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Übersicht > Offene Kategorie > A-Z > Alles mit G...

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
Verbrecher können weggesperrt werden

Nachteile:
unfreundliche Behandlung, Schikanen




G wie Gefängnis - Unfreundlichkeit ist Pflicht
Bericht wurde 1538 mal gelesen Produktbewertung:  mangelhaft
Bericht wurde 1 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Vorgeschichte:

Vor ca. einem halben Jahr fragte mich ein Bekannter, ob ich Lust hätte, bei einem Preis-Skat-Turnier im Knast teilnzunehmen. Dieses Turnier wurde von einer hiesigen Bank veranstaltet und die Teilnehmer waren 8 Banker, 8 Leute vom Gericht, 8 Gefängniswärter (im nachfolgenden Text "Wachteln" genannt und 8 Knackis.

Das Heilbronner Gefängnis ist ein sogenannter Langzeitknast, und als ich von meinen Kindern gefragt wurde, ob da wo ich hingehen würde, nur Verbrecher wären, antwortete ich ihnen: "Da sitzt keiner, der es nicht verdient hätte!"

Ich war natürlich wahnsinnig aufgeregt, zumal ich wusste, dass ich die einzige Frau sein würde und auch ansonsten die Situation ja nicht ganz alltäglich war. Aber da ich nach dem Motto lebe: "Man muss alles mal mitgemacht haben", war ich natürlich auch sehr interessiert, was mich so alles erwarten würde.

Zuerst mussten wir alle, die von aussen kamen, durch eine Metalldetektor-Schranke und marschierten danach über den Gefängnishof zur Turnhalle. Dort wurden wir von den Knackis per Handschlag begrüßt und mit Kaffee und Brezeln bewirtet. Wie nervös ich war, merkte ich daran, dass ich meinen Bekannten bitten musste, mir meine Tasse zum Tisch zu tragen, weil ich sonst alles verschüttet hätte.

Der Spielmodus war Folgender: Es gab 8 Tische, an dem je ein Banker, ein Richter, eine Wachtel und ein Knacki saßen. Zuvor wurden die Plätze ausgelost und ich hatte gleich Schwierigkeiten, meinen Tisch zu finden. Ein netter Mann, den ich nur der Kleidung nach als Knacki identifizieren konnte (alle trugen Jogging-Hosen, Turnschuhe und T-Shirts, also keine schwarz-weiß gestreiften Anzüge oder unifarbene Arbeits-Overalls), wies mir meinen Platz zu, er spielte übrigens am gleichen Tisch.

Mit diesem Mann kam ich dann auch in den Pausen ins Gespräch, bzw. ich redete und versuchte ihm mehr oder weniger die Worte aus der Nase zu ziehen. Nicht, dass ich ihn jetzt ausgequetscht hätte, aber mir war zuvor schon aufgefallen, dass alle 8 Spieler und auch diejenigen, die uns bewirteten, sehr leise und diszipliniert waren, ja geradezu einen eingeschüchterten Eindruck machten.

Um diese fast überlange, aber nötige Vorgeschichte abzukürzen: Obwohl die Plätze zur zweiten Runde neu ausgelost wurden, traf ich mich in den Zigaretten-Pausen weiterhin mit dem Knacki von der ersten Runde und wir beschlossen, einander zu schreiben.
Nach zwei, drei Briefen, versprach ich, ihn zu besuchen.

Und hier begann ein regelrechter Alptraum:

Man wird in diesem Gefängnis als normaler Besucher behandelt wie der letzte Mensch.

Damit jetzt keine falschen Vermutungen aufkommen: Es ist mir wirklich klar, dass man in einer solchen Anstalt Regeln aufstellen und dafür sorgen muss, dass diese eingehalten werden. Ohne geht´s nicht. Trotzdem kommt es auf die Art und Weise an, wie diese Regeln umgesetzt werden.

Schon der Portier, der mir meinen Personalausweis abnahm und mir dafür einen Spindschlüssel für Schmuck und Wertsachen sowie einen Besucherausweis gab, lies mich erst mal eine Weile gegen die schalldichte Scheibe reden, bevor er sich bequemte, einen Hörer abzunehmen und damit die Sprechanlage zu aktivieren.
Es war fast unmöglich, Schlüssel und Ausweis in der Zeit aus dem Fach zu nehmen, in der er den Türöffner bediente.
Danach wurde ich nicht nur wieder durch den Metall-Detektor geschickt, sondern auch von einer weiblichen Beamtin abgetastet. Akzeptiert. Aber die Art und Weise, wie mit mir gesprochen wurde, wie ich angeschaut wurde und wie man mich insgesamt behandelte, war unter aller Würde. Unfreundlicher geht´s nicht.

Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich nichts, aber absolut gar nichts mit in den Besucherraum nehmen dürfte ausser 12 DM in Münzgeld, mit denen ich an total überteuerten Süßigkeiten- und Tabak-Automaten für den Gefangenen etwas rauslassen könne. Alles andere wäre Schmuggel.

Ziemlich eingeschüchtert ging ich zu meinem Platz, im Besucherraum herrschte schon babylonisches Sprachengewirr und ein Beamter auf einem Hocker hinter einer Glasscheibe schaute streng, ob ich auch keine Feile aus meiner Backentasche zaubern würde.

Während meines Besuches erfuhr ich einiges über den Gefängnisalltag und über das Machtgehabe des Großteils der Wachteln, die mit allen möglichen unangemessenen Schikanen ihr mangelndes Selbstbewusstsein aufzumöbeln versuchten. Zum Ende der Besuchszeit schlappte der Beamte einfach in die Mitte des Raumes, rasselte mit seinem Schlüsselbund und verkündete: "Die Besuchszeit ist zu Ende!". Ohne Rücksicht auf weinende Kinder und Ehefrauen wurden die Knackis in die eine, die Besucher in die andere Richtung "getrieben".
Die Gefangenen werden nach jedem Besuch untersucht, ob nicht doch jemand einen - nicht am Gefängnis-Automat erworbenen - Kaugummi o.ä. zugesteckt bekommen hat.

In den folgenden Wochen erlebte ich immer wieder Beamten-Willkür in oft absurder Form. Bei jedem Besuch, der vereinbart wurde, war es oft Ungewissheit bis zur letzten Minute, ob er auch wahrgenommen werden kann.

Derjenige, den ich besuchte und ich waren uns einig darin, dass wenn ein Unternehmen der freien Wirtschaft dermaßen unflexibel und dessen Mitarbeiter so schlecht gelaunt und unmotiviert wären, dieses schon längst Pleite gegangen wäre.

Einige Beamte taten auch, nachdem ich sie schon x-Mal gegrüßt hatte, so, als ob sie mich noch nie gesehen hätten. Um nicht ungerecht zu sein: Es gab auch zwei, drei Ausnahmen, die mit den Gefangenen und ihren Besuchern einen ordentlichen, wenn nicht gar netten Umgangston hatten. Dies bewies mir, dass auch die Möglichkeit besteht, Disziplin, Autorität und Ordnung zu wahren, ohne dass Insassen und Besucher behandelt werden, als wären sie wilde Tiere und lästige Insekten.

Abschluss:

Einige werden jetzt argumentieren, dass im Gefängnis schließlich Verbrecher sitzen und diese nicht mit Samthandschuhen angefasst werden müssten. Auch ich bin weiterhin dieser Meinung. Trotzdem wird hier der Grundgesetz-Artikel "Die Würde des Menschen ist unantastbar" bis zum Äußersten eingegrenzt und jedem Wachtel würde es gut zu Gesicht stehen, wenn er nicht alle Gefangenen und Besucher über einen Kamm scheren, sondern Freundlichkeit mit ebensolcher begegnen würde.


Geschrieben am: 27. Sep 2001, 18:18   von: Mary01hn



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