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Übersicht > Medien > Bücher

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
die geschichte, der schöne einband

Nachteile:
nichts, überhaupt nichts!




ein Meisterwerk der französischen Literatur!!!!!
Bericht wurde 3914 mal gelesen Produktbewertung:  sehr gut
Bericht wurde 0 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Gründe zum Lesen
In meiner Lieblingszeitschrift "ELLE" gibt es auf den letzten 4 Seiten immer einen Kulturguide mit Tipps zu neuen Kunstausstellungen, neuen CDs, Kinofilmen und Büchern. So wurde letztes Jahr, ich glaube es war in der Juniausgabe, das Buch "Victorine" von Catherine Texier vorgestellt. Die Geschichte einer Frau, die für ihre Jugendliebe ihre Familie verließ, um mit ihm nach Indochine zu gehen, sprach mich sofort an. Und war packend aber der ersten Minute - eine bittersüße, herzzerreissende, sinnliche Liebesgeschichte voll zarter Melancholie.

Die Geschichte an sich
Catherine Texiers Großmutter war Ende des 20. Jh. für ein Jahr verschwunden. Sie hat nie erfahren warum, denn es war ein streng gehütetes Familiengeheimnis. Aus einigen wenigen historischen Fakten (Jahreszahlen ihrer Abreise und Heimkehr) schrieb die Texier einen wunderbaren, feinsinnigen Roman und eine großartige Liebesgeschichte, die ich auch teils mit Klassikern wie "Madame Bovary" vergleichen würde. Bei beiden Büchern geht es um Ehebruch, um den Ausbruch aus zu engen gesellschaftlichen Zwängen und von der Befreiung. Aber nun zum Roman selbst: Victorine ist als 16 jährige eine der jüngsten Lehrerinnen Frankreichs und erkennt in ihrem späteren Ehegatten Armand Texier einen guten Weggefährten, der sie liebt und umsorgt, trotz gelegentlicher Seitensprünge, die sie ihm verzeiht. Doch als ihre Kinder Madeleine und David geboren werden wird die Beziehung zwischen ihnen zunehmend kälter bis sie gänzlich einfriert. Zwischen ehelichen und gesellschaftlichen Pflichten, der abgelegenen Gegend und verlöschender Liebe verkümmert Victorine mehr und mehr. Bis ihre Jugendliebe Antoine in den Ort zurückkehrt und in ihr wieder Leben entfacht. Langsam bäumt sie sich gegen Widrigkeiten auf und lebt mit Antoine ihre Sehnsüchte und Träume aus. Eines Tages bittet er sie, ihn nach Indochina, der „edelsten aller Perlen in der Krone der französischen Kolonien“, und sie sagt ja. Ein Jahr sind sie unterwegs, doch Victorines Schuldgefühle werden immer größer ,bis sie eine schwerwiegende Entscheidung fällt.

zur Autorin
Catherine Texier ist gebürtige Französin und lebt seit mehreren Jahren in New York. Sie hat bisher vier Romane veröffentlicht ("Chloé l'Atlantique", "Love Me Tender", "Panic Blood", "Victorine") außerdem ein Buch über die letzten Jahre ihrer Ehe ("Breakup"). Sie war Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift "Between C & D". Die Autorin schreibt regelmäßig für "New York Times", "Newsday", "ELLE", "Harper's Bazaar", "Cosmopolitan", "Marie Claire" und "Nerve.com". Sie war zweimal Stipendiatin der "New York Foundation for the Arts" und wurde mit den "National Endowment for the Arts Award" ausgezeichnet. Ihre Werke wurden in zehn Sprachen übersetzt. Im Dezember 2004 erhielt sie für "Victorine" den Preis "Elles Lettres" des amerikanischen "ELLE Magazine" für das beste Buch 2004.

formale Details der Ausgabe
# Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
# Verlag: Luchterhand Literaturverlag (Februar 2005)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3630871801
# ISBN-13: 978-3630871806

Textauszug
8. September 1940
11: 15 Uhr
Die Zeit reicht kaum mehr, um an den Strand zu gehen, bevor Maurice sie zum Lunch abholt, aber sie möchte es nicht versäumen, ein letztes Mal den Ozean zu sehen. Der Regen, der drei Tage lang in Strömen gefallen ist, hat endlich aufgehört und den Himmel tiefblau und makellos rein gewaschen. Sie eilt durch das ebenerdige Haus, das jetzt, nachdem fast alle Möbel weggebracht worden sind, unpersönlich wirkt, schiebt eine zusammengelegte Decke in ihre handgewebte Tasche und zieht Gummigaloschen über ihre weichen wollenen Hausschuhe; der Sand könnte noch feucht sein.
Der alte Überseekoffer steht mitten im leeren Salon, wo die Packer ihn abgestellt haben, nachdem sie ihn tags zuvor aus dem Keller heraufgeholt hatten. Der Koffer ist kleiner, als sie ihn in Erinnerung hat, das Leder abgewetzt und zerkratzt vom jahrelangen Gebrauch. Sie fährt mit einem Finger durch die Staubschicht. Vierzig Jahre ist es her.
Sie hat Mühe, die Schnappschlösser aufzudrücken. Ein schwerer Geruch hängt in den alten Kleidern: Sandelholz. Ihre Hände tasten an einer Innenseite des Koffers entlang, dann an der anderen. Sie weiß noch, daß sie das Tagebuch nachträglich in aller Eile hineingesteckt hat. Sie zieht ein Exemplar von Madame Chrysantheme heraus, einem Roman von Pierre Loti, dann einen Katalog von der Weltausstellung 1900. Auch den muß sie später in den Koffer gesteckt haben. Ob sie das Tagebuch doch anderswo verstaut hat? Sie entdeckt noch ein paar Bücher, ein Fotoalbum mit rotem Kunstledereinband, ein in blaues marokkanisches Leder gebundenes Geschäftsbuch, in dem verschiedene Artikel aufgelistet sind: weiße Taschentücher, Kopfkissenbezüge, Tischdecken mit Plattstickerei und Valenciennesspitze, jeweils mit Preisangaben in Piastern. Schließlich ertastet ihre Hand einen rechteckigen Gegenstand am Boden des Koffers. Sie zieht ihn heraus. Ja, es ist das braune Schulheft. Es riecht feucht und nach Rauch. Ohne es aufzuschlagen, schiebt sie es in ihre Tasche und geht rasch aus dem Haus. Wie Girlanden schmücken Wassertropfen das Gitter, das sich unter dem Dach des eingeschossigen Hauses entlangzieht. Sie bemerkt, daß die Stockrosen im Garten, die im Lauf des Sommers hoch und wild gewachsen sind, zu hellem Lavendel und wäßrigem Rosa verblassen, als hätte der spätsommerliche Regen ihre Farbe ausgewaschen.
Ihre Gelenke sind von Arthritis geschwollen, die Finger an den Knöcheln leicht verbogen. Sie trägt ihre große, handgewebte Tasche am Handgriff. Über das Kleid hat sie sich eine Schürze gebunden, als wollte sie in den Garten hinter dem Haus gehen, um fürs Abendessen einen Kopf Salat oder einen Strunk Mangold zu pflücken, und darüber trägt sie eine Strickjacke; am Meer ist es kühl. Das Kleid ist marineblau und mit winzig kleinen Vögeln oder Windmühlen bedruckt. Die Wolljacke ist selbstgestrickt, braunrot oder violett oder schlicht grau. Ihre Beine stecken in dicken, weißen Baumwollstrümpfen. An den Füßen trägt sie Hausschuhe mit weichen Sohlen und grauen Quasten und Überschuhe aus Gummi.
Die Boote liegen schief wie beschwipst, pastellfarbene Kleckse in der Morgensonne, ihre Masten wippen schräg über dem nassen Sand. Genauso wie an jenem Tag, als er in seinem weiten, schwarzen Überzieher auf sie zugekommen war, den Hut vor der Brust, und sich verbeugte. Als junge Ehefrau, noch vor Daniels Geburt, war sie mit Armand nach Paris gefahren, und sie hatten eine Gemäldeausstellung besucht, über die alle Welt sprach. Die Leinwände waren mit winzigen Farbklecksen bedeckt, die verschwammen, wenn man näher hinging. Trat man jedoch einen Schritt zurück, erwachte die Szene vibrierend zum Leben. Die Leute sagten, die Bilder seien hingeschludert, keine richtige Kunst, sie seien beeinflußt von den neumodischen Daguerreotypien, und doch erinnert sie der Strand an diesem Spätvormittag, getüpfelt mit den Rümpfen der Boote, gesprenkelt mit den huschenden Schatten hoher, windgetriebener Wolken, an diese Gemälde.
Sie breitet die Decke am Fuß der Dünen aus, setzt sich hin, zieht ihre Überschuhe aus und holt das Schulheft aus der Tasche. Vierzig Jahre, denkt sie wieder. Vierzig Jahre lang hat sie es nicht gesehen, ja nicht einmal den Koffer aufgemacht. Er war bei all ihren Umzügen verschlossen geblieben, von Velluire nach Maillezais, von Maillezais nach Le Gue de Velluire, von Le Gue de Velluire in die Villa Saint-Claude, hier in La Faute.
Sie erinnert sich, daß der braune Pappeinband ursprünglich mit geprägten Arabesken im maurischen Stil verziert war, wohl damit er so aussah wie marokkanisches Leder. Sie schlägt das Schulheft auf. Ein paar Briefe und vergilbte Zeitungsausschnitte rutschen heraus und fallen in ihren Schoß. Einige Seiten kleben zusammen. Sorgfältig, um sie nicht zu zerreißen, löst sie sie voneinander. Die hellblauen Linien sind kaum mehr zu erkennen, und die ursprünglich violette oder blaue Tinte ist zu hellem Umbra verblaßt.

Fazit: Lesen!


Geschrieben am: 16. Feb 2007, 21:03   von: scarlettrose



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