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Übersicht > Medien > Musik > Interpreter > C > Chapman, Tracy > Telling Stories

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
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Wahrheit und Dichtung

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Dichtung und Wahrheit




Wahrheit und Dichtung
Bericht wurde 2466 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 2 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Was habe ich mich bei meinem letzten, allsamstäglichen Spaziergang zu und durch WOM gefreut, als ich in der Abteilung Neuheiten den Namen Tracy Chapman entdeckte. Gut, die Freude war von eher kurzer Dauer, als ich den Titel „The Collection“ erspähte, der mir mehr als deutlich vermittelte, dass es sich bei dieser CD wohl um kein neues Werk handelt. Maulend ging ich wieder nach Hause, mit meinem Schicksal hadernd, immer nur solche Künstler zu hören, die Jahre brauchen, um endlich ein neues Werk auf den Markt zu bringen. Ein Blick in das Booklet der letzten CD brachte jedoch die überraschende Erkenntnis, dass „Telling Stories“ im Jahr 2000 veröffentlicht wurde und damit noch gar nicht so alt ist.

Tracy Chapman, das ist für mich Ruhe, Träumen, Herbst, ein bisschen Weltverbesserung und eingängige Musik. Manchmal ein bisschen Melancholie, manchmal ein bisschen Lächeln, Musik zum Rumsitzen mit warmem Getränk, zum Reden. Und Tracy Chapman enttäuschte diese Erwartungen nicht. Was diesem Album fehlt, weder im Positiven noch im Negativen, ist die generelle Gesellschaftskritik, mit der ich Tracy Chapman bisher immer verbunden habe.

„Telling Stories“, das sind 11 Songs, alle mit sehr sparsamem Einsatz von Instrumenten, wenig metaphorischen und trotzdem ausdrucksstarken Texten und einfach schönen Melodien.

Eine leichte Acousticgitarre stimmt die nun folgende knappe Stunde reinsten Hörgenusses an, Tracy erzählt uns eine Geschichte über das Geschichten-Erzählen, über die Diskrepanz von Fiktion und Realität, über den dazwischen existierenden Raum. Aber existiert er wirklich? „You write the words and make believe there is truth in the space between“, weiß Tracy dazu zu sagen um uns mit der Feststellung „Sometimes a lie is the best thing“ und einer nachdenklichen Stimmung, die wir nur durch das Drücken der Pausetaste ausleben dürfen, zu entlassen.

Die letzten Gedanken beendet dürfen wir bei „Less than strangers“ der Frustration und Trauer Tracys folgen. Nicht etwa, wie der Titel vermuten ließe, weil eine Liebe ihr Ende fand, sondern vielmehr, weil sie so unrühmlich ausklingt. „You walked away from me, my heart it may be broken, but my eyes are dry to see...“ Begleitet von einer fast süßlichen Melodie, beendet Tracy nach dreieinhalb Minuten diese Verzweiflung über den Lauf der Dinge, nicht ohne nochmal deutlich auf ihre Traurigkeit hingewiesen zu haben. „I know that hearts can change, like the season and the wind, but when I said forever, I thought we’d always be friends“.

“Speak the word” ist mir definitiv zu poppig, es plätschert so vor sich hin und lässt mir Zeit, einen Blick in das schlichte Booklet zu werfen. Dieses ist größtenteils in schwarz gehalten, ein paar schöne Landschaftsaufnahmen, nicht spektakulär, genau wie die CD, genauso wenig in negativem Sinne.

„It’s OK“ kommt für Tracy Chapmans Verhältnisse schon recht zügig daher, bietet die klassisch dezente Instrumentalisierung und spricht von der Selbstlosigkeit, die Tracy einem ziemlich egoistischen Menschen entgegenbringt. Sie bittet ihn förmlich um Hilfe, ihm zu helfen und seine Egozentrik abzustellen. Immer wiederholt sie ihr „I keep the walls from falling down“ und schließt mit den Worten „help me be your friend, your confidante and keep the walls from falling down“. Bewunderung für eine scheinbar nicht aufkommende Resignation angesichts dieser Ungerechtigkeit bleibt irgendwie im Raum stehen.

Eine merkwürdig verzerrte Gitarre liefert das Intro für den „Wedding Song“, ein wahrhaft niedliches Lied; immer hat sie davon geträumt, ihn bei sich zu haben. „I reach out for your hand to see your arms extending me, outstreched towards me“. Ein ganz schlichter Song, ohne Schnörkel, und genau das macht ihn so gut.

„Unsung psalm“ ist der einzige Song dieses Albums, der die gesellschaftskritische, weltverbesserische Tracy aufleben lässt, wenn auch in einer anderen Form als gewohnt. Wo früher in Songs wie „Rape of the World“ die Kritik daherkam wie ein Vorschlaghammer, werden wir hier mit seichter Gitarre und Tracys reinster Stimme eingeführt. Sie erzählt uns, wie sie unter der Last zusammenbricht, immer gut sein zu müssen, immer danach zu streben, „gut“ zu sein. Sie kann es einfach nicht. „But I have no regrets no guilt in my heart, I only feel sadness for any pain that I’ve caused“. Sie kann es einfach nicht, so sehr sie es auch versucht. „Do you live by the book, do you play by the rules?”. “Unsung psalm” drückt eine unglaubliche Reife aus, die stark mit früherem Idealismus zu kollidieren scheint.

„Nothing yet“ scheint musikalisch einfach unrund, unmelodiös für Tracys Verhältnisse. Ein dominantes Schlagzeug, das trotzdem sehr ruhig bleibt, Gitarren als Beiwerk, aber alles in einer ganz eigenartigen Stimmung; der Song scheint nicht so recht zu wissen wohin mit sich. Und ein Blick auf den Text verrät, dass genau das ausgedrückt werden sollte:

This life a crime
A blessing and a curse
Chosen and unwanted
Displaced and usurped
I’d run away
But there is nowhere to go
So I’ll stand and fight
And hope and pray
That the best is yet to come
And we ain’t seen nothing yet

Eine perfekte Symbiose von Musik und Text, untereinander stimmig, abgehandelt in dreieinhalb Minuten.

„Paper and Ink“ ist dann doch wieder eines der Vorschlaghammerlieder, von denen ich weiter oben sprach. Musikalisch ist es mir ein bisschen zu langweilig, und der Einsatz eines Banjos mag auch nicht so recht zum Text zu passen. „Money’s only paper, only ink“, so das zentrale Thema dieses Songs, doch irgendwie ohne Nachdruck vorgetragen.

„Devotion“ erklärt sich eigentlich im Titel. Tracy fährt ihre „süßeste“ Stimme auf, und zelebriert eine Selbstaufgabe, die beispiellos ist. „What if you find a fault (...) judge me to be unworthy” ist an Unterwürfigkeit wohl kaum zu überbieten. Ganze Strophen werden durch ein zitterndes “deliver me” hinter jeder Textzeile devot durchtränkt. Tiefste Ergebenheit, die sich eigentlich niemand, egal von welcher Seite aus, wünschen kann.

Die nächsten drei Minuten sind mit Abstand der schrecklichste Part dieser CD. Nein, nicht musikalisch; vielmehr zieht einen der Song runter, sehr tief wie ich finde. „She was the only one, of my flesh and blood, no I have no calling, I can do no worldly good“. Kurzum: ein naher Mensch ist gegangen. Und Tracy versteht es nicht, ist verzweifelt. „I’ve mostly lost the voice to speak, and any words to say except: does heaven have enough angels yet?”. Der letzte Satz kehrt immer wieder, in scheinbar unendlicher Verzweiflung, doch am Ende kommt doch noch der Lichtblick, auf den man hoffend wartet. „Sometimes I hear her calling straight from the house of god“.

Alle Zuversicht wird allerdings mit dem abschließenden elften Track total zunichte gemacht. Banjo, Acousticgitarre und Tracy formen eine ganz ruhige, ja fast besinnliche Stimmung. Doch Tracys weinerliche resignierende Stimme will so gar nicht zu der sonst erzeugten Stimmung passen. Und dieser Eindruck bestätigt sich auch. „I’m struggling with the limits of this ordinary life, I’m just a, just a, just a first try“. Die gute Tracy fühlt sich unvollkommen; daß sie dies allein auf sich bezieht, darf zurecht angezweifelt werden. Der Song hat kaum Text, die Stimmung verändert sich kaum, immer und immer wieder das „just a first try“; so wird man mit einem bedrückenden Gefühl in die Stille des Raumes hinausgejagt, ohne zu verstehen, wie ein Album mit simplen Melodien, simplen Texten und wenig Pomp oder Effekthascherei solch emotionale, aufwühlende und gleichzeitig auch wieder beruhigende Stimmungen erzeugen kann...


Geschrieben am: 10. Dec 2001, 09:51   von: teajay



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