)
"Ich seh' des Todes Gesichter, der Henker, den Richter,
Vernichter-Verpflichter, Verwischter, der Schlichter,
nein, ein Schlächter, ich hör sein Gelächter,
härter und echter, doch kein bisschen gerechter
ist der Wächter des Wahnsinns, er lässt ihn frei
Wahnsinn, Wahnsinn, ich bin live dabei." (OT)
Auch gibt Xavier Naidoo eine Kostprobe, indem er schön langgezogen einige Male wiederholt "Was du nicht siehst" (OT)
Soundmäßig dominiert hier sehr stark das Schlagzeug und Keyboardklänge. Außerdem hat man hier einige Samples von Phil Collins bzw. Genesis "geklaut". (Leider kann ich mich beim besten Willen nicht an den Titel des Originals erinnern, es ist jenes welches, auf dem Phil Collins wiederholt so richtig "dreckig" lacht. Ich kann mich so dunkel daran erinnern, dass auch jener Titel recht düster klang. Vielleicht kann ja jemand diesbezüglich im Kommentar einen Tipp geben)

6. Vision (2:32 min.)
Der wohl ungewöhnlichste Beitrag auf dieser CD. In Form einer Büttenrede und den dazugehörigen "Tätäääää, Tätäääää" und Nahallamarsch werden einige Zitate aus Stücken der Fantastischen Vier und Advanced Chemistry aufs gröbste verunglimpft. Ich denke, dies bedarf keiner großartigen Interpretation - die deutschsprachige Konkurrenz wird auf die Stufe von Karnevals-Jecken gestellt - man kann sich gut vorstellen, dass darüber die Betroffenen nicht begeistert sind (also die Rapper, hm, wohl auch die Jecken)
"Drauße stehe paar Räpper - wolle mer se neilosse?
*tätäää*
Isses dieda die da am Eingang steht oder dieda die mir de Kopp verdreht?
*tätäää*
Alles was ich weiß, ich hab ein grüne Ausweis
*tätäää*" (OT)
(Kenner werden wissen, dass hier die Klassiker "Dieda" der Fanta4 und "Fremd im eigenen Land" von AC verbraten werden)

7. Guter Tag (4:59 min.)
Und wieder beschäftigt sich RHP mit einer dunklen Seite: dem allgegenwärtigen Sterben, dem Tod. Wer das Leben liebt, muss auch das absolute Ende, den Tod akzeptieren. Diese Erkenntnis wird durch düstere, getragene Keyboardklänge und einem schönen Klaviersolo von Martin Haas unterstützt. Wie auch in einigen anderen Stücken klingen hier die einen leicht verschleppten Beat spielenden Drums nach "echtem Schlagzeug", was für HipHop ja eher untypisch wäre, ich jedoch nicht verifizieren kann.
"Wie du uns durch deine Schwester,
der Krankheit, mahnst,
du bahnst dir deine Bahnen,
planst für alle Lagen
abzusahnen, was gegeben
von anderer Seite Gnaden.
Du kommst gern am Abend,
doch du kommst auch am Morgen.
Schaffst und endest Sorgen,
niemand ist vor dir geborgen." (OT)

8. Mamaplazda (4:03 min.)
Ich denke, hier verarbeitet Moses P. seine negativen Erfahrungen mit dem Musikbiz aus der Vor-RHP-Zeit - so fand sich kein Label bereit, sein in mehrjähriger Arbeit produziertes zweites Album zu veröffentlichen. Außerdem finden sich auch hier Anspielungen auf die musikalischen "Gegner". Ich vermute, dass es für Moses P. schon mehr als eine Beleidigung war, dass ausgerechnet die aus seiner Sicht seichten Fanta4, also die Erzfeinde einen Major-Deal bekamen und schon gut 2 Jahre vor Moses P. bzw. RHP Erfolg hatten. In diesem Song kommt die Kompromisslosigkeit zum Ausdruck, die man bereit ist, bis zum bitteren Ende durchzuziehen, wenn es gilt, den Gipfel der deutschen Rapper zu erobern und diese Position gegen die Schwachen zu verteidigen.
"Du fragst verdutzt 'Steht er da,
ist es wirklich wahr?'
'Haha, ja klar'
Kommt die Stimme des Mannes, den du hasst,
fast wie ein böser Traum, Chance verpasst.
Die Last der Niederlage auf deinem Rücken,
Szenen deiner Karriere fliegen vorbei in
Stücken, fast wie Mücken, ich werd' dich
Pflücken, du bist reif, ob auf CD oder Live" (OT)
Die Reime werden durch maschinenähnlichen Beat begleitet, dazu absolut im Kontrast stehen Keyboards mit Sphärenklängen und an eine Flamenco-Gitarre erinnernden Sound.

9. Zeit zum Besinnen (5:14 min.)
Liege ich falsch, wenn ich diesen Song als logische Fortsetzung des vorherigen Tracks sehe? Ist der berufliche Erfolg es wert, ob nun im Musik-Geschäft oder auch in anderen Bereichen, ohne Kompromisse nach der Spitze zu streben? Muss man sich nicht fragen, ob man einen hohen, einen zu hohen Preis für all das bezahlt? Und was passiert dann, wenn man an der Spitze steht? Gibt es dann noch eine Motivation?
"Es ist Zeit zum Besinnen, Sekunden, Stunden,
Tage, Wochen, Jahre verrinnen, Stimmen schreien:
'Du musst gewinnen, kein Verzeihen, Kein Entrinnen'
Gerinnen wird mein Blut, wenn die Glut erlischt" (OT)
"Ich seh' die Zeit mit Leid, Benommen und verschwommen,
der Neid ist aufgekommen, und ich habe nicht gewonnen.
Beklommen stehe ich da, alleine, und weine, komm',
scheine Sonne, scheine, diese Welt ist nicht meine" (OT)
Auch hier finden sich die ruhigen, schwebenden Keyboard-Klänge wieder, begleitet werden sie durch schleppende Drums. Und wieder bringt Robert Sattler mit seinem Solo am Bariton-Saxophon einen stimmigen Akzent ein.

10. Krieg (4:36 min.)
Wer nun gedacht hat, Moses P. bekäme Selbstzweifel, ob er wirklich mit aller Macht an die Spitze streben soll, wird hier ganz klar eines besseren belehrt.
Es kann nur einen geben - Moses Pelham und RHP. Wer das anzweifelt - der wird mit allen Mitteln bekämpft. Das Resultat, der Gewinner steht schon fest. Die Streicher der Frankfurter Philharmoniker steuern diesem Track einen Kontrapunkt zu dem ab und an wiederholten Sample "Wollt ihr den totalen Krieg" (allerdings scheint mir das nicht das originale Zitat von J. Goebbels zu sein) bei. Auch hier findet sich ein treibender, maschinengleicher Rhythmus.
"Wer den Krieg will, der soll ihn haben, du wirst beladen mit Narben,
du spürst den Schaden, denn ich tret' dich von hier nach Baden-Baden" (OT)
Denn gerade jetzt setzt der Meister des Hartreim
ein Ende deinem Dasein
Dein Alptraum wird wahr sein." (OT)
Beeindruckend finde ich auch, dass hier eine fast schon an Prophetie grenzende Vorahnung über zukünftige Ereignisse Ausdruck verliehen wird - in diesem Fall über die zur Zeit immer noch nicht beendeten juristischen Auseinandersetzungen zwischen 3P und Xavier Naidoo, welche wohl 2002 entschieden werden.
"Wer wird der nächste sein, ein Schwein aus den eigenen Reihen, das gemein
geheim gegen mich und mein den Stein wie Kain gegen Abel erhebt,
meine Krone anstrebt (...)" (OT)

11. Papa (4:00 min.)
Zum Abschluss soll nochmal jedem, der es bis hierhin nicht begriffen hat, klargemacht werden, wer der wahre Mikrofonmeister ist. Ohne hohes Tempo wird mit Klavierbegleitung und einer unauffälligen Bass-Line der Klangteppich für eindeutige Lyrics bereitet, welche teilweise mit "schrägem", schreienden Vocals vorgetragen werden.
"Du bist multikulturell, intellektuell, individuell,
aber schnell und Bonduell-Kleingemüse aus der Dose, ich bin der famose,
rigorose, riesengroße, virtuose Moses P. und du hältst jetzt die Fresse, o.k.?" (OT)
"Ich test' das Mikro einmal, zweimal, dreimal. Dann ist Schluss, nehm' deine Alte,
das Geld, den Respekt, du nimmst den Bus. Ich muss dir sagen, du musst üben,
üben, üben, du hast so viel aufzuholen" (OT)


Fazit:
Für mich eine der wesentlichen Veröffentlichungen deutschsprachiger Bands überhaupt. RHP leisteten hier zweierlei.
- Zum einen stehen sie mit der insbesondere durch die Lyrics vorgetragenen Kompromisslosigkeit in keinster Weise hinter der Radikalität diverser US-Amerikanischer Vorbilder zurück.
- Gerade durch diese Radikalität leisten RHP in meinen Augen den wichtigsten deutschsprachigen Beitrag zur internationalen Bewegung des HipHop (nichts beispielsweise gegen Fanta 4 - aber ich finde, jene gehören eher zu der Sparte Popmusik). Aber - und darin liegt die Bedeutung dieses Albums und diverser anderer Veröffentlichungen des Labels 3p - sie kopieren keine bekannten Vorbilder. Sie fügen durch den erwähnten "orchestralen" Sound ihre ganz eigene Facette dem Rap hinzu.

Zu der Bewertung: Viele denken jetzt, dass es nach dem bisher Geschriebenen wohl keine Sekunde gedauert hat, bis ich mich für die höchstmögliche Bewertung entschieden hätte. Falsch. Ich habe lange überlegt, ob ich mir noch die höhere Bewertungsstufe für den Nachfolger "Zurück nach Rödelheim" (1996) offen lassen soll. Irgendwie scheint es mir, dass RHP es auf dem Nachfolger geschafft hat, den ureigenen Stil noch zu verbessern. Aber das wäre ein anderer Bericht - deswegen an dieser Stelle doch die Höchstnote.

Wer sich für RHP, das ganze Drumherum und die aktuellen 3p-Projekte wie "Glashaus" interessiert, sollte mal auf der offiziellen Seite www.3-p.de vorbeischauen. Dort finden sich neben den kompletten Lyrics dieses Albums auch diverse Hörproben.



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EV: 20.12.2001 @ ciao & dooyoo
VÖ: 21.12.2001 @ hitwin (V), yopi, ecomments (V), myopinion (V), griasdi (1)



Geschrieben am: 21. Dec 2001, 09:47   von: nova87



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