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Übersicht > Reisen > Urlaubsziele > Türkei

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Körperliche Freuden aus 1001-Nacht. Körperliche "Qualen" werden zu körperlichen "Freuden".

Nachteile:
Nur in der Türkei richtig zu genießen.




HAMAM - Das Leben kann soooooo schön sein.
Bericht wurde 1748 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 


Einige meiner Leser/Freunde wissen, dass ich vor ca. 4 Wochen auf einer Geschäftsreise in Marokko war.
Per Zufall haben wir - mitten in Casablanca - über unsere einheimischen, marokkanischen Geschäftsfreunde ein „Hamam“ entdeckt und genossen. Eigentlich sollte dieser Bericht also irgendwo unter der Kategorie „Marokko“ stehen, was ich allerdings hiermit nicht tue, sondern die nachfolgende Schilderung dorthin stelle, wo sie in Wirklichkeit auch hingehört: zur Türkei.

„Unser“ Hamam in Casablanca wurde naturgemäß wie selbstverständlich von einem Türken betrieben - wer soll´s denn auch besser können, als die Altmeister der echten Körperfreuden?!

Was ist nun ein „Hamam“?

Türkeikenner wissen, dass es sich hierbei um ein „Türkisches Bad“ handelt.
„Hamam-Genießer“ allerdings können viel viel mehr über diese Vergnügungsstätte türkischer Kultur erzählen.

Ich bin ein Genießer ........ und erzählen kann ich auch.

In der frühen türkisch/osmanischen Geschichte diente der Hamam der körperlichen Reinigung. Nichts mehr und nichts weniger. Doch wer die Türken kennt, weiß, dass Orte, an denen sich mindestens 2 Türken treffen, automatisch zu Orten der Begegnung und Zusammenkunft werden. Bereits türkische Kauf- und Geschäftsleute haben gewusst, wie man sich von strapaziösen Reisen erholt und wo der richtige Platz für geschäftliche Besprechungen ist: im Hamam. Auch der private Alltagstratsch wurde im Hamam genauso breitgetragen, wie die wichtigsten kommunalen und gesellschaftspolitischen Gegebenheiten des alltäglichen Zusammenlebens.

Wer einmal in einem solchen Türkischen Bad war, wird immer wieder kommen, sofern ihm die Möglichkeit dazu geboten wird. Die reinigende Kraft des Wassers, die heilende und erholsame Wirkung von Marmor, Duftkräutern, Ölen und den geschickten Händen des Hamam-Meisters, des Tellak, machen einen Aufenthalt im Hamam unvergesslich.

Diese Tradition türkischer Badekultur reicht über 4.000 Jahre zurück und hat seinen Ursprung in Mittelanatolien und in Istanbul.
Heute hat diese Kultur bereits Europa erreicht und wird auch hier in kommerzialisierter Form angewandt. Doch keiner der geschäftstüchtigen „Nachmacher“ hierzulande erreicht auch nur annähernd den Flair eines dieser Badeerlebnisse im Land seiner Väter.

***********************


Erlebt in Casablanca, am 13.09.2001, genauso könnte es passieren in einem x-beliebigen Stadtteil von Istanbul/Izmir/Ankara/Trapzon und vielen anderen türkischen Groß-, Mittel- und Kleinstädten, ja sogar auf manchen Dörfern im weiten Land:

Gemeinsam mit unseren marokkanischen Freunden betraten wir einen schmutzigen, heruntergekommenen Hinterhof.
Normalerweise würde ich mich dort noch nicht einmal am hellen Tag und bis an die Zähne bewaffnet hintrauen. Es sah fürchterlich schmutzig und düster aus.

Doch das Vertrauen zu unseren Begleitern war nahezu grenzenlos und so durften wir erleben, wie sich diese Welt des Schmutzes, der Hektik und des Verfalls schlagartig änderte:

Wir öffneten eine unscheinbare Türe auf der in noch kaum erkennbaren Buchstaben stand: „Hamam“.
Wir gingen eine enge Steintreppe hinunter, wobei an den gefliesten Wänden und dem Duft, der uns entgegenstieg, bereits zu erahnen war, wo wir hinkommen sollten. Es duftete bereits beim Abstieg leicht nach Eukalyptus, die Luft war bereits feuchtigkeitsgeschwängert. Nach ca. 100 (!) Stufen - wir mussten also tief unten unter der Oberfläche sein - betraten wir durch eine massive Steintüre eine andere Welt.

Es handelte sich um einen hohen Raum, der ringsherum mit einer Galerie versehen war, von welcher aus kleine Kämmerchen zu erahnen waren. Über den schmalen Gang dieser Galerie konnte man viele Türen sehen, durch deren Glasscheiben ein leichter Lichtschein zu erkennen war. Wie wir später erfuhren durften, handelte es sich hierbei um die Ruheräume der Badegäste.

An verschiedenen Tischen des „Empfangsraumes“ saßen einzelne Personen, die genüsslich ihren Tee schlürften und auf Gäste warteten: die hier beschäftigten Bademeister und Helfer.
Wir traten an einen Tisch heran und äußerten unsere Wünsche, wobei wir uns ganz auf die Erfahrungen unserer Begleiter verließen. Diese bestellten ........ das volle Programm.

Wir mussten zunächst unsere Schuhe ausziehen und erhielten als Ersatz dafür Holzlatschen. Dann wurden wir in unsere Kammer (auf der Galerie) geführt, um uns für das Bad vorzubereiten. Dort lagen bereits 3 große Badetücher bereit, von denen wir, nachdem wir uns unserer Kleidung entledigt hatten, eines um den Körper wickelten und wieder nach unten gingen.

Dann wurden wir in das eigentliche Bad geführt und mein/unser Erstaunen war riesengroß: wo kam plötzlich dieser domähnliche Raum her? Der achteckige Hauptbaderaum war im Durchmesser ca. 10 m breit; die senkrechten Wände waren gefliest, wobei die Wände in einer Glassteinkuppel endeten. Wäre die Kuppel außen nicht so dreckig gewesen, hätte man die Sterne gesehen - einfach phantastisch. An den Wänden des Baderaumes waren in gleichmäßigem Abstand 8 Kupferkessel angebracht, die ständig mit frischem Wasser befüllt wurden. In jedem dieser Kessel war das Wasser anders temperiert, so dass man sich das für sich angenehmste Wasser heraussuchen konnte. Im Zentrum des Raumes dominierte allerdings der „Göbektasi“, eine riesige Marmorplatte, die von unten geheizt wurde. Der Stein ist so heiß, dass man ein paar Augenblicke benötigt, um sich an die Temperatur zu gewöhnen. Liegt man aber einmal darauf - völlig nackt - glaubt man sich wie in Abrahams Schoß (oder wie bei Muttern zu Hause). Um „leichter“ auf den Stein zu kommen, sollte man sich vorher mit Wassergüssen allmählich der Steintemperatur annähern.
Im Raum herrschte eine konstante Temperatur von ca. 45 ° C. Die Raumluft ist sehr feucht und daher für die Atemwege viel erträglicher und angenehmer wie die bei uns bekannte finnische Sauna.

Nach einer ausgedehnten Ruhephase auf dem „heißen“ Stein tritt der Bademeister in Aktion:
Der Körper wird von oben bis unten eingeseift und regelrecht unter einer Schaumdecke begraben. Der Bademeister dringt dabei in alle - ich sage ausdrücklich ALLE - Poren und Ritzen des Körpers vor. Nach einer kurzen Einwirkzeit wird der Körper geschrubbt und gerubbelt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Man glaubt, die Haut löse sich in Fetzen. Doch keine Bange: dadurch sollen nur die Poren gründlich gereinigt werden. Der Meister zieht hierzu einen Handschuh über, der in der Handfläche angerauht ist, etwa zu vergleichen mit einem feinen Schmirgelpapier.
Nach reichlichen anschließenden Heißwassergüssen, die der Bademeister über einen ablässt und einer kurzen darauffolgenden Ruhepause auf dem Stein, folgt die eigentliche „Behandlung“ auf dem Göbektasi:
Man wird durchgewalkt, geknetet, verrenkt, verbogen, gedehnt, gestreckt, geschlagen (leicht), massiert - und dabei bleibt kein Körperteil ausgespart - bis die Knochen richtig knacken ..... das alles nennt sich Massage. Der Bademeister setzt sich hierbei voll ein. Er arbeitet mit Händen, Füßen, Ellbogen und mit seinem ganzen Körpergewicht. Danach kennt man jeden einzelnen seiner Knochen, Muskeln, Sehnen, aber auch seine Fettpolster und Problemzonen höchst persönlich.
Nach weiteren Wassergüssen hüllt man sich in sein Badetuch und relaxt eine Weile auf dem Stein.

Ich muss gestehen, ich habe die Zeit hierbei vergessen.
Nachdem ich nach der eingeschlagenen Ruhepause wieder einigermaßen zu mir kam und meinen Körper begutachtete, stellte ich fest, dass ich nicht mehr der alte war. Meine Haut war wie die meiner Söhne im Babyalter: leicht gerötet aber zart wie ein Kinderpopo. Aufgrund der teilweise brachial aufgelockerten Muskeln und Knochen meines Körpers fühlte ich mich um zig Kilo leichter. Beim Gehen schien ich zu schweben. Selbst all das, was noch so an mir hinunterlief, egal ob nun Schweiß oder kondensiertes Wasser, roch äußerst angenehm nach den an mir angewandten teilweise geheimen Komponenten und Tinkturen der überlieferten Bade- und Heilkunst türkischer Abstammung. Kurz: Ich fühlte mich wie neu geboren. Das Verblüffendste allerdings war: auch mein Geist, meine Gedanken und meine gesamte Lebenseinstellung hatte sich nach dieser Badeprozedur erholt. Ich vergaß für kurze Zeit Raum und Zeit und fühlte mich einfach nur wohl.

Nach einer kurzen Dusche - und nach ca. 3 Stunden Aufenthalt - schwebten wir mit unseren Holzgaloschen in Richtung „Sogukluk“, dem anfangs genannten kleinen Ruheraum oben auf der Galerie. Eingewickelt in die restlichen Badetücher schlummerten wir in angenehme Gedanken vertieft der harten Wirklichkeit entgegen.

Ein Glas frisch aufgebrühter Pfefferminztee weckte den wohlig müden Geist und führte mich langsam in die Realität zurück.

Der Hamam klärt den Geist. Stimmt!
Der Aufenthalt in einem Hamam dient der vollkommenen Reinigung von Körper und Geist. Stimmt!
Körper und Seele werden wieder in Einklang gebracht. Stimmt!

Die Stille und die angenehme Atomsphäre des Hamam sind dabei sehr wichtig, damit man sich richtig fallen lassen und der totalen Entspannung hingeben kann.

Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Leider findet man hier bei uns nicht immer den richtigen Ort mit diesem ureigensten türkischen Flair.
Wer sich allerdings einmal in der Türkei aufhält und dabei die Möglichkeit erhält, sich mit einem Einheimischen diesen Spaß zu gönnen, der sollte unbedingt zuschlagen. Sein Körper wird es ihm danken. Und seine Erinnerungen an dieses wohltuende Erlebnis werden niemals vergehen.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Aufenthalt im Hamam.


Euer: K.B.

02.11.2001



Geschrieben am: 02. Nov 2001, 19:03   von: gfbeck



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