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Übersicht > Medien > Bücher > Buchtitel > D > Der Medicus

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Interessanter Plot, fesselnd geschrieben, etc...

Nachteile:
...vom Ende hät ich mir mehr erwartet





Literarisches Meisterwerk
Bericht wurde 2086 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 3 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Lange Zeit stand das Buch unberührt in meinem Regal...aufgrund des Umfangs konnte ich mich nämlich nicht dazu überwinden es tatsächlich zu lesen. Die Rede ist von Noah Gordons 'Der Medicus', welcher rund 600 Seiten umfasst...ein echter Wälzer also, wie man so schön sagt. Aber letztendlich konnte ich's ja dann doch nicht mit ansehen, dass das gute Stück verstaubt und hab mir halt ein Herz gefasst. Zum Glück, wie ich sagen muss. Denn einmal angefangen zu lesen, fiel es mir doch recht schwer das Buch wieder aus der Hand zu legen...und letztendlich häts können ruhig ein bissel länger sein :)

Ich denke mal 'Der Medicus' dürfte vielen ein Begriff sein, zumal das Buch schon 1987 erschien und Noah Gordon ja ein recht erfolgreicher Autor ist. Ja zugegeben, es stehen noch mehr ungelesene Bücher von ihm bei mir im Regal...doch wird sich das bald ändern, denn mein Interesse an seinen Werken ist fürs erste mal geweckt. Ich werde mich auch nicht mit langen Vorreden über den Autor aufhalten, sondern gleich zum eigentlichen Thema kommen.

Worum geht's überhaupt...?
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Die Geschichte beginnt im Jahr 1021 - ein schicksalsreiches Jahr für den jungen Protagonisten Robert Jeremy Cole. Schauplatz der Handlung ist das mittelalterliche England. Im Alter von neun Jahren verliert Rob seine Mutter, die an den Folgen der Geburt ihres fünften Kindes stirbt. Kurz darauf verstirbt auch sein Vater und Rob wird zum Vollwaisen. In Folge dessen, werden die Kinder Pflegeeltern übergeben und wachsen getrennt voneinander auf. Rob wird von einem Baderchirurgen aufgenommen. Als Lehrling reist er das ganze Jahr über mit dem Bader durchs Land. In dieser Zeit lernt Rob sich seine ihm gegebene Gabe zu Nutzen zu machen...schon früh (beim Tod seiner Mutter und seinem Vater) entdeckte er nämlich, dass er durch das bloße Berühren der Hände von kranken Menschen spüren kann ob der baldige Tod naht. Einige Jahre vergehen und Rob schließt seine Ausbildung ab...als sein Lehrmeister verstirbt zieht er einige Zeit allein als Bader durch das Land. Doch wird ihm schnell klar, dass sein Wissen nicht ausreicht um allen Kranken helfen zu können und so reift langsam der Gedanke in ihm, ein richtiges Medizinstudium abzuschließen...dann würde er nicht mehr als Bader fungieren, sondern den Titel eines Medicus inne haben. Nach einem Zusammentreffen mit dem jüdischen Medicus Benjamin Merlin steht Robs Plan fest: Er will ins ferne Isfahan in Persien reisen um sich dort an der medizinischen Universität, dem Maristan, ausbilden zu lassen. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass er als Europäer dort nicht studieren darf...also beschließt er kurzerhand sich als Jude auszugeben. Ein gefährliches Unterfangen - sollte ihn doch jemand als Christ enttarnen würde das für ihn den Tod bedeuten. So wird aus Robert Jeremy Cole der Jude Jesse Ben Benjamin. Zwei Jahre langt braucht Rob für seine Reise, während dieser Zeit lernt er auch seine zukünftige Frau Mary kennen. Die Reise - im Schutz einer Karawane - verläuft recht abenteuerlich, doch nutzt er sie um die jüdischen Bräuche zu erlernen und ebenfalls um der persischen Sprache (Parsi) mächtig zu werden. Einer der Gründe, warum Rob ausgerechnet in Isfahan studieren will ist, da er dort bei Ibn Sina, dem Arzt aller Ärzte, seine Ausbildung absolvieren wird....

Bis zu diesem Zeitpunkt ist schon fast die Hälfte der Geschichte erzählt. In Persien wird Rob zum Arzt ausgebildet. Er hat endlich Gelegenheit Antworten auf seine zahlreichen Fragen zu finden und seinen Wissensdrang zu stillen. In seinem Studium geht er voll auf und setzt sich sogar über Konventionen hinweg...wie beispielsweise das Öffnen von Leichnamen um die Anatomie der Menschen zu studieren. Dies war natürlich damals streng untersagt und musste im stillen Kämmerchen durchgeführt werden. Jedoch lernt Rob auch die Schattenseiten kennen. Er muss als Arzt gegen die Pest kämpfen und auch das Leben als Jude ist oft beschwerlich. Jahrelang lebt er mit seiner falschen Identität in einer fremden Kultur. Auch Kriege bleiben nicht aus.

Aber natürlich will ich nicht zu sehr ins Detail gehen...

...Kritik
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Da die Handlung im Mittelalter spielt ist auch der Erzählstil daran angepasst, was mir persönlich gut gefällt und mich des öfteren zu Büchern, die in dieser Zeit spielen greifen lässt. Wer beispielsweise 'Die Päpstin' von Donna W. Cross gelesen hat wird wissen was ich meine :) Noah Gordon hat einen sehr ausschmückenden Stil, mit einer gewissenhaften Treue fürs Detail. Diese detaillierte Beschreibungen der Umgebung, Personen, Schauplätze etc. erscheinen zwar manches Mal zu langatmig und ausschweifend, helfen einem aber dennoch sich in die damalige Welt und vor allem in die Gedankenwelt der Personen hineinzuversetzen. Oder die Denkweise der Menschen damals überhaupt zu verstehen. Denn das Mittelalter, als Epoche finde ich zum einen zwar interessant...es ist zum anderen aber auch so gegensätzlich zu unserer heutigen Denkweise - wenn ich das mal so verallgemeinernd sagen darf - das einem doch öfter Begriffe wie 'beschränkt' oder 'borniert' in den Sinn kommen.

Man glaubte nicht nur, dass die Welt eine Scheibe ist, sondern auch, dass sie das Zentrum des Universums ist. Typisches Beispiel für die Selbstüberschätzung an Wichtigkeit der Menschheit oder? Auch Scheiterhaufen blieben da nicht aus; Männer und Frauen wurden aus den lächerlichsten Gründen der Hexerei bezichtigt. Um dies hier mal als Beispiel für die beschränkte Sichtweise der damaligen Zeit zu schildern: Manches mal reichte ein Muttermal aus um nachgesagt zu bekommen, man trage das Zeichen des Satans. Um heraus zu finden, ob ein Mann oder eine Frau nun magische Kräfte besaß, wurde die Person z.B. an ein Kreuz (oder ähnliches) gefesselt, welches man in ein Gewässer warf. Wenn der/die Betreffende es nicht schaffte sich zu befreien, ertrank sie zwar aber der Beweis der Unschuld war erbracht. Schaffte er/sie es doch sich zu befreien (was natürlich nie passierte *g*) galt man als schuldig, was ebenfalls den Tod zur Folge hatte. Wurde man also einmal der Hexerei angeklagt, war dies der sichere Tod. Unschlagbare Logik wie ich finde...

Was natürlich in diesem Zusammenhang interessant ist, ist das man als Medicus bzw. Bader einer ständigen Gefahr ausgesetzt war eben dieses Vergehens beschuldigt zu werden. Einerseits, wenn einem bei der Behandlung ein Mensch starb; andererseits wenn man es schaffte den Menschen zu heilen, mit für die Umwelt 'unerklärlichen' Mitteln. Eine Gradwanderung zwischen der Einbringung des erlangten Wissens und seit Altersher weitergegebenen Weisheiten. Wer 'sicher' leben wollte musste sich in den vorgeschriebenen Grenzen bewegen, was jeglichen Fortschritt unnötig erschwerte. Auch heute ist man neuartigen Dingen gegenüber misstrauisch - vielleicht hat sich soviel doch nicht verändert? Doch wurde eine Grenzüberschreitung vor allem von einer Institution argwöhnisch beäugt: der Kirche.

Dies bringt mich auch zum nächsten Punkt. Denn denkt man ans Mittelalter, kommen einem automatisch auch Begriffe wie Inquisition in den Sinn. Heutzutage wohl kaum vorstellbar, dass die lenkende Kraft ausgerechnet von der Kirche ausgeht. Doch hatte sie damals ungeheuren Einfluss auf die Menschen. Eine Sache, die mich doch des öfteren den Kopf schütteln ließ beim lesen...denn zu diesem Thema fehlt mir absolut der Zugang. Die Menschen richteten ihr gesamtes Leben stark nach religiösen Bräuchen aus...ein Verstoß gegen göttliche Gebote konnte schnell den Tod bedeuten. Durch die Tatsache, dass sich der Protagonist als Jude ausgibt erfährt man unweigerlich auch sehr viel über die jüdischen Bräuche und Vorschriften. Religion und kulturelle Bräuche sind zentrale Themen des Buches und durchaus interessant zu lesen...auch wenn mir oft das Verständnis für die Verhaltensweisen fehlte.

Naja gut, ich will's auch nicht zu sehr dramatisieren, denn letztendlich ist es nur eine fiktive Geschichte, deren Akteure allesamt bis auf Ibn Sina frei erfunden sind. Dennoch beinhaltet die Handlung viel wahres, was die Bräuche, Lebensart oder Denkweise der Menschen angeht. Denn Noah Gordon hat vorher gründlich die damaligen Lebensumstände recherchiert, so dass jede Kleinigkeit, bis hin zu den Kleidungsstücken, authentisch ist...und gerade darum auch glaubhaft erzählt wird.

Was ich aber doch kritisieren möchte ist der Schluss des Buches. Denn hier hatte ich den Eindruck als wollte der Autor nun mal auf die Schnelle endlich zum Ende kommen. Wurde am Anfang noch alles breit geschildert und oft sogar die einzelnen Tage beschrieben, ist der Schluss etwas 'abgehackt' und plötzlich werden Zeitsprünge von ganzen Monaten gemacht. Beispielsweise auch die Hochzeit von Rob und Mary, wird in ein paar Sätzen erwähnt...wo doch religiöse Traditionen sonst so pingelig wiedergegeben wurden. Da die Handlung ja über mehrere Jahre hinweg spielt, wurden natürlich auch schon vorher einige Zeitsprünge gemacht. Doch hier wird mal eben am Rande noch erwähnt, dass die Familie noch'n paar Kinder bekam und endet nach dem Motto: Und-alle-lebten-glücklich-bis...blabla. Was mir natürlich als Trost bleibt, ist dass es zwei Fortsetzungen des Romanes gibt. Welche allerdings von den nächsten Generationen handeln.

Ich finde man hätte schon der anfänglichen Linie treu bleiben können. Entweder alles ausführlich oder eben nicht - aber nicht beides zusammen im selben Buch. Man hätte ja noch einen weiteren Teil schreiben können :)

Fazit
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Mal kurz und bündig: Nichts desto trotz ist das Ende auch der einzige Kritikpunkt den ich anzubringen habe, denn die Handlung und auch die Erzählweise haben mir sehr gut gefallen und mich teilweise auch für mehrere Stunden an das Buch gebunden. Die Geschichte wird fesselnd erzählt und bringt einem die mittelalterliche Welt näher. Noah Gordon ist ein kleines Meisterstück gelungen. Also alles in allem: wirklich lesenswert, wenn auch mit hohem zeitlichen Aufwand verbunden ;)

- ISBN-Nummer: 3-426-02955-3
- Preis: ca. 10 Euro

Merci für's Lesen und Bewerten...

© ChopSuey (10.03.03)



Geschrieben am: 10. Mar 2003, 15:51   von: chopsuey



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