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Übersicht > Reisen > Deutsche Bahn

    >> Vor- und Nachteile / Bewertung
Vorteile:
dort arbeiten wirklich auch menschen

Nachteile:
es klappt halt nicht immer alles




Die Bahn kommt ... :-)
Bericht wurde 2433 mal gelesen Produktbewertung:  gut
Bericht wurde 3 mal kommentiert Berichtbewertung: 

Die Bahn kommt ...

Nein, das wird keine Geschichte über die Unzuverlässigkeit dieses bequemen Verkehrsmittels, obwohl sie ohne dieselbe nicht geschrieben worden wäre. Es ist eher eine Geschichte über die Situationen und die Menschen auf die man bei einer Bahnreise so antrifft.

Es geschah zu der Zeit vor vielen Jahren im November, vor der grossen Fahrpreisreform, als es noch ein Guten-Abend-Ticket gab und meine Tante in Thüringen wieder einmal ein Schwein schlachten wollte. Da meine Eltern zur Zeit dort zu Besuch waren und ich mir dieses Schlachtfest nicht entgehen lassen wollte, dachte ich mir, dass es ein gute Idee wäre, mit dem Zug zu fahren und meine Eltern dann mit Ihrem Auto nach Hause zu chauffieren.

Preisbewusst wollte ich also mit dem guten-Abend-Ticket für damals noch 49 DM die Reise antreten. Es galt von 19.00 bis 1.00 auf allen Strecken und in allen Zügen.
Gedacht - getan, angerufen ein Ticket von Bochum nach Weimar incl. Platzreservierung zur Abholung gebucht..
Also liess ich mich von meiner Frau von Essen nach Bochum bringen, um dort dann um 19.07 Uhr den Intercity nach Dortmund zu erreichen. Im dortigen Reisezentrum musste ich dann feststellen, dass das Ticket nicht nach Weimar, sondern nur nach Leipzig ausgestellt war.

Kein Problem, dann wird eben ein neues Ticket ausgestellt.
Die Uhr tickte weiter und rückte unaufhaltsam auf 19.00 vor - Kein Problem, meinte man auf meinen freundlichen Hinweis, dass die Zeit knapp würde.

19.07 erreiche ich dann doch etwas nervös und verschwitzt den Bahnsteig - Kein Zug zu sehen.
Uiuiui - das fängt ja gut an, dachte ich mir und fragte einen Bahnbeamten, was denn los wäre.
Mit dem Zug wäre nicht vor einer Stunde zu rechnen, erfuhr ich dann und auch darauf könnte man sich nicht verlassen, er hätte ein technisches Problem gehabt.
Um meinen Intercity-Anschluss in Dortmund zu erreichen, sollte ich den nächsten Regional-Express nehmen. Das Problem sei bekannt und der Intercity würde in Dortmund warten.

Inzwischen meldeten sich schon der ein oder andere Fahrgast etwas entrüstet ebenfalls bei dem Bahnbeamten und dieser nette Mann tat mir, ehrlich gesagt, schon ein wenig leid, denn das, was er da so alles zu hören bekam, war - vorsichtig ausgedrückt - nicht besonders nett.

Während der Wartezeit erfuhr ich dann - unterbrochen von Nachfragen weiterer verärgerter Fahrgäste - das eine oder andere über das Schienennetz im Ruhrgebiet, dessen Überlastung, die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Fahrplanverschiebungen.

Mit einer Verspätung von 25 Minuten erreichte ich dann mit dem empfohlenen Regional-Express Dortmund Hauptbahnhof und "mein" Intercity wartete tatsächlich.
Hinein, Platz gesucht, die Fahrgäste gegenüber meines Sitzplatzes im Grossraumwagen begrüsst und erst einmal meinen Rucksack ausgepackt:
- Ein grosses Messer
- Meinen Walkmann
- Ein Casette mit einer Live-Aufnahme eines Konzertes von Pink Floyd
- Ein Brötchen
- Ein Glas
- Ein Päckchen mit Käse
- Eine Korkenzieher
- Eine Schachtel Zigaretten
- Und ein Flasche Rotwein (ein 1988er Médoc, Chateau Chasse-Spleen)

Die Flasche geöffnet, ein Glas eingegossen, den Käse in Würfel geschnitten, den Kopfhörer aufgesetzt, die Lautstärke aufgedreht und für die nächsten 100 Minuten die Welt vergessen, aber dennoch den Käse vertilgt und auch fast die Flasche Rotwein geleert.

"Wir haben Sie richtig beneidet", war das erste was ich hörte, nachdem ich meinen Kopfhörer abgenommen hatte. Ich sah die Dame gegenüber etwas verdutzt an und Ihr Mann erklärte mir dann vorsichtig, dass Ihnen schon das Wasser im Munde zusammengelaufen sei, während sie mich beim Essen und Trinken beobachtet hatten. Der Kaffee, den sie sich mitgenommen hatten, wäre da kein befriedigender Ersatz gewesen.
Kaffee?
Mmh, das wäre jetzt nicht schlecht, denn der Wein tat seine Wirkung und dem Magen täte der bestimmt auch gut!

Gerne nahmen die beiden mein Angebot an und tauschten einen grossen Becher Kaffee gegen zwei Gläschen von meinem edlen Tröpfchen.
So entwickelte sich aus dieser Situation ein sehr angenehmes Gespräch und die Fahrt bis Leipzig verging wie im Fluge.

Es war nun kurz nach Elf und mein Zug nach Weimar würde erst gegen Mitternacht eintreffen. Also machte ich es mir auf einer Bank auf dem Bahnsteig gemütlich, da um diese Zeit auf diesem riesigen Bahnhof noch nicht einmal mehr eine Kneipe geöffnet hatte und Mc Donald's konnte mich nun nach meinem Wein und dem Käse nun überhaupt nicht mehr reizen.

"Sorry Sör, wehres ä Pupp?" hörte ich plötzlich und ich brauchte schon ein paar Sekunden, um dahinterzukommen, dass mich ein Engländer oder Schotte nach einer Kneipe gefragt hatte, während ich ihn wie einen Geist anstarrte.
Es gelang mir dann auch, dem guten Manne klarzumachen, dass er da im Moment keine Chance hätte und so setzte er sich neben mich und wir begannen eine kleine Unterhaltung.

"Liebe Fahrgäste, der D-Zug aus Warschau nach Kassel hat voraussichtlich 2 Stunden Verspätung" - Oh Gott, nicht das noch - meine Eltern würden um 0.55 Uhr auf dem Bahnhof in Weimar stehen, um mich abzuholen.

Anrufen.
Wo?
Nix da, weder sie noch ich waren damals im Besitze eines Handys!
Wat nu ...?

Die nette Stimme aus dem Lautsprecher empfahl nun den Reisenden, den nächsten Zug nach Halle zu nehmen und von dort weiterzureisen. Planmässige Abfahrt 0.48 Uhr.
Mein Gott, da bin ich doch vor über einer Stunde schon vorbeigefahren?
Feine Sache das!
Also würde ich wohl nicht vor 2.30 Uhr in Weimar sein.

Ich erklärte die Situation dem Engländer und wir entschlossen uns dann, einen Bahnbeamten um Rat zu fragen. Der gute Mann wollte nach Frankfurt und war auch ziemlich ratlos und sprach dazu auch noch sehr wenig deutsch.

Auch hier waren wir wieder erfolgreich und die Dame teilte uns dann mit, dass es absolut keinen Sinn hätte, auf den Zug auf Warschau zu warten, da der mit Sicherheit noch später eintreffen würde, als es jetzt schon abzusehen war.
Also bat ich sie inständig, doch in Weimar anzurufen und zu dem Zeitpunkt, zu dem der Zug dort eintreffen sollte, eine Durchsage an meine Eltern zu veranlassen, um ihnen mitzuteilen, dass ich später eintreffen würde und ihnen zu raten, nicht zu warten. Ich würde mir dann ein Taxi nehmen, um dann die letzten 30 km bis zu meiner Tante zu kommen.
Sie versprach mir, das für mich zu erledigen, obwohl - so richtig konnte ich ihr das nicht glauben!
"Mein" Engländer wollte dann doch lieber auf den verspäteten Zug warten und so verabschiedeten wir uns herzlich und gingen unserer Wege.

Um Viertel vor Eins stieg ich dann in Halle aus dem Zug und hatte noch eine gute Halbe Stunde Zeit, bis mein Zug nach Weimar abfahren würde und anstatt in der Kälte auf dem Bahnsteig zu warten, machte ich mich auf den Weg in die Bahnhofshalle in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine offene Gaststätte anzutreffen.
Erstaunlicherweise hatten dort wirklich noch ein Imbiss und eine Kneipe geöffnet und da ich immer noch gesättigt war, entschied ich mich für die Kneipe.
Dort wurde ich dann überschwänglich von meinem Engländer zu einem Bier eingeladen, der sich kurzfristig doch entschlossen hatte, auch den Zug nach Halle zu nehmen.

In die nette Unterhaltung platzte dann die Durchsage, dass unser Anschlusszug ca. 20 Minuten Verspätung habe ...
Prost - denn meine Gesellschaft hatte, nachdem ich ihm die Nachricht übersetzt hatte, noch ein Bier bestellt und 5 Minuten vor der Abfahrt des verspäteten Zuges standen wir dann gemeinsam mit ein paar anderen Reisenden auf dem Bahnsteig.

Wir waren da - aber wo war unser Zug?
Eine Viertelstunde war er nun schon verspätet als uns die Durchsage darüber informierte, dass der Zug mit einer Verspätung von 10 Minuten einfahren würde.
"Mmh, ich glaube das haben wir auch schon gemerkt", grummelte ich nun halblaut vor mich hin.
"Und wann kommt er nun????"
Einige der anderen Wartenden grinsten etwas säuerlich, nur ein junger Asiate sass völlig regungslos auf einer Bank.
Nach einer Viertelstunde wurden wir dann wieder darüber informiert, dass unser Zug weitere Zehn Minuten später eintreffen würde.
"Mein Gott, da wäre wohl niemand von alleine drauf gekommen" brummelte ich wieder, was dann selbst den Asiaten zu einem Lächeln verleitete.
Bis Weimar wäre es dann ja nicht mehr so weit, meinte er dann und es dauerte nicht lange, bis er (ein Vietnamese, wie wir dann erfuhren) sich zu uns gesellte und so blödelten wir dann zu dritt weiter - wobei sich der englische Humor doch immer mehr dem Deutschen anglich.

Gegen zwanzig nach Zwei konnten wir dann unseren Aufenthalt vom kalten Bahnsteig in ein warmes Zugabteil verlegen und während ich schon einmal mein Ticket für die unvermeidliche Fahrscheinkontrolle bereithielt, hoffte ich nur, dass man mir jetzt nur nicht damit kommen sollte, dass das guten-Abend-Ticket um diese Zeit nicht mehr gültig wäre!

Es war noch gültig und so erzählte jeder von uns, was ihm so alles auf der Reise widerfahren sei.
Als ich erwähnte, dass ich befürchten müsse, dass meine Eltern wohl irgendwann frustriert den Weg ins Bett genommen hätten, lud mich der Vietnamese ein, doch den Rest der Nacht in seiner Studentenwohngemeinschaft zu verbringen und morgens dann den Bus zu nehmen.
Na immerhin ein Lichtblick!

Als wir dann Weimar erreichten, verabschiedeten wir uns von unserer englischen Reisebegleitung und da meine Eltern nicht auf dem Bahnsteig standen, entschloss ich mich, das freundliche Übernachtungsangebot anzunehmen.

Das Auto kenne ich doch - roter Sierra mit einem Essener Kennzeichen!
Ich klopfe an die Scheibe und wecke meine Eltern.
Während mein Vater so langsam seine steifen Knochen wieder beweglich machte, verabschiede ich mit von dem netten Vietnamesen und muss dann meinem Vater gestehen, dass ich nach einer Flasche Rotwein und zwei grossen Bieren nicht mehr in der Lage sei, Auto zu fahren.

Während wir auf dem Weg zu meiner Tante sind, frage ich meine Eltern, warum sie denn gewartet hätten und ich traute meinen Ohren nicht:

Während sie auf dem Bahnsteig auf meinen hoffnungslos verspäteten Zug aus Warschau gewartet hatten, wären sie von einem Bahnbeamten gefragt worden, ob sie Herr und Frau Sch... seien.
Und man hatte ihnen dann all das ausgerichtet, worum ich in Leipzig gebeten hatte und ihnen auch noch gesagt, dass der Zug mit dem ich käme, ebenfalls Verspätung hätte...

--------

Ach ja, während ich das hier schreibe, sitze ich im ICE von Stuttgart nach Essen - dienstlich und deshalb leider ohne Rotwein, Käse und Pink Floyd - und der Zug ist absolut fahrplanmässig unterwegs...



Geschrieben am: 04. Dec 2005, 02:19   von: mozarteum



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