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GIB IHNEN DEN REST!
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Bericht wurde 3 mal kommentiert Berichtbewertung:  nicht bewertet

Zum Thema "G" wie "Geld" oder eben "Gib's ihnen!"

Gestern war ich seit langem wieder einmal in meiner Bank. Die etwa zwei Kilogramm Hartgeld, die sich im Laufe der Zeit in der Schale in meinem Flur angesammelt haben, in die ich es werfe, wenn meine Brieftasche wieder einmal zu schwer geworden ist, konnte ich ja nicht mit Onlinebanking loswerden.

"Geben Sie uns den Rest! Ab Januar 2002 gibt es den Euro und viele europäische Währungen sind dann wertlos. Spenden Sie uns jetzt Ihre alten Münzen!" Steht auf den signalroten Briefumschlägen, die in meiner Bank umherliegen. "Münzen für mehr Menschlichkeit" - eine gute Idee, also steckte ich einen der Umschläge ein, denn zuhause ist ja noch die andere Schale mit Münzen - die Tonschale in meinem Bücherregal, in das ich nach jeder Reise die übriggebliebenen Fremdwährungen warf.

Nun sitze ich auf dem Sofa vor einem unüberschaubaren Meer aus Münzen und erinnere mich an meine Großmutter und wie ich als kleiner Junge staunend auf ihrem Teppich saß, deutsche Reichsmark-Münzen in den Händen hielt, und mir ihre Geschichten aus dieser Zeit anhörte. Oder die gelochten brasilianischen Milreis-Münzen, während sie mir Geschichten aus Brasilien erzählte - die von der Vogelspinne in der Küchengardine, die beinahe den Bejaflor - den "Blumenküsser", eine Kolibri-Art - gefressen hätte, der sich darin verfangen hatte, oder die von ihrem Muli, daß die Wäsche von der Leine fraß, während mein Großvater als Seelsorger mit seinem Pferd entlegene Farmen deutscher Siedler besuchte, die ihn mit Ameisenschnaps bewirteten, und bewaffneten Wegelagerern, die ihn ungeschoren weiterreiten ließen, weil er doch ein Pfarrer war...

Nun habe ich wieder Münzen mit Löchern vor mir: dänische Fünf-Kronen-Stücke. Bald sind sie wertlos, aber mich erinnern sie an einen sonnigen Sommertag in Kopenhagen, an das Lachen der Kellnerin in dem Straßencafé, die mir dann am Abend ihre Stadt zeigte, und aus derem Wechselgeld diese gelochten Münzen vielleicht stammen. Diese Erinnerung ist es wert, daß ich eine dieser Münzen behalte, die wieder zurück in die Schale wandert. Noch ein paar gelochte Münze mit arabischen Schriftzeichen – die können ebenso wieder in die Schale zurück wie der kanadische Silberdollar, die US-Münzen, die Schweizer Franken, die tschechischen Kronen, brasilianische Centavos und kroatische Lipas.

Das österreichische Aluminiumgeld spült kurz die Erinnerung an DDR-Geld hoch, und ich werfe es in den Umschlag des Roten Kreuzes, ebenso wie die französischen Franc, bei derem Anblick mir schaudernd arrogante Kellner und die Menschenmassen in Cannes zu den Filmfestspielen einfallen, die ihre Kameras von der Uferpromenade aus ständig über die Tische des Strandrestaurants schwenkten, weil sie glaubten, einen prominenten Schauspieler entdeckt zu haben. Gut, am Nebentisch saß Whoopie Goldberg und ein paar Tische weiter der pockennarbige Polizist aus einem meiner Lieblingsfilme, "Blade Runner", der später der Vorgesetzte von Crocket und Tubs aus "Miami Vice" wurde, und ich wunderte mich, daß die Menschen von weitem starrten und fotografierten, statt sich einfach zu uns zu setzen und eine Flasche Wein zu bestellen. Die Ehre, von Flics escortiert zu werden, erhielt ich dann auch, allerdings nur, weil sie mich nach einer nächtlichen Schlägerei aus der Stadt fuhren, um mich an einer einsamen Landstraße auszusetzen. Sie sprachen kein Englisch und hatten wohl keinen Dolmetscher für das Protokoll, um mich in eine Zelle werfen zu können. Die Nacht war warm, über mir die Sterne, und das Zirpen der Zikaden war durchaus romantisch, aber meine Schuhe waren nicht für das Wandern auf der Landstraße gemacht. Doch irgendwann hielt ein Auto, und der nette Franzose fuhr mich bis zu meinem Hotel, als er hörte, daß ich aus München sei, und schwärmte während der ganzen Fahrt vom Oktoberfest. Cannes, Nizza, Monaco - Rummelplätze für französische Touristen und internationale Jetsetter mit geweiteten Pupillen - keine Orte, an die ich zurückkehren - keine Menschen, die ich wiedersehen möchte. Ich gebe dem Roten Kreuz den Rest!

Ein ägyptisches Pfund blinzelt mich mit seiner Goldeinlage an. Doch Moment... das ist keine Goldeinlage, das ist eine goldene Pailette! Sie stammt von dem Kostüm der Bauchtänzerin aus dem ägytischen Kellerlokal, in dem wir die ersten Europäer zu sein schienen, die jemals dort waren. Zumindest waren wir die einzigen und die Ägypter strahlten uns erstaunt an oder beobachteten uns neugierig. Ich hatte dem Fahrer gesagt, daß er uns dorthin bringen soll, wo es keine Touristen gibt, wo die Ägypter hingehen, und nun genoß er seine Rolle als Führer und Bodyguard, saß zwischen uns, und wir hatten als fremde Gäste den besten Tisch direkt an der Bühne bekommen, auf der üppige Frauen ihre Becken in atemberaubender Beweglichkeit zur Musik zucken ließen. Die Stimmung im Kellergewölbe schien bei jeder der Tänzerinnen vor Begeisterung mehr und mehr zu kochen, und der Fahrer muß sie auch mir angesehen haben, denn er flüsterte mir beim Auftritt einer der Frauen, deren tiefdunklen Augen und wallende schwarze Haare an geheimnisvolle Märchen aus Tausendundeiner Nacht erinnerten, ins Ohr: "Du kannst sie haben! Schau nur, sie sieht nur dich an! Sie will Dich! Folge ihr in die Garderobe!" Der Bodyguard vor der Garderobe ließ mich passieren, nachdem ich ihm - wie mir der Führer empfohlen hatte - einen Schein in die Hand drückte. Darauf, den Rest der Nacht mit ihr zu verbringen, habe ich seufzend verzichtet, nicht weil ich mich wegen dieser einen Nacht erst in einer Moschee zum Moslem machen lassen sollte, was ganz schnell ginge, wie unser Führer versprach, sondern weil ich mir nicht sicher war, ob ich so viel Sinnlichkeit überhaupt verkraften könne. Aber die schweißfeuchte Paillette ihres Kleides, die auf unseren Tisch gefallen war, steckte ich doch ein, und nun klebt sie an dem ägyptischen Pfund, und ich erwische mich, daß ich mit der Münze in der Hand bei dem Gedanken an die Tänzerin und an das, was ich verpaßt habe, lächelnd vor mich hin träume, und nehme mir vor, nachher den ägyptischen Tabak aus dem Kühlschrank zu holen, eine Shisha zu rauchen und eine der Kassetten mit den ägyptischen Hits aufzulegen, die bei unseren Tauchausflügen ständig aus den Lautsprechern des Schiffs dröhnten.

Das italienische Hartgeld hat kaum Wert, aber weckt Erinnerungen an rotweinschwangere Nächte am Meer und im Café "Florian" auf der Piazza di San Marco und wandert zurück in die Schale. Niederländische Gulden, dänische, schwedische und norwegische Kronen, hübsche maltesische Münzen, zehneckig, mit Fischen und Krabben, Münzen in allen Farben und Formen, ein Plastik-Chip der Spielbank von Monte Carlo – Landschaften, Orte und Menschen wandern durch meine Erinnerung...

Ich sortiere und für meine zukünftigen Enkel bleiben noch genügend Münzen übrig, und zu jeder könnte ich ihnen eine Geschichte erzählen, natürlich nur die harmlosen - die von den Rentieren, die sich vor den automatischen Türen des kleinen Supermarkt ganz oben im Norden Schwedens erschreckten, wo Elche die im Nebel versinkenden Landstraßen kreuzen - dem Bären, der abends unsere Mülltonnen inspizierte - den schlafenden Haibabys auf dem Grund des Indischen Ozeans - der alten Mördermuschel, die neben dem Steg auf unvorsichtige Schwimmer lauert - oder wie Scorp beinahe in einer maltesischen Unterwasserhöhe ertrunken wäre.

Am Ende des Sortierens ist die Schale nur noch zur Hälfte und der Rotkreuz-Umschlag zum Platzen gefüllt mit aussortierten Münzen, und ich hoffe, daß viele Menschen daran denken, daß bei ihnen noch Münzen herumliegen, die bald keinen Wert mehr haben, in ihrer Masse aber dem Roten Kreuz ein wenig bei seiner Arbeit zu helfen vermögen.


Geschrieben am: 05. Nov 2001, 06:10   von: Scorp



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