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Übersicht > Medien > Musik > Interpreter > G > Gabriel, Peter

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Richtig Zuhören

Nachteile:
Häufigkeit der Nutzung




Digging somewhere
Bericht wurde 2314 mal gelesen Produktbewertung:  gut
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

„Komm, wir sortieren jetzt mal die CDs aus, die wir nie hören.“

„Okay.“

„Was issen mit der hier?“

„Aerosmith? Klar, können wir rausschmeißen. Und die da auch?“

„Und was ist mit der hier? Peter Gabriel? Hören wir doch auch nie!“

grabsch

„Niemals!“

Doch es stimmt – wir hören sie wirklich nie.

Es gibt viele Gründe, eine CD nicht zu hören. Weil sie schlecht ist? Nein, trifft definitiv nicht zu. Weil man immer die gleichen CDs hört? Trifft bedingt zu, aber irgendwann ist jede mal dran, und diese nie. Weil der andere sie nicht mag? Jein. Der andere mag sie zwar nicht, aber das ist nicht der Grund.

„Secret Worlds Live“ ist eine CD die in so gut wie keine Situation passt, und da liegt das Problem. Background? Unmöglich. Beim Autofahren? Keine Chance. Man kann nichts nebenbei machen, gar nichts. Eigentlich darf man nicht mal irgendwo hinsehen. Die vielen, wunderschönen Klänge zusammengefasst zu einem wirklich opulenten Musikabend in Italien Anfang der 90er.

Eigentlich kann man über diese CD nicht viel schreiben, das unter dem Stichpunkt „Produktbeschreibung“ nur annähernd das in Worte fassen könnte, was man hört. Wenn ich schreibe: „Die CD beginnt mit Dudelsäcken“, dann klingt das in erster Linie lächerlich. Dabei ist es das gar nicht. Wenn ich dann schreibe: „Dann fleht Peter Gabriel mit seiner wirklich unnachahmlichen Mischung aus Schreien, Singen und Leiden ein

Please, talk to me, won’t you please talk to me?

abgelöst von einer wirklich wundervollen Mischung aus Drums, Percussion und Dudelsäcken”, dann beschreibt dies nicht annähernd dieses ausgelöste Gefühl die Augen schließen zu müssen. Ein Opener, der mit gut 6 Minuten auf anderen Konzerten gut als drei Songs hätte durchgehen können – bei dieser Tour gehört er zu den Kürzeren. Und das ist ein ganz wesentliches Merkmal dieses Albums, die unglaublich langen Stücke, die mich zu keinem Zeitpunkt langweilen, und dass, obwohl sie sich zu wiederholen scheinen. Doch der Schein trügt. Jeder neue Ansatz birgt eine kleine Änderung, immer wieder, mit jeder Zeile, ein Song verändert sich schleichend und am Ende frage ich mich, wo er seine Wandlung überhaupt vollzogen hat.

Da kann ein Intro schon mal 2 Minuten dauern und einen zweifelnd auf die Hülle gucken lassen? Das ist „Steam“? Nein, das kenne ich anders, nicht mit diesem seichten Klavier-Intro, nicht mit dieser für Gabrielsche Verhältnisse zarten Stimme. Wo ist die Kraft, die Härte dieses Songs hin?

Ein Zischen...

Und da ist sie. Wenn auch nicht so, wie auf „Us“. Noch nicht. Aber es bleiben fast 6 Minuten, dies weiterzuentwickeln.

Whenever heaven's doors are shut
You kick them open but
I know you

Spätestens hier ist die Bedrohlichkeit, die ich vermisste auch angekommen. Vielleicht nicht für jeden hörbar, aber sie ist da, man muss ihr nur zuhören – wie dem ganzen Album...

Wie muss sich „Accross the River“ anhören? Was haben wir vor Augen, wenn wir an einen Fluss denken? Gabriel nimmt uns die Entscheidung ab. Es muss der Amazonas sein. Oder der Nil? Gehören die Klänge nicht in einen Dschungel? Gehört der „Gesang“ nicht nach Afrika? Und, viel wichtiger: Kann er das bei einem Live-Konzert überhaupt machen? Klänge wiedergeben, die im ersten Moment überhaupt nicht die Definition des Wortes Lied treffen wollen und dann durch ein weltliches Instrument wie ein Klavier zu genau einem solchen werden? Scheinbar kann man. Ich hätte diese Menschen gern gesehen an diesem Abend. Genau an diesem Punkt, als aus den exotischen Klängen ein richtiger Song wurde. Als die Drums genau diese Brücke über den Fluss schlugen, der Dschungelklänge von „zivilisierten“ Instrumenten trennt...

You don't want to do what your mother has done

Wohl kein allzu häufig gesprochener Satz, mal abgesehen von Teenagern. Aber um die geht’s nicht. Obwohl... Jein. Im Wesentlichen geht es um Emanzipation. Da dieses Wort eh entgegen seiner eigentlichen Bedeutung verwendet wird muss ich wohl nicht erwähnen, dass es um die Emanzipation der Frau geht. Es ist ein nettes Lied – aber es gehört irgendwie hier nicht her. Nicht des Themas wegen, sondern weil „shaking the Tree“ so vergleichsweise einfach gestrickt ist. Ohne die Klangwelten, die der Rest des Albums bietet...

...und sofort wieder aufnimmt. Manchmal kann man wirklich das sehen, was gesungen wird...

Red rain is coming down, Red rain is pouring down, pouring down all over me.

“Red Rain” ist einer dieser wenigen Songs, in Text und Ton gegensätzliche Richtungen gehen. Einer betrügt das Ohr, und man ist sich nicht sicher, wer der Lügner ist. Ist es die hoffnungsvolle Melodie? Ist es die leidende Stimme Gabriels? Ist es der Text? Ist der Text nicht immer der, der Recht hat? Der das Lied einfach dominieren muss? Ich weiß es nicht, aber ich weiß eines: ich habe noch nie ein Lied so still enden hören...

...und selten eines so still beginnen. So still verlaufen. Zum ersten, aber nicht zum letzten Mal fällt mir Paula Cole so richtig auf. Sie ergänzt Gabriel einfach hervorragend. Gut, diese Aussage mag jetzt gar nicht im Sinne von „Shaking the Tree“ sein, aber sie trifft einfach zu. Ich glaube nicht, dass es leicht ist, jemanden zu ergänzen, der eigentlich keine schöne Stimme hat. Der eigentlich auch kein Live-Sänger ist. Aber trotzdem gerade durch seinen Gesang zu überzeugen vermag.

Nachdem ich einmal kurz skippe, weil ich „Kiss that frog“ einfach nicht mag, lande ich beim kürzesten Song des Albums. 4 Minuten und 7 Sekunden. Nicht, dass ich unter die Datenfetischisten gegangen wäre, aber ich finde, dass das Aussagekraft hat. Denn „Washing off the water“ fehlen einfach genau die 3 oder 4 Minuten, um seine Kraft voll entfalten zu können. Das Wissen, dass all diese Kraft für die zweite CD aufgespart wurde, rettet mich...

Ist es dreist eine CD als Doppel-CD zu verkaufen, wenn auf dem zweiten Teil nur 5 Songs zu finden sind? Nun, nicht wenn diese trotzdem 45 Minuten lang sind.

Schon mal gesehen, wie ein Apfel in Zeitlupe in tausend Teile springt, weil jemand wutentbrannt auf ihn eingeschlagen hat? Ja? Garantiert im Video zu „Digging in the dirt“, mit Sicherheit technisch eines der genialsten seiner Art. Und, obwohl er in den Charts war, gilt für den Song das gleiche.

Something in me, dark and sticky, all the time it’s getting strong

Bedrohlich klingt er, während er von den dunkelsten Seiten des Menschen singt. Er scheint zu flüstern. All das Böse, was wir in uns tragen, gebündelt in einem Song. Das Schlimmste daran ist aber, dass er es einfach nicht unter Kontrolle hat, und immer wieder ausbricht, immer wieder diesem kraftstrotzenden, hämmernden Refrain von sich gibt:

Don't talk back
Just drive the car
Shut your mouth
I know what you are

Nicht der netteste Zeitgenosse, der Peter. So wechselt er immer wieder gekonnt die Stimmung, mal böse, und manchmal, immer wenn Paula Cole einsetzt, erkennt er dieses Gesicht und möchte es dringend loswerden, gefangen mit sich selbst.

Stay with me, I need support
I'm digging in the dirt
To find the places I got hurt
Open up the places I got hurt

Kein Konzert ohne “Sledgehammer” – schade eigentlich, denn es gehört genauso wenig hierher wie “Shaking the Tree”; zu direkt, zu wenig zum Zuhören...

Ungeduldig lasse ich „Secret World“ passieren, es ist zu gut, um einfach den Weiter-Button zu suchen, aber nicht gut genug, um meine Aufmerksamkeit vom Folgesong zu nehmen. Trotz seiner fast 10 Minuten ist mir „Secret World“ zu gradlinig, zu monoton und zu wenig schwelgend. Na gut, gegen Ende wird er das alles wirklich gleich ein bisschen, aber die 2 Minuten, die „Washing off the water“ fehlten hat dieser Song zuviel. Aber ich werde ja gleich entschädigt...

In welchem Zusammenhang verwendete ich den Begriff „traurigschön“ schon? Ich weiß es nicht mehr. Aber hier trifft’s wieder. Vielleicht noch ein bisschen perfekter als beim letzten Mal, denn hier wird mit verteilten Rollen gespielt. Peter ist „der Traurige“ und Paula (im Original Kate Bush) die Hoffnung, das aufbauende Element, das Licht am Ende des Tunnels, der Silberstreif am Horizont (obwohl das meiner Meinung nach die Sonne am Horizont heißen müsste, erst dann wär’s richtig passend).

I've changed my face, I've changed my name
But no one wants you when you lose

“Authentisch” ist der Begriff den ich gerade einige Minuten suchte. Diese Zeile kann niemand überzeugender vortragen, mit sich ringend, nicht in Selbstmitleid zu zerfließen, sich aber trotzdem mitzuteilen.

Rest your head, you worry too much
It's gonna be alright
When times get rough you can fall back on us

“Authentisch” ist der Begriff den ich gerade einige Minuten suchte. Diese Zeile kann niemand überzeugender vortragen, dieses Gefühl, unbedingt den Schmerz lindern zu wollen, mit voller Kraft und dabei ein wenig naiv zu wirken. Zu krass ist all sein Leid, um einfach nicht darüber nachzudenken.

Don't give up - 'cause I believe there's a place
There's a place where we belong

Die letzte Zeile, die die Hoffnung wohl über Verzweiflung siegen lässt. Whatever happens...

Und so muss ein Abend doch süß enden, oder?

In your eyes - I am complete

Eine so simple und doch schöne Liebeserklärung. „In your eyes“ zeigt noch mal all das, was das gesamte Album bot: Peter, Paula, Percussion, Drums, Klavier in einem wirklich schönen Zusammenspiel, ein wenig Optimismus versprühend, den wir ja alle mal brauchen. Manchmal mehr, und manchmal weniger. Manchmal von selbst, und manchmal ein bisschen künstlich, um ihn wieder von selbst entstehen zu lassen.

In diesem Sinne schließe ich, so wie das Album (fast) auch:

I look to the time with you to keep me awake and alive…


Geschrieben am: 28. Mar 2002, 10:47   von: TeaJay



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