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Übersicht > Familie > Haustiere > Fische

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Toll, diese Fische in seiner Heimat zu erleben

Nachteile:
Robuste Fische, die aber manchmal untereinander recht unverträglich sind




Der Malawisee und seine Buntbarsche
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Dies ist ein Auszug aus einem Vortrag, den ich vor vier Jahren für meine Vereinskollegen geschrieben habe. Weil hier aber die Ressonanz meiner Meinungen, besonders in Bezug auf Zierfische sehr gross ist, dachte ich mir, für meine Q-Test Freundinnen und -freunden einen Teil dieses Vortrages zu veröffentlichen:

Die Pflege von Malawibuntbarschen

Der Malawisee, früher Njassasee genannt, befindet sich im südlichen Ende des ostafrikanischen Grabenbruchsystems. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt fast 600 km bei einer maximalen Breite von etwa 80 km. Seine Fläche wird mit nahezu 31.000 km³ (entspricht in etwa der Grösse Bayerns) angegeben. Die maximale Tiefe liegt bei über 700 Metern. Damit ist der Malawisee nach dem Viktoria- und dem Tanganjikasee der drittgrösste See Afrikas.

Drei Anrainerstaaten begrenzen dieses Binnenmeer. Den grössten Anteil Küstenlinie weist Malawi auf. Fast die gesamte Westküste sowie ein Teil des südlichen bis mittleren Ostufers gehören zu diesem Staat, was ungefähr 800 km Küste entspricht. Mosambik grenzt an etwa 200 km der mittleren Ostküste. Die Nordküste sowie ein kleiner vernachlässigbarer Bereich der nördlichen Westküste zählen zu Tansania, dies macht rund weitere 300 km Küstenlinie aus. In Tansania wie auch in Mosambik wird dieser See übrigens auch heute noch Njassasee (engl. Lake Nyasa) genannt, was in der Sprache der Yao „grosses Wasser“ bedeutet.

Der Malawisee ist ein wahrlich einmaliges Gewässer. Wenn man an den zum Teil weitläufigen Sandstränden ein Bad in der Brandung nimmt, ist man geradezu überrascht, dass das Wasser nicht salzig schmeckt. Neben den langen, flachen Sandstränden gibt es überwiegend steinige und felsige Uferbereiche, an denen insbesondere die als „Mbunas“ bekannten Felsencichliden vorkommen. Weite Flussmündungen sowie sumpfige und mit Schilf bestandene Ufer runden das abwechslungsreiche Bild des Malawisees ab. Erwähnenswert sind hier weiterhin die gewaltigen Bergketten, die den See an der Nordwestküste (nördlich von Nkhata Bay) sowie vor allem an der Nordostküste mit dem Livingstone Gebirge förmlich einrahmen und so den Grabenbruch, durch den der Malawisee vor schätzungsweise 1-2 Millionen Jahren entstanden ist, eindrucksvoll verdeutlichen.

Es besteht kein Zweifel darüber, dass die grösste Besonderheit des Malawisees die Buntbarsche darstellen. Mittlerweile dürften wohl mehr als 600 Arten bekannt sein, viele davon sind aber wissenschaftlich noch unbeschrieben und werden unter sogenannten Handelsnamen und Arbeitsbezeichnungen geführt. Bis auf ganz wenige Ausnahmen leben alle Cichliden endemisch im Malawisee, d.h. sie kommen nur in diesem Gewässer vor und sonst nirgends auf der Welt.


Lebensräume des Malawisees

Es ist völlig offensichtlich, dass in einem so riesigen Gewässer, wie es der Malawisee darstellt, eine Vielzahl von unterschiedlichsten Lebensräumen existiert. Der menschliche Hang zur Klassifizierung mag hier deshalb gekünstelt anmuten, gleichwohl dient die nachfolgende Einteilung in sieben Lebensraum-Typen, die bereits zu Beginn der 1960er veröffentlicht wurde, der besseren Übersicht. Dem Aquarianer erleichtert die Kenntnis der einzelnen Lebensräume die naturnahe Einrichtung des Aquariums..

Wenn man aquaristische Reiseberichte vom Malawisee liest, so kann man den Eindruck gewinnen, die meisten Küsten dieses Sees bestünden aus steilen Felsufern. Zwar stammen die meisten Aquariumfische von felsigen Uferbereichen, doch der überwiegende Teil (ca. 70% der Küstenlinien) wird von flach abfallenden Sandzonen gebildet. Mbunas wird man hier kaum antreffen, wohl aber verschiedene „Sandcichliden“ aus der Gruppe der Nicht-Mbunas. Insbesondere die Lethrinops-Artigen (Lethrinops, Taeniolethrinops und Tramitichromis) sowie auch zahlreiche Nyassachromis treten über Sandgrund in grosser Anzahl auf. An manchen Stellen lassen sich sogenannte Laichkolonien beobachten, in denen sich hunderte von Männchen, die um die Gunst der Weibchen werben, dicht an dicht mit ihren Revieren bzw. Laichburgen befinden. Tendenziell sind die meisten Sandbewohner weniger plakativ gefärbt als die Bewohner der Fels- und Übergangszonen.

Im optischen wie auch hinsichtlich der Artenzahl krassen Gegensatz, stehen die Felsküsten, die die Hauptlebensräume der meisten für die Aquaristik gefangenen Arten darstellen. Gleichwohl, betrachtet man das flächenbezogene Ausmass felsiger und steiniger Bereiche im Malawisee, so nimmt dieser Lebensraum weniger als 5% der potentiell besiedelbaren Flächen ein. Fast alle Mbunas werden in den Felsbezirken angetroffen. Verschiedene Gattungen der Nicht-Mbunas sind gleichfalls hier verbreitet. Der Felsaufwuchs stellt für die meisten Cichliden die Nahrungsgrundlage dar.

Einen mitunter nur schwer abgrenzbaren Lebensraum stellt die sogenannte Übergangszone dar (engl. intermediate zone). An vielen Stellen laufen Sand- und Steinbereiche ineinander über. Sowohl Felsaufwuchs als auch freiliegende Sedimentflächen mit bodenbewohnenden
Kleintieren stehen zur Nahrungssuche zur Verfügung. Derartige Bereiche zählen zu den artenreichsten Biotopen, da sie als „Nahtstellen“ der Sand- und Felszonen entsprechend vielen Arten einen geeigneten Lebensraum bieten. Eine miniaturisierte Übergangszone lässt sich leider nur in sehr grossflächigen Aquarien nachgestalten, da sich die Malawisee-Cichliden, wenn sie sich erst einmal im Aquarium eingelebt haben, nicht so sehr an bestimmte Bereiche gebunden fühlen und dann alle Zonen im Aquarium wahllos besiedeln. Der nächste Stein als Rückzugsmöglichkeit ist ja nicht weit entfernt, so dass sich ein Mbuna ohne Hemmungen in die kleine Aquariensandzone wagen kann, um ein Nyassachromis-Männchen mal kurz von seinem Sandkrater zu verscheuchen.

Die verbleibenden vier Lebensräume sind für den Aquarianer nur von untergeordnetem Interesse. Beim Freiwasser ist zu unterscheiden zwischen dem ufernahen Freiwasser und dem eigentlichen Pelagial, dem uferfernen Freiwasser. Letzteres wird strikt nur von einer einzigen Art im Malawisee bewohnt, welche nicht zu den Cichliden, sondern zu den Sardellen zählt (Engraulicypris sardella, die Malawisee-Sardelle). Die sogenannten Utaka (Copadichromis) sind zwar Freiwasserbewohner, doch halten sich die Arten dieser Gattung stets im ufernahen Freiwasser auf. Die Nachahmung eines ufernahen Freiwassers für die Haltung von Copadichromis-Arten im Aquarium wäre simpel, wenn nicht die Dimensionen des betreffenden Lebensraums so gewaltig wären. Ein möglichst grosses (hohes wie tiefes) Aquarium mit viel freiem Schwimmraum sowie einer felsigen Rückwand wäre ausreichend. Allerdings, die meisten der für die Aquaristik eingeführten Copadichromis lassen sich in den üblichen Aquarien problemlos dauerhaft pflegen und züchten.

Einen ganz besonderen Lebensraum bildet die Tiefwasserzone. Hierunter versteht man üblicherweise den Tiefenbereich deutlich unterhalb von 30 Metern Tiefe, die im Malawisee etwa 200-250 Meter reicht. Noch tiefer ist das Wasser mit giftigem Schwefelwasserstoff angereichert, so dass kein höheres Leben mehr bestehen kann. In der Tiefwasserzone leben vorzugsweise Vertreter der Gattungen Diplotaxodon, Alticorpus, Pallidochromis sowie manche grosse Rhamphochromis-Arten. Alticorpus-Arten sind übrigens noch in fast 160 Metern Tiefe gefangen worden. Für aquaristische Belange sind alle Tiefwasserbewohner ohne Bedeutung.

Den letzen Lebensraum, der hier vorgestellt werden soll, bilden Flussmündungen sowie Röhricht- und Schilfbestandene Ufer. In diesen Bereichen befinden sich meist Arten, die auch in den Flüssen leben, die in den Malawisee münden (Tilapia, Astatotilapia, Serranochromis), aber durchaus auch Vertreter der Nicht-Mbunas. Von den Zierfischexporteuren werden diese Uferabschnitte in der Regel gemieden, da sie meist unergiebig sind.

2. Namen

Es gibt zwei Arten von Namen: wissenschafliche und nicht-wissenschaftliche. Während wissenschaftliche Namen grundsätzlich weltweit gültig und anerkannt sind, lässt sich die bei den nicht-wissenschaftlichen Namen, den sogenannten Handels- und Arbeitsnamen, wahrlich nicht behaupten. Wissenschaftliche Namen bestehen aus einem Gattungs- und Artnamen. Beide Namen werden kursiv geschrieben, der Artname wird stets kleingeschrieben (z.B. Pseudotropheus lombardoi).

Buntbarsche (und natürlich auch andere Fische), die wissenschaftlich noch nicht beschrieben sind und somit noch keinen wissenschaftlichen Namen erhalten haben, werden üblicherweise mit vorläufigen Bezeichnungen belegt, bis eine wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgt. Meist ist es möglich, die Gattung zu bestimmen, in die eine neue Art einzuordnen ist, so dass nur ein Name zur Artbezeichnung geschaffen werden muss. Um kenntlich zu machen, dass es sich nicht um einen wissenschaftlichen Namen handelt, wird der Handels- oder Arbeitsname in Anführungszeichen gesetzt und nicht kursiv geschrieben. Um den Unterschied noch deutlicher zu machen, empfiehlt es sich, alle nicht-wissenschaftlichen Namen gross zu schreiben (z.B. Pseudotropheus „Red Top Ndumbi“). Manche Autoren setzen zwischen Gattungs- und Artname ein „spec.“ oder „sp.“ für species = Art, um hervorzuheben, dass es sich um eine noch unbeschriebene Art handelt.

Der zusatz „cf.“ (conferre = vergleiche) vor der Artbezeichnung bedeutet, dass es sich bei dem betreffenden Cichliden um die besagte Art handeln könnte (z.B. Copadichromis cf. Flavimanus), aber keine ausreichende Sicherheit bei der Bestimmung des Fisches erlangt wurde. Wird dagegen der Zusatz „spec. aff.“ (species affinis = verwandte Art) verwendet, soll damit verdeutlicht werden, dass es sich nicht um die betreffende, aber eine eng verwandte Art handelt (z.B. Pseudotropheus spec. aff minutus).

3. Die Cichliden des Malawisees

3.1 Mbunas

Grundsätzlich lassen sich zwei Gruppen von Malawisee-Cichliden unterscheiden: Mbunas und Nicht-Mbunas. Als Mbunas werden von den einheimischen die sogenannten Felsen-Cichliden bezeichnet. Hierunter versteht man eine in sich weitgehend geschlossene, d.h. gegenüber anderen Buntbarschen gut abgrenzbare Einheit von kleinen bis mittelgrossen Cichliden, die mit wenigen Ausnahmen eine strikt felsorientierte Lebensweise besitzen. Die Nahrungsgrundlage der Mbunas bildet der Felsaufwuchs, der mit unterschiedlichen Techniken abgeschabt, abgezupft oder durchkämmt wird. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Felsaufwuchs, oder generell, der auf Hartsubstraten sich ansiedelnde Aufwuchs, zwar überwiegend aus Algen und Bakterien besteht, aber dennoch eine Vielzahl von Kleintieren enthält (z.B. Insektenlarven, Krebschen, kleine Würmer und Schnecken). Es liegt auf der Hand, dass der Aufwuchs insbesondere da gut gedeiht, wo viel Sonnenenergie zur Verfügung steht, also im flachen Wasser bis etwa 5 m Tiefe. Die dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass die meisten Mbunas im flachen Wasser vorkommen. Im extremen Flachwasser (bis etwa 1 m Tiefe) leben übrigens die besonders kräftigen bzw. durchsetzungsfähigsten Arten, die ihre Nahrungskonkurrenten in tiefere und damit nahrungsärmere Wasserbereiche abdrängen. Obwohl viele Arten spezielle Aufwuchs-Fresstechniken entwickelt haben, werden andere Nahrungsquellen, insbesondere wenn diese leicht verfügbar sind, keineswegs verschmäht. Bei entsprechendem Aufkommen von Plankton kann man die Mbunas in grossen Gruppen im freien Wasser beim Fressen beobachten, für manche Arten stellt Plankton dann die Hauptnahrung dar.

Zur Zeit werden die Mbunas in 10 Gattungen eingeteilt: Cyathochromis, Cynotilapia, Genyochromis, Gephyrochromis, Iodotropheus, Labeotropheus, Labidochromis, Melanochromis, Petrotilapia und Pseudotropheus. Insgesamt dürften es wohl fast 300 Arten sein, die mittlerweile bekannt sind. Bei einigen Populationen konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden, ob es sich um geographische Rassen bereits bekannter Arten oder um neue eigenständige Arten handelt, so dass man zur Zeit keine exakte Artenzahl nennen kann. Die kleinsten Mbunas werden nur etwa 6-7 cm gross (Gesamtlänge). Die grössten Mbunas sind die Vertreter der Gattung Tilapia, die im männlichen Geschlecht durchaus 18 cm Gesamtlänge erreichen können. Die Mehrheit der Mbunas liegt aber im Grössenbereich von 9-11 cm.

Die enge Bindung der Mbunas an felsige Untergründe führt dazu, dass die meisten Arten sehr standorttreu sind. Weiterhin ist von Bedeutung, dass selbst kleine, nur 20 m breite sandige Bereiche von vielen Mbunas nicht überschwommen werden. Auf diese Weise existieren viele isolierte Populationen, die sich im Laufe der Zeit verschieden entwickelt und z.B. farblich unterschiedliche Standortvarianten entwickelt haben. Letztlich führt dieser Prozess zu neuen Arten.

3.2 Nicht-Mbunas

Die zweite grosse Gruppe wird als Nicht-Mbunas bezeichnet. Diese Gruppe wurde bis 1989 als „Haplochromis“ angesprochen, obwohl bereits seinerzeit auch andere Gattungen (Aulonocara, Aristochromis) zu dieser Gruppe gehörten. Die Malawisee-„Haplochromis“ wurden 1989 von Eccles und Trewavas taxonomisch bearbeitet, wobei eine Vielzahl neuer Gattungen aufgestellt wurde. Der Ausdruck „Haplochromis“ entfiel dadurch, sodass heute der Begriff „Nicht-Mbunas“ verwendet wird. Gegenwärtig sind es 38 Gattungen, die die Gruppe der Nicht-Mbunas bilden.

Die Nicht-Mbunas sind generell nicht so stark felsorientiert und bewohnen fast jeden Lebensraum des Malawisees, darunter auch die weiten sandigen Zonen und das lichtarme Tiefwasser. Die Gesamtlängen der Nicht-Mbunas betragen etwa 10-40 cm. Die meisten Arten werden aber nur ca. 15 cm gross. Entsprechend der weiten Verbreitung in den verschiedensten Biotopen haben die Nicht-Mbunas fast jede Nahrungsquelle erschlossen. Angefangen von relativ unspezialisierten Alles- bzw. Kleintierfressern (Protomelas, Mylochromis, Otopharynx) lassen sich Planktonspezialisten (Copadichromis), Raubfische (Stigmatochromis, Rhamphochromis) sowie Extremformen wie z.B. Flossen- und Schuppenfresser (Corematodus, Docimodus) und natürlich zahlreiche Übergangsformen speziell der Nahrung nachweisen. Bemerkenswert ist auch, dass manche Arten ein geradezu skurriles Beutesuchverhalten entwickelt haben. Mylochromis labidodon dreht kleine Steine um und erbeutet die unter den Steinen lebenden Kleintiere. Protomelas fenestratus bläst einen Wasserstrahl in das Sediment, um seine Beute freizulegen.

Analog zu den Mbunas leben alle Arten endemisch im Malawisee. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass alle Arten der beiden Gruppen Maulbrüter im weiblichen Geschlecht sind.

Abschliessend ist anzumerken, dass es im Malawisee neben den Mbunas und Nicht-Mbunas eine Handvoll weiterer Buntbarsche gibt. Hierzu zählen Tilapia rendalli, der einzige substratbrütende Cichlide des Sees, Astatotilapia calliptera, Serranochromis robustus und einige Oreochromis-Arten. Die genannten Arten lassen sich nicht den Mbunas oder Nicht-Mbunas zurechnen, sondern weisen enge verwandtschaftliche Beziehungen zu flussbewohnenden Buntbarschen aus der Umgebung des Malawisees auf.


Insgesamt betrachtet ist die Nachzucht von Malawisee-Cichliden denkbar einfach. Unter entsprechenden Bedingungen wird man es kaum vermeiden können, dass sich der Fortpflanzungstrieb seinen Weg bahnt. Wer die Jungtiere aufziehen möchte, sollte das Weibchen etwa drei Wochen nach dem Ablaichen in ein separates Becken überführen.

4. Pflege und Zucht

4.1 Pflege

Die meisten Malawisee-Cichliden sind robuste und anpassungsfähige Pfleglinge. Es gilt nur wenige grundsätzliche Faktoren zu beachten, um diese schönen Buntbarsche halten und auch züchten zu können.

Das Wasser des Malawisees ist alkalisch, d.h. der pH-Wert liegt oberhalb des Neutralpunktes von 7,0. Meist werden pH-Werte von 7,5 bis 8,8 gemessen. Manche Aquarianer sind der Ansicht, dass man Malawisee-Cichliden am besten in hartem Wasser pflegen sollte. Dies trifft so nicht zu. Im Malawisee liegt die Gesamthärte bei 4° bis 6° dGH, so dass das Wasser als weich einzustufen ist. Die Karbonathärte liegt bei 6 bis 8. Wahr ist aber, dass hartes Wasser oft einen alkalischen pH-Wert aufweist, wodurch sich die o.g. Einschätzung erklärt. In den meisten Leitungswassern lassen sich Malawisee-Cichliden gut pflegen. Eine hohe Gesamthärte ist im üblichen Rahmen dem Wohlbefinden der Tiere übrigens nicht abträglich. Liegt der pH-Wert unterhalb des Neutralpunktes, sollte eine entsprechende Korrektur erfolgen (im Handel sind entsprechende Aufbereitungspräparate erhältlich). Die Wassertemperatur sollte entsprechend den Verhältnissen im See zwischen 24° und 27° C liegen.

Bei der Beckeneinrichtung ist als Bodengrund grober, nicht zu heller Sand zu empfehlen. Feiner Sand hat den Nachteil, dass beim Scheibenreinigen leicht Sandpartikel in den Schwamm gelangen, die dann die Scheibe verkratzen. Kies mit einer Körnung von 3-5 mm, wie er insbesondere in den 70er und 80er Jahren in der Aquaristik verwendet wurde, ist nicht so gut geeignet, da einerseits kleinere Arten den Untergrund nicht mehr nach Nahrung durchsuchen können, andererseits wird das Anlegen von Laichgruben und- kratern erschwert.

Bei der Inneneinrichtung kommen grundsätzlich alle Materialien in Betracht, die sich nicht nachteilig auf die Wasserqualität auswirken und den ästhetischen Anforderungen des Pflegers gerecht werden. Üblicherweise werden verschiedene Sorten von Steinen verwendet, mit denen man Versteckmöglichkeiten für unterlegene Exemplare und tragende Weibchen schaffen sollte. Damit sich die revierverteidigenden Männchen nicht immer gleich sehen, empfiehlt es sich, das Becken mit Aufbauten oder Sichtblenden zu gliedern.

Pflanzen spielen im natürlichen Lebensraum keine wesentliche Rolle. Im Aquarium kann man aber robuste Pflanzen ohne weiters einsetzen. Bewährt haben sich Riesenvalisnerien, Cryptocorynen (C. usteriana), Javafarn sowie Anubias. Die beiden letztgenannten Arten wurzeln frei auf Steinen und anderen rauhen Gegenständen, so dass sie sich besonders zur Begrünung einer Felsrückwand anbieten.

Eine allgemein verbindliche Regel für die Einrichtung eines Malawisee-Cichliden-Aquariums gibt es (Gott sei Dank) nicht. Hier kann jeder mit mehr oder weniger Steinaufbauten und/oder Pflanzen zum gewünschten Erfolg kommen.

Von grosser Bedeutung ist die Fütterung. Die meisten Aquarianer machen den Fehler, dass sie zu viel und mit zu „schwerer“ Kost füttern. Vor allem Mbunas sind als Aufwuchsfresser „leichte“, d.h. ballastreiche Kost gewöhnt (Wildfänge naturgemäss mehr als Nachzüchtungen). Schieres Fleisch (z.B. Rinderherz, Fisch) sollte deshalb gar nicht oder nur selten in geringen Mengen an Mbunas verfüttert werden. Es ist vorteilhaft, Mbunas öfters mit Grünflocken oder anderer pflanzlicher Kost zu füttern. Ansonsten bieten sich die üblichen Flocken- und Frostfuttersorten zur Ernährung an (adulte Artemia, rote Mückenlarven, Mysis, Wasserflöhe, Cyclops).

Wesentlich unempfindlicher verhalten sich da die Nicht-Mbunas. Sie können schon mal einen deftigen Brocken vertragen, insbesondere die grösseren räuberischen Arten. Mit den o.g. Futtermitteln lassen sich sonst die meisten der Nicht-Mbunas zufriedenstellend ernähren. Bei den Futtermengen braucht man allerdings nicht so vorsichtig wie bei den Mbunas sein.

Allein die unterschiedlichen Nahrungsansprüche sprechen dafür, dass man Mbunas und Nicht-Mbunas nicht in einem Becken pflegen sollte. Trotzdem ist eine Vergesellschaftung beider Gruppen in vielen Fällen aquaristische Praxis. Man kann sich behelfen, dass man z.B. den grösseren Nicht-Mbunas gezielt grössere Brocken mit der Hand verabreicht, während die Mbunas mit pflanzlichem Flockenfutter auskommen müssen.

Unabhängig von den gruppen- und artspezifischen Unterschieden ist zu betonen, dass Malawisee-Cichliden einen grossen Stoffwechsel haben. Eine kräftige Filterung und, wichtiger, ein regelmässiger Teilwasserwechsel von etwa 30-40% des Beckeninhaltes in abständen von 2-3 Wochen sind deshalb eine unabdingbare Voraussetzung.

Ein ganz besonderer Faktor bei der Pflege ist die Beckengrösse. Je grösser das Becken, desto geringer die Probleme bei der Vergesellschaftung der verschiedenen Arten. Wer in einem 200-Liter-Becken eine Gemeinschaft von verschiedenen Arten pflegt, muss sich darauf einrichten, des Öfteren regulierend einzugreifen. D.h., unterlegene Tiere oder mitunter ein aggressives Männchen müssen aus dem Becken entfernt werden, um den „Frieden“ zu wahren. Ab einer Grösse von 600 Litern nimmt die Notwendigkeit des „Regulierens“ bis auf ein Minimum ab. Beckengrössen über 1000 Litern lassen kaum ernsthafte Aggressionen aufkommen bzw. Aggressionen verpuffen wirkungslos, weil die attackierten und die unterlegenen Exemplare problemlos ausweichen können. Natürlich spielt bei der obigen Betrachtung auch die Grösse und das Aggressionspotential der gepflegten Arten eine entscheidende Rolle. Ein 30 cm grosses Dimidiochrimis kiwinge-Männchen ist leicht in der Lage, die gesamte Belegschaft eines 1000-l-Aquariums in schach zu halten. Die Ausführungen beziehen sich deshalb nur auf üblicherweise nur in solchen Becken gepflegte Arten mit Gesamtlängen von etwa 12 bis 15 cm, in Einzelfällen bis 20 cm.

Ansonsten gelten bei der Vergesellschaftung von Malawisee-Cichliden die üblichen Regeln. Es ist selbstverständlich, dass man besonders aggressive Arten nicht mit durchsetzungsschwachen Cichliden zusammen pflegen sollte. Raubfische und grosse Malawisee-Cichliden sollten ebenfalls unter sich bleiben, genauso wie die sandbewohnenden Nyassachromis-Arten, wenn man sich an deren typischen Verhaltensweisen erfreuen möchte. Auch bei der Vergesellschaftung verschiedener Arten gilt, dass man umso unterschiedlichere Arten pflegen kann, je grösser das Becken ist.

Oftmals wird die Frage nach der Zahl der Fische gestellt, die man sinnvollerweise pflegen sollte. Hierbei ist es wichtiger zu wissen, dass die Auswirkungen von Aggressionen umso grösser sind, je weniger Fische im Aquarium sind, weil sich die Aggressionen ja auf nur wenige Individuen verteilen, die vom Aggressor zudem noch gezielt attackiert werden. Die ist in einem überbesetzten Aquarium viel weniger der Fall. Mehr noch: Ab einer bestimmten Besatzdichte nimmt das Revierverhalten der Männchen vollständig ab, einfach, weil es nicht mehr möglich ist, ein Revier zu verteidigen. Auf diese Weise werden Aggressionen zwar vollständig unterbunden, doch lastet in einem solchen Becken wegen des Überbesatzes ein sehr hoher Stress auf den einzelnen Fischen, was zu Krankheiten und auch zeitweiliger Unfruchtbarkeit führen kann. Ein goldener Mittelweg ist also, wie so oft, zu empfehlen. Bei Mbunas z.B. hat sich ein Besatz von etwa 30-40 ca. 7-10 cm grossen Exemplaren in einem 2-Meter-Becken als guter Kompromiss erwiesen. Letztlich liegt es im Gespür des Pflegers, die Bestandsdichte unter seinen spezifischen Verhältnissen sinnvoll auszuwählen. Ein Patentrezept gibt es jedenfalls nicht.

Neben der Gesamtmenge der Fische im jeweiligen Aquarium stellt sich auch die Frage nach der Zahl der Cichliden ein und der selben Art. Üblicherweise wird empfohlen, ein Männchen mit mehreren Weibchen zu vergesellschaften. Allerdings, bei Arten, bei denen sich auch die Weibchen untereinander aggressiv verhalten, kann es mitunter unmöglich sein, zwei oder mehr Weibchen zu halten. Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass es manchmal sehr schwierig ist, zwei Weibchen einer Art zu pflegen. Dagegen ist es bei den meisten Arten ohne Weiteres möglich, fünf oder mehr Weibchen in einem Becken zu halten. Ganz wenige oder ganz viele, das scheint das beste Prinzip für besonders aggressive Arten zu sein. Was für die Weibchen gilt, trifft auch für die Zahl der Männchen zu, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Pflege mehrerer Männchen nur in grossen Becken sinnvoll ist, je nach Grösse der betreffenden Art. Eines ist bei der Pflege mehrerer Männchen ein grosser Vorteil: Dadurch, dass ständig Nebenbuhler gegenwärtig sind, befinden sich die Männchen permanent in Prachtfärbung, allzeit bereit zu imponieren und ihren Bereich zu verteidigen.

4.2 Zucht

Alle Malawisee-Cichliden sind, wie erwähnt, Maulbrüter im weiblichen Geschlecht. Eine Paarbindung zwischen den Geschlechtspartnern besteht nicht im eigentlichen Sinne, sondern ist auf die Phase des gemeinsamen Ablaichens beschränkt (sog. agame Maulbrüter). Das Ablaichen vollzieht sich bei den meisten Arten (soweit bekannt) unter kreisenden Bewegungen. Sofort nach der Eiablage dreht sich das Weibchen um und nimmt die Eier ins Maul auf. Die gelben Eiattrappen ähnlichen Flecke in der Afterflosse der meisten Männchen könnten die Funktion haben, die Weibchen zu animieren, nach den Afterflossenflecken zu schnappen, um dabei das Sperma des Männchens aufzunehmen (Wicklersche Eiattrappen-Theorie). Somit würden die Eier erst im Maul des Muttertieres befruchtet.

Bei dem überwiegenden Teil der aquaristisch bekannten Arten beträgt die Brutzeit in Abhängigkeit von der Wassertemperatur etwa drei Wochen. Geringfügige Abweichungen nach oben und nach unten sind artabhängig möglich. Die entlassenen Jungtiere sind meist um 10 mm gross und bereits fertig entwickelt. Da die Jungtiere sofort Artemia-Nauplien und fein zerriebenes Flockenfutter annehmen, Ist die Aufzucht in der Regel völlig problemlos.

Bei den Nicht-Mbunas werden die Jungtiere noch einige Tage nach dem ersten Entlassen bei vermeintlicher Gefahr und am Abend wieder ins Maul aufgenommen. Bei den Mbunas ist das Brutpflegeverhalten nach dem Freisetzen der Jungtiere deutlich schwächer ausgeprägt. Nach Aquarienbeobachtungen setzen viele Arten ihre Jungtiere frei und kümmern sich dann nicht mehr um sie.

Ich denke, das war schon ein bisschen viel zum Lesen und der Durst ist grösser geworden. Hoffentlich steht was Gescheites im Kühlschrank.

Vielen Dank für´s Lesen

Euer Sepp


Geschrieben am: 06. Mar 2003, 19:42   von: wuschel111



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