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Übersicht > Medien > Bücher > Buchtitel > S > Stadt des Bösen Clive Barker

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Spannung und sehr gute Ideen

Nachteile:
wenige sprachlich gute Beschreibungen des Gegenständlichen




Horror, Fantasy und Sex
Bericht wurde 1264 mal gelesen Produktbewertung:  gut
Bericht wurde 1 mal kommentiert Berichtbewertung: 

CIAO-Userin pieohpah weckte mein Interesse an Clive Barker durch einen ihrer lesenswerten Berichte. Allerdings sehe ich bei Clive Barker nicht so sehr den Kampf von Gut gegen Böse, dazu wechseln auch zu oft die Fronten. Genug der Vorrede.

*Clive Barker Stadt des Bösen*, besser Everville
(1995 als Taschenbuch im Heyne Verlag München erschienen, bei amazon.de zu 8,95 Euro bestellbar)

Vordergründig geht es um die besondere Geschichte einer erträumten Stadt, wobei Fiktion und Realität ständig wechseln, die Übergänge fließend, ja miteinander verwoben sind, eigentlich aber geht es um das Nutzbarmachen der "Kunst", nach deren Macht bestimmte Wesen, Menschen streben, teils gezielt, teils unbewusst.

Was ist nun die "Kunst", die unabhängig von den geschilderten Einzelschicksalen, auch als Geschichten zu bezeichnen, das Leitmotiv des Romans darstellt?
Im Vorwort, zu Beginn vom Leser nicht zu verstehen, auch später eher zu erahnen, finden wir diese Erklärung:

"Erinnerungen, Träume und Phantasiegespinste - Vergangenheit, Zukunft und der Augenblick des Traumes dazwischen - bilden ein Land, das einen einzigen, unsterblichen Tag lang existiert.
Das zu wissen, ist Weisheit.
Es sich nutzbar zu machen, ist die >Kunst<."

Diese Definition stellt ein mehrfaches Paradoxon dar. Ein Tag ist etwas endliches. Er hat einen Beginn, einen Ablauf und ein Ende mit verschiedenen Stadien. Er kann sich wiederholen. Doch das, was ein Ende hat, kann nicht unsterblich sein. Geburt, Leben, Tod bedingen einander. In der Unsterblichkeit gäbe es keine Erneuerung. Die Formen des Seins blieben ebenfalls konstant. Veränderungen haben einen Beginn und ein Ende.

Jeder Traum braucht einen Träumenden. Selbst Träume unterliegen Gesetzmäßigkeiten. Doch genug dieser Gedankengänge.

Das Typische dieses Fantasieromans ist eben gerade die Aufhebung aller Gesetzmäßigkeiten, die Aufhebung von Seinsgrenzen, die Erschaffung vieler Paradoxa, welche im Grunde genommen jede Sicherheit, jeden Abschluss in Frage stellt, da kein Ereignis je als endgültig angenommen werden kann.

Die Übersetzung oder der Druck des Romans ist zudem an einigen Stellen merkbar falsch.
Im Grunde genommen kann man nicht vom Kampf des Guten gegen das Böse sprechen.
Es werden verschiedene Wesen im Kampf miteinander geschildert, wobei diese oft selbst nicht mehr wissen, warum sie miteinander kämpfen. Häufig geht es um die Erlangung von Macht oder die Erlangung einer "höheren" Existenzform.

Es ist daher recht schwierig, den roten Leitfaden des Handlungsablaufes wiederzugeben.
Eine, vielleicht die wichtigste Kernlinie möchte ich darstellen.

Im Frühjahr 1848 zieht ein Treck von Independence, Missouri nach Westen, unter ihnen Harmon O´Connell mit seiner 12jährigen Tochter Maeve. Owen Buddenbaum hat diesem Mann den Traum der Erschaffung einer Stadt eingepflanzt, wobei er bei Gelingen der Verwirklichung dieses Traumes ein besonderes Amulettkreuz an der Hauptkreuzung vergraben lässt, welches im Laufe der nächsten Jahrzehnte Energie/Macht ansammelt, die er ca. 150 Jahre später nutzen will.

Harmon O´Connell wird zwar erschossen, doch seine Tochter, die ein Wesen aus einer anderen Welt heiratet, schafft es Everville zu verwirklichen.
Sie, ihr Mann und ihr Sohn werden in einer Art Lynchjustiz erhängt. Doch sie überlebt. Im Glauben, dass ihr Sohn tot und von Wölfen gefressen sei, wechselt sie in die Parallelwelt, wo sie durchaus erfolgreich wieder ein Bordell leitet.

Ihr Mann geistert als Toter wie andere tote Seelenwesen weiter durch Everville. Ihr Sohn Kissoon, der ebenfalls überlebte und Vater und Mutter tot wähnte, führt einen Rache- und Vernichtungszug gegen die "Sapas humana".
Während der jährlichen Gründungsfeier in Everville kommt es zu den entscheidenden "Duellen".
Mehr will ich vom doch recht komplexen Handlungsstrang nicht vorwegnehmen.

Verpackt in diesen traumatischen Machtkampf phantasievoller Wesen sind romantische Liebesgeschichten garniert mit der Beschreibung derb-sinnlichen Sexszenen.

Meine persönliche Bewertung:

Spannung kann man diesem 779 Seiten langen Fantasie- und Horrorroman nicht absprechen.
Logik darf man nicht erwarten, dafür gibt es außer der Durchbrechung bzw. Aufhebung vieler physikalischer Gesetze zum Teil fast psychedelische Beschreibungen verschiedener Empfindungen.

Von der Sprache her bleibt die Ausleuchtung der Charaktere der Helden und Opfer eher oberflächlich. Sie werden vorrangig durch ihre Reden und Handlungen halbwegs vorstellbar.
Mit Stephen Kings stufen weiser Entwicklung der Persönlichkeit seiner Haupt- und Nebenpersonen kann hier Clive Barker in keiner Weise konkurrieren.

Gegenständliche Beschreibungen, z.B. von Häusern, Einrichtungen, Naturumgebung etc. sind aus meiner Sicht leider auch nur sehr schwach ausgeprägt.
Die Stärke liegt im Action- und Ideenreichtum unerwarteter Abläufe.

Daher, so sehr ich auch die phantastische Reise von der Spannung her genossen habe, jetzt brauche ich zur sprachlichen Erholung einfach wieder etwas echt Literarisches.
Trotzdem würde ich diesen Roman von Spannung und Fantasie her durchaus noch empfehlen.

Er liest sich nämlich andererseits durch die einfachere Sprache recht schnell.
Also, viel Spaß und gute Nerven auf der Reise nach Everville, der ewigen Ortschaft, oder ist die gezählte Einwohnerschaft von 7304 Köpfen wirklich den Namen Stadt wert?


Geschrieben am: 31. Jan 2003, 23:35   von: Volker111



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