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Übersicht > Unterhaltung > Kinofilme > Fantasy > Der Herr der Ringe - Die Gefährten

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Unterhaltsam, Technisch gut gemacht, siehe Text

Nachteile:
Brüche in der Handlung, Charaktere bleiben z.T. leblos, siehe Text




Ein Buch es zu verfilmen?
Bericht wurde 2419 mal gelesen Produktbewertung:  befriedigend
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Vielen Bestsellern ist ein Schicksal gemein: Sie werden mit großer Regelmäßigkeit verfilmt. Eine der am meisten erwarteten Verfilmungen dürfte die in den Jahren 1999 bis 2001 von dem Neuseeländer Regisseur Peter Jackson geschaffene Umsetzung von John Ronald Reuel Tolkiens Buchvorlage "Der Herr der Ringe" sein. Bereits im Vorfeld zog der Film das öffentliche Interesse auf sich. In Fankreisen unterhielt man sich rege über die Besetzung und das für-und-wieder einer solchen Verfilmung. Monate vor Veröffentlichung überschwemmten schließlich die bald allgegenwärtigen "Trailer" das Internet. Hier sollten sich die Fans Appetit auf mehr holen.

Begonnen hatte die Geschichte der zugrunde liegenden Buchreihe, die vielfach als Wegbereiter der Fantasyliteratur bezeichnet wird, im Jahr 1937. Damals veröffentlichte der Autor und Literaturprofessor J.J.R. Tolkien sein Buch "Der kleine Hobbit". Die Hauptfigur des Bilbo Beutlin hatte er schon Jahre zuvor für seine Kinder erfunden, denen er selbsterdachte Geschichten erzählte.

Bereits im Veröffentlichungsjahr des "Hobbit" begann Tolkien an der Arbeit an einem schließlich über 1100 Seiten umfassenden Nachfolgewerk, eben dem "Herrn der Ringe". Die ursprünglich 6 Teile wurden auf drei Bücher verteilt in den Jahren 1954-55 veröffentlicht. Damit hatte Tolkien die Fantasiewelt "Mittelerde" erfunden, in der sich neben Menschen allerlei fantastische Kreaturen wie Elben, Orks, Hobbits und Zwerge tummeln.

Peter Jacksons Film "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" greift zunächst die Geschehnisse des ersten Buchs auf, die Fortsetzungen werden bereits gedreht und erscheinen 2002 bzw. 2003.

Kern der Saga bilden folgenden Zeilen aus einem "alten Elbenlied", das den Kampf zwischen gut und böse in Mittelerde beschreibt:

Drei Ringe den Elbenkönigen unter dem Himmel,
Sieben für die Zwergenherrscher in ihren Hallen aus Stein,
Den Menschen, ewig dem Tod verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrscher auf dunklem Thron,
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden,
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

Der Hobbit Bilbo Beulin (Ian Holm) gibt an seinem 111jährigen Geburtstag den Ring des dunklen Herrschers Sauron, der ihm einst durch Zufall in die Hände fiel, an seinen jungen Cousin Frodo (Elijah Wood) weiter. Dieser sagenumwobene Ring wurde dereinst im Lande Mordor von Sauron geschmiedet und das Feuer des Schicksalsberges gab ihm seine dunkle Macht. In einer gewaltigen Schlacht verlor Sauron vor langer Zeit nicht nur seinen Körper, sondern mit dem Ring auch seine Macht. Nun ist sein Geist dabei, wieder zu erstarken und er strebt danach, sein altes Reich und seine Allmacht wieder zu erlangen. Dazu braucht Sauron den Ring.

Um für alle Zeiten zu verhindern, dass die dunklen Mächte den Ring (den "Einen Ring") wieder in Besitz nehmen, brechen die 9 Gefährten, Frodo und drei andere Hobbits: Samweis Gamdschie (Sean Astin), Pippin Tuk (Billy Boyd), Merry Brandybock (Dominic Monaghan), Gimli der Zwerg (John Rhys-Davies), Legolas der Elb (Orlando Bloom), Gandalf der Graue, der Mensch Boromir (Sean Bean) und der Waldläufer "Streicher" (Viggo Mortensen), zu einer gefährlichen Reise nach dem fernen Mordor auf. Nur in den Feuern des Schicksalsberges kann der Ring vernichtet werden. Ihnen auf den Fersen sind die Ork-Truppen des Zauberers Saruman (Christopher Lee), der sich auf die Seite des Bösen geschlagen hat.

Soviel sei verraten, ganz entgegen mancher Filmtradition macht der Film, genau wie das Buch, auch vor Hauptpersonen nicht halt. Einige werden so bereits das Ende des ersten Films nicht erleben...

Kann man einen solchen Stoff nun verfilmen?

Nach einer gescheiterten Zeichentrickverfilmung Ende der 1970er Jahre ist dies der zweite Versuch. Jackson brauchte für sein Werk eine unübersehbare Zahl von Komparsen, Schauspielern und Technikern. Die insgesamt 8 Stunden Film werden schließlich eine Summe von über 300 mio Dollar verschlingen, aber bereits in den 178 min des ersten Teils zeigt sich die Antwort: ein klares Jein.

Die fantastische Handlung mit ihren fremdartigen Kreaturen und Handlungsorten umzusetzen, ist selbst mit moderner Technik noch schwer. Vielleicht ist das der Grund, weswegen sich ein Regisseur erst so viele Jahrzehnte nach Erscheinen der Vorlage an den Stoff herantraut. Dazu war die Welt Mittelerdes lange zu komplex. In diesem Film gelingt diese Umsetzung gut: Fantastische Landschaftsaufnahmen begleitet von epischer Musik finden sich gepaart mit guten Computer- und konventionellen Filmtricks, die hervorragende Arbeit der Maskenbildner tut ein übriges und verleiht dem Film eine durchaus passende Atmosphäre. Wenn nicht...

Ja, wenn mich nicht während des Sehens ständig das Gefühl begleitet hätte, durch die Augen Jacksons zu sehen und den Stoff aus seiner Fantasie/Erinnerung zu erleben. Einen beschleicht das Gefühl, Jackson habe nach der Lektüre des Buches einfach die Szenen aufgeschrieben, die ihm noch im Gedächnis geblieben waren. Natürlich ist eine Gesamtumsetzung nicht möglich, von den vielen hundert Seiten Handlung muss eine Auswahl getroffen und manches auch weggelassen werden.

Doch durch die getroffene Auswahl bleibt hier der Erzählfluss auf der Strecke. Obwohl sicherlich alles wesentliche in den Film eingeflossen ist, erscheinen die Szenen manchmal künstlich aneinandergereiht. Noch dazu besteht ein Großteil des Filmes aus Landschaftsaufnahmen, in der die Gruppe, durch besagte epische Musik untermalt, von der Kamera bald aus dieser, bald aus jener Richtung überflogen wird. Gewiss, damit will Jackson die langen Zeiträume darstellen, die bei der Wanderung der Gefährten im Buch vergehen. Nur überzeugt er mich damit nicht. Manchmal entsteht fast der Eindruck, dass die Handlung nur den Rahmen bieten soll, der diese Szenen zusammenkittet. Eigentlich sollte es doch umgekehrt sein?

Das gilt weniger für den Anfang des Filmes. Der Besuch Gandalfs bei den Hobbits wird in glaubhafter Ausführlichkeit geschildert. Später während der Reise der Gefährten entsteht dann ein immer mehr gehetzter Eindruck. Um die Filmlänge zu begrenzen hat Jackson wohl kräftig auf "die Tube" drücken müssen. Somit sind manche für den Sinn des Filmes wichtige Szenen etwas kurz geraten. Besonders bei der Vorstellung der neuen Gefährten im elbischen Bruchtal hätte etwas mehr Zeit nicht geschadet.

Breit ausgewalzt werden hingegen neben den besagten Landschaftsaufnahmen alle Actionsequenzen. Während minutenlanger Verfolgungsjagden mit Orks oder Ringgeistern wird wahrlich nicht an Details gespart. Auf eine allzu blutige Darstellung der Kämpfe wird, vielleicht mit Rücksicht auf die Alterseinstufung (in Deutschland ab 12 Jahren), verzichtet. Aber wohl kein Detail der entstellten Orkkörper wird ausgespart, während sie unter ständigem Grunzen durch den Film kriechen, klettern oder hoppeln. Die etwas angemoderten Hufe der nicht weniger angemodert anmutenden Pferde der Ringgeister scheinen Jackson auch beinahe so wichtig zu sein, wie etwa Dialogsequenzen mit dem Hobbit Sam.

Bei dieser "Hatz durch epochale Bilder" bleibt leider allgemein die Darstellung der Charaktere arg auf der Strecke. Besonders betrifft dies wichtige Nebenrollen. Kaum taucht ein Darsteller auf, so ist er schon wieder verschwunden. Arwen Abendstern (Liv Tyler) Auftritt, wie auch der von Galadriel (Cate Blanchett), der Herrin des Waldes von Lothlórien, fallen sehr knapp aus. Was bleibt sind allenfalls äußerliche Eindrücke der beiden schönen Frauen, aber die dargestellten Figuren bleiben leblos.

Ständig scheinen Szenen zu fehlen, die die Charakterentwicklung plausibler machen sollten. So stirbt Boromir am Ende des Filmes einen szenischen Heldentod. Irgendwie meint man zu spüren, dass Jackson einem dabei Tränen in die Augen treiben will. Ich gestehe, bei manchen Filmen habe ich bei ähnlichen Szenen verdammt nah am Wasser gebaut, aber Sean Bean wechselt die Gesinnung im Vorfeld öfter, als ein Zivilisationsmensch bei Hitze duscht. Mir wurde die Figur nicht genügend nahegebracht, so bekam ich noch nicht einmal feuchte Augen. Obwohl man ihm lassen muss, das er beide "Aggregatzustände" Boromirs glaubhaft verkörpert. Aber so schon bald schizophren hatte ich ihn dann doch nicht in Erinnerung (aus dem Buch).

Einige Charaktere leiden an diesem Manko, sie scheinen nicht aus "einem Guss". Obwohl die Einzelleistungen der Schauspieler durchaus beachtlich sein können. Herauszuheben sind hier Sir Ian McKellen, Sir Ian Holm, Christopher Lee und besonders Viggo Mortensen, einem wirklichen Lichtblick des Films.

Gandalf ist, vielleicht bis auf ein etwas übertriebenes, großvaterhaftes Auftreten, wirklich gut getroffen. McKellen stellt einen sehr sympathischen Zauberer dar, gewissermaßen wie es im Buche steht.

Die Rolle des Bilbo Beutlin ist mit Ian Holm sehr gut besetzt. Sein Konflikt, den er durchlebt, weil er Frodo den Ring aufgebürdet hat, wird absolut überzeugend dargestellt. Eine Figur, mit der man schnell warm wird. In diesem Film sonst eher selten.

Christopher Lee brilliert wie üblich in der Rolle als Bösewicht. Erstaunlich: Er braucht keine lange Entwicklung, die Figur wirkt sofort plausibel.

Am besten gefallen hat mir Viggo Mortensen als "Streicher". Wie Lee braucht verkörpert er sein "Stereotyp" des loyalen Helden sehr glaubhaft. Man nimmt ihm die Rolle sofort ab und schließt ihn, ähnlich wie Bilbo, schnell ins Herz.

Eigentlich macht Elijah Wood seine Sache auch alles andere als schlecht. Die Figur ist aus einem Guss und gewiss kommt sie auch der im Buch sehr nahe, aber dauernd in die eine Mischung aus Staunen, Leiden und Angst ausdrückenden Augen von Frodo zu blicken... Einem "Ringträger" hätten auch mal ein energischerer Ausdruck gut zu Gesicht gestanden.

Ein glatter Reinfall sind für mich die anderen Hobbits. Sam ist als Charakter total unterbewertet, ab und zu darf er in der Szene erscheinen und ein "Herr Frodo" stammeln. Auch die anderen beiden kleinen (Wussten sie, dass die Darsteller am Computer verkleinert wurden? Ein wirklich gut gelungener Trick!) Gefährten aus Auenland bleiben eher blass und farblos. Schade.

Bleiben noch Orlando Bloom als Elb, ist zwar meistens da, aber bleibt als Figur seicht und John Rys-Davies, der einen lebendigen Zwerg gibt, allerdings etwas knapp mit eigenen Szenen bedacht wurde.

Was mich neben den erwähnten konzeptionellen und handwerklichen Schwächen eigentlich am meisten stört ist das allgegenwärtige Verfilmungsprinzip. Ist ein Buch ein "Bestseller", so scheint es erst durch eine filmische Umsetzung geadelt zu werden. Vorher ist es eben "nur" ein Buch. Wieso denn "nur"?

Ferner ist eine solche Verfilmung bei manchen Büchern offenbar vorab eine beschlossene Sache, eine Art "Muss". Zu sehen z.B. auch bei Harry Potter: Kaum war die Serie ein Welterfolg, so blieb anscheinend nur noch die Frage, wer den Film wann macht und welche Rekordsumme es kosten würde. Das der Film dann ein Erfolg wurde, versteht sich von selbst. Muss das alles sein? Bei manchen Büchern finde ich eine Verfilmung fast widersinnig, sollen sie doch gerade die Fantasie der Leser anregen. Werden diese Fantasien in einem Film optisch ausgeführt, ist vielfach die ganze Spannung weg.

Vor etwa 18 Jahren habe ich die Bücher zuerst gelesen, um nicht zu sagen: verschlungen. Das endete des öfteren Nachts mit der berühmten Taschenlampe unter der Bettdecke. Nach jedem Leseabend erlebte man das Gelesene noch einmal in der Fantasie. Im Film bekomme ich nun die Fantasie des Regisseurs in leicht verdaulichen Häppchen vorgesetzt und muss meinen eigenen Kopf nicht überstrapazieren. Endlich kann ich auch die Gesichter der Orks sehen, die Frage ist geklärt, ob und wie spitz Elbenohren nun sind, der Rhythmus der Orktrommeln in den Höhlen von Moria und das Hufgetrappel der Pferde der Ringgeister erfüllt nicht mehr nur meinen Kopf, sondern klingt auch in meinen Ohren... Nein danke, ich bleibe lieber bei MEINER Fantasie.

Insgesamt bleibt der Film eine durchaus kurzweilige Unterhaltung für einen Abend. Wenn nicht das Interesse aufgrund der berühmten Buchvorlage bestanden hätte, wäre er allerdings, mangels Investoren, in der Form nicht gedreht worden. Außerdem kann Vorwissen aus dem Buch wahrlich nicht schaden, um die erzählerischen Lücken, die Jackson lässt, zu schließen. Ein nicht vorgebildeter Besucher wird vielleicht von der Bilderflut erschlagen und von den Effekten geblendet, doch auf der Suche nach dem tieferen Sinn, dem "warum", muss es ihn zwangsläufig mit dem Buch in der Hand unter die Leselampe verschlagen.

Ein Buch, es zu verfilmen? Ein Film, ihn einmal zu sehen und dann, immer mal wieder, die Bücher zu lesen, vorzulesen und dabei jedes Mal neu zu erleben!


Geschrieben am: 21. Mar 2002, 23:02   von: expansin



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