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Übersicht > Unterhaltung > Kinofilme > Dokumentationen > Bowling for Columbine

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
einfach genial, gleichzeitig erschreckend und ironisch

Nachteile:
der spezielle Stil wird nicht allen gefallen




Innenansichten der waffentragenden USA
Bericht wurde 1723 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 1 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Ein Dokumentarfilm im Kino, in den man auch noch mehrmals geht und damit noch nicht einmal die Ausnahme ist? Und das, obwohl keine besonderen Trickeffekte vorhanden sind oder faszinierende Aufnahmen, wie z.B. bei Nomaden der Lüfte, gezeigt werden? Und der zu allem Überfluss auch noch eine Aussage vermitteln will, dabei aber auch unterhaltsam ist?

Das klingt fast wie die eierlegende Wollmilchsau oder eine Werbespot für Überraschungseier. Doch dem amerikanischen Filmemacher Michael Moore ist diese Quadratur des Kreises mit seinem Werk „Bowling for Columbine“ definitiv gelungen.


Inhalt:
=====

Bei „Bowling for Columbine“ gibt es keinen gradlinigen Aufbau oder eine klare Struktur. Der Film ist eher eine Art Spurensuche oder ein Erklärungsversuch in mehreren Ansätzen dafür, warum in den Vereinigten Staaten von Amerika mehr Menschen mit einer Waffe getötet werden als in jedem anderen Land der Welt.

Rund um das Massaker an der titelgebenden Columbine-High-School in Littelton, bei dem zwei Schüler schwerbewaffnet in ihre Schule eindrangen und Mitschüler und Lehrer erschossen und einem Vorfall in Flint, der Heimatstadt des Autors, bei dem ein Sechsjähriger ein gleich altes Mädchen in der Schule erschoss, versucht Michael Moore Gründe dafür zu finden.

Doch der Film ist kein Rekonstruktionsversuch dieser konkreten Fälle, sondern man bekommt eigentlich immer nur Bruchstücke aus dem amerikanischen Alltag gezeigt, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Sei es die Bank aus der Anfangssequenz, bei der man sich ab einer gewissen Einlage gleich auch noch ein Gewehr aussuchen kann oder die privaten Miliz-Mitglieder, die mit Inbrunst ihr Recht, sich zu verteidigen, vorbeten und im gleichen Atemzug mit den Waffen, die sie zu Hause haben, protzen, die mit dem Begriff Verteidigung nur schwer in Einklang zu bringen sind.

In Littleton präsentiert sich ein Manager von Lockheed in einer der größten Raketenfabriken der USA in der Raketen-Montagehalle und gibt sich betroffen von den Ereignissen an der Columbine; denn viele der Eltern der betroffenen Schüler arbeiten in dieser Fabrik. Ein Bild das so abstrus ist, dass man nicht weiß, ob mal lachen oder weinen soll.

Ein weiteres großes Teil des Puzzles ist ein Vergleich der Verhältnisse in den USA und Canada und Erklärungsversuche, warum Kanada bei ähnlich Voraussetzungen eine viel geringere Mordrate hat.

Auch die Rolle der NRA, der National Riffle Association, wird kritisch beleuchtet. Wobei Moore sogar selbst Mitglied der NRA ist :-) Auch die Presse bleibt in Szenen rund um den Tod der Sechsjährigen nicht verschont.

Stilistisch besteht der Film zum großen Teil aus den Gesprächen, die Moore meist sehr spontan führt; aufgenommen von seinem mobilen Kameramann. Doch zwischen den Gesprächen wird immer wieder durch Ausschnitte aus Filmen, Dokumentationen, das Einblenden von Bildern und dazu passender Musik eine Art Gegenpol gebildet, der mal sarkastisch, mal einfach nur die Lächerlichkeit der vorher in den Interviews getroffenen Aussagen hervorhebend, dem ganzen Film als eine Art Klammer dient und die dahinterstehende Aussage deutlich macht.

Einer der Höhepunkte des Films ist ein kurzer ironischer Comic, der die Geschichte der USA zusammenfasst und dabei spielt natürlich die Bewaffnung eine große Rolle.

Es macht wenig Sinn, alle Teile des Filmes aufzuzählen; dies muß man selbst gesehen haben. Aber zwei Teile muß ich noch erwähnen: Mit zwei Opfern der Columbine-Schiesserei geht er zur Geschäftsleitung von KMart, einer großen Supermarktkette, die die Munition an die Attentäter verkauft hat. Durch Beharrlichkeit und die Einschaltung der Presse bewegen sie KMart dazu ihren Verkauf von Munition einzuschränken. Und am Ende des Filmes besucht er Charlton Heston, den bekannten Schauspieler und Vorsitzende der NRA, und spricht ihn darauf an, daß jeweils kurz nach den Vorfällen in Littleton und dem Tod des kleinen Mädchen in Flint in diesen Städten große Versammlung der Waffenbefürwortern abgehalten wurden.

Man sollte auch gleich eine Warnung aussprechen: Gerade in den Zwischeneinspielungen sind einige sehr erschreckende Szenen zu sehen. Denn es werden Ausschnitte gezeigt, in denen Menschen erschossen werden. Und zwar real. Auch die Aufzeichnungen der Überwachungskameras in der Columbine-Highschool während der Tat haben für mich etwas sehr Erschreckendes, obwohl oder vielleicht auch gerade weil sie keine Details zeigen. Auch wenn man meint, durch all die fiktiven Filmmetzeleien abgehärtet zu sein, bekommt hier meiner Ansicht nach bewusst Schockierendes zu sehen, das aufrütteln soll.



Der Autor:
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Michael Moore ist schon länger als einer der besten und kritischsten Dokumentarfilmer der USA bekannt. Zum erstenmal aufgefallen ist er mit einem kritischen und gleichermaßen ironischen Film über die Schließung eines großen Automobilwerks in seiner Heimatstadt Flint und seinem Versuch den Aufsichtsratsvorsitzenden von General Motors dazu zu bringen, sich zu dieser Schließung zu äußern („Roger & me“). Er macht und produziert Fernsehserien mit einem ähnlichen Anspruch und hat auch schon einige Bücher geschrieben. Absolut lesenswert ist „Stupid white man“, das zu meiner großen Freude momentan die deutschen Bestsellercharts anführt (und über das ich dringen auch noch eine Meinung schreiben sollte)


Meine Meinung:
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Auf dem ersten Blick könnte man denken, der Film ist Antiamerikanismus pur und schürt nur wieder die allgemeinen Vorurteile über Amerikaner als waffenstarrende, uneinsichtige Hardliner. Dieser Grundton ist natürlich unübersehbar vorhanden, doch der Amerikaner Michael Moore macht es sich dann doch nicht ganz so einfach.

Denn gerade in einigen Passagen, in denen die USA mit Kanada verglichen werden, zeigt er auf, dass viel der Argumente, die für die vielen Toten durch Schusswaffen in den USA angeführt werden, nicht der Weisheit letzter Schluß seinen können. In Kanada gibt es vergleichbar viele Waffen, die man relativ problemlos erwerben kann. Der Anteil der ethnischen Minderheiten ist ähnlich hoch und auch der Konsum von Gewaltvideos u.ä. lässt sich mit den USA vergleichen. Und doch ist die Anzahl der Morde in Kanada im prozentualen Vergleich um ein Vielfaches geringer als in den USA.

Und hier kommt Moore dann zu der Aussage, die für mich einer der wesentliche Punkte des Filmes ist. Der entscheidende Unterschied ist die Tatsache, dass in den USA die Furcht der Bevölkerung ganz anders geschürt wird. Seien es Fernsehnachrichten oder Pseudo-Dokus wie die Erfolgsserie „Cops“: Dem durchschnittliche Amerikaner wird weisgemacht, dass er immer und ständig gefährdet ist und daher verhält sich entsprechend. Im Film fallen Aussagen von Polizisten, dass die Verbrechensrate in ihren Bezirken eigentlich sinkt, aber das subjektive Sicherheitempfinden der Bevölkerung immer schlechter wird. Davon profitieren die Verkäufer von Haussicherheit und natürlich auch Waffenhändler. Die teilweise unbegründete Angst der Amerikaner ist nach Moores Ansicht einer der Hauptgründe, warum es zu so viele Zwischenfälle mit Waffen kommt.

Manche werden sich jetzt auch noch fragen, wie der Film zu seinem Titel kam. Die beiden Täter von der Columbine-Highschool waren nachweislich vor ihrer Tat noch auf der Bowlingbahn. Und Moore stellt im Film die ironische und gleichermaßen provokante Frage, ob nicht das Bowling genauso eine Ursache für ihrer Taten gewesen sein könnte, genauso wie „Experten“ nach dieser Tat natürlich die „üblichen Verdächtigen“ von Gewaltvideos über Computerspiele bis hin zu Musiker wie Marylin Manson, der auch zu Wort kommt, angeklagt haben. Das Moore mit diesem Titel natürlich auch seine Suche nach Ursachen etwas relativiert hat, mag durchaus gewollt sein.

Was man in diesem Film nicht erwarteten kann, ist die typischen Art von deutscher Gründlichkeit und Zurückhaltung in Dokumentationen, die immer versucht allen Seiten gleichermaßen gerecht zu werden. Michael Moore ist vordergründig ein gemütlicher, übergewichtiger Typ in Schlabberklamotten und einer Baseballmütze, der seine Gesprächspartner freundlich und verständnisvoll befragt. Ein Großteil des Filmes besteht aus Gesprächen. Doch gerade durch diese harmlose, teilweise fast kumpelhafte Art gelingt es ihm seine Gesprächspartner in Sicherheit zu wiegen und zu Aussagen zu verleiten, die ihr wahres Gesicht zeigen. Moore ist in der Art und Weise, wie diese Gespräche dann im Film präsentiert werden, weder zurückhalten noch das was man in neu-deutsch als „pc“, also „political correct“, bezeichnet. Er ist in der Darstellung provokant, durchaus auch mal polemisch. Mancher wird sich damit schwer tun, weil man eventuell etwas mehr Abstand erwartet. Aber mir persönlich gefällt diese direkte Art sehr gut. Er drückt aus was er denkt und bezieht eindeutig Stellung. Und auch wenn man manchmal vermuten könnte, dass er doch sehr einseitig ist (in seinen Büchern noch mehr als in diesem Film), sprechen aus meiner Sicht die Tatsachen, dass er zum einen umfangreiche Quellen liefert (nachzulesen u.a. auf seiner sehr sehenswerten Homepage www.michaelmoore.com) und es zum anderen scheinbar niemand in den sehr klägerfreundlichen USA geschafft hat, den Film zu verbieten, dafür, dass er hier Fakten präsentiert.

Doch wer sich jetzt zurücklehnt und sich damit zufrieden gibt, dass dies ja wohl ein typisch amerikanisches Problem sei, sollte sich nur an den Zwischenfall an der Schule in Erfurt erinnern. Denn Moore beschreibt natürlich, das was er kennt und das ist Amerika. Aber auch bei uns sind Tendenzen zu erkennen, die in vielem an die Verhältnisse erinnern, die in diesem Film gezeigt werden.


Ich habe den Film im englischen Original gesehen und hatte keinerlei Verständnisprobleme. Was aus meiner Sicht auch gegen die deutschen Variante spricht ist die Untertitelung. Ich habe in Auschnitten gesehen, dass scheinbar ein Großteil des Filmes, insbesondere die Gespräche auch in dieser Version in Englisch sind (was ja durchaus Sinn macht), aber mit Untertitel versehen wurden. Ich persönlich habe mit Untertiteln große Probleme, da ich bei dem Versuch gleichzeitig den Bildern zu folgen und zu Lesen zumeist überfordert bin und bei einem von Beiden irgendwann die Faden verliere.


Fazit:
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Wie man meinen manchmal etwas wirren und ausschweifenden Ausführungen ja bestimmt entnehmen konnte, hat mich dieser Film gleichermaßen erschreckt, begeistert und fasziniert. Die Message dieses Filmes lässt kaum im begrenzten Rahmen einer Meinung in einem Meinungsforum vermitteln. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass man diesen Film sogar mehrmals sehen muss, um all seinen Aspekten, gerecht zu werden.
Es gibt viel zum Nachdenken, manches was man durchaus anders sehen kann, aber gerade in diesen Zeiten ist diese Innenansicht Amerikas und der Versuch einer Deutung bestimmter Verhaltensmuster in diesem Land meiner Ansicht nach ein absolutes MUSS !!!!


Geschrieben am: 09. Mar 2003, 19:42   von: emty



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