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Übersicht > Medien > Bücher > Buchtitel > E > Effi Briest

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DIE AMBIVALENZ ZWISCHEN PFLICHT UND GEFÜHL
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Effi Briest von Theodor Fontane


DIE AMBIVALENZ ZWISCHEN PFLICHT UND GEFÜHL


Verschiedene Themen werden in Theodor Fontanes Klassiker der Weltliteratur beschrieben. Dabei steht wohl am höchsten die Rolle der Frau im wilhelminischen Zeitalter in Deutschland. Und die Rolle der Gesellschaft im Eheleben.

Ich bin - wie wohl auch viele vor mir – auf das Buch gestoßen, da wir es als Pflichtlektüre in der Schule lesen mussten. Im Grundkurs Deutsch der Klasse 12. Heute, mehr als ein Jahr danach, möchte ich euch darüber schreiben. Ich hoffe dass ihr es schätzen werdet, da ich mein altes Wissen für diesen Bericht wieder hoch gekramt habe. :-)




STORY:


Die immer noch sehr kindlich wirkende, lebendige Effi heiratet auf gutes Zureden von ihrer Mutter mit ihren gerade mal 17 Jahren den um 21 Jahre älteren Landrat Geert von Instetten.
Wenn man den übergroßen Altersunterschied betrachtet, dazu die Tatsache, dass er eigentlich ihre Mutter liebte und dazu die Tatsache, dass sie sich vor ihm fürchtet, kann man schon ahnen, dass das Ganze nicht gut ausgehen kann… Doch aus gesellschaftlichem Ehrgeiz, und weil es ihrem Stand entspricht, wird sie seine Verlobte und heiratet ihn schon nach wenigen Wochen.

Nach den Flitterwochen in Italien treffen Effi und ihr Angetrauter im pommerschen Kessin ein, in dem Geert seinen Wohnsitz hat. Schon direkt am Anfang fühlt sich Effi in dem großen und dunklen Haus nicht wohl. Und die gesellschaftliche und ländliche Abgeschiedenheit stören sie und führen zu einer Mischung aus Langeweile und Angst. Und diese Angst vergrößert ihr Mann auch noch, indem er ihr die gruselige Geschichte eines alten Chinesen erzählt, der einmal in diesem Hause gewohnt haben sollte.

Das alltägliche Leben ist trist und Effi vermisst im ehelichen Alltag Zärtlichkeit und echte Liebe. Zu der scheint Geert allerdings nicht fähig. Es scheint dass seine ganze Aufmerksamkeit der Politik und seinem beruflichen Aufstieg gilt.
Im tristen Kessin findet Effi ihren einzigen Freund im alten Apotheker Gieshübler, den sie von Zeit zu Zeit besucht, um zu plaudern.

Nachdem Effis Tochter Annie geboren wird, verbringt Effi einen langen Urlaub bei ihren Eltern in Hohen-Cremmen. In dieser Zeit blüht sie auf und mag gar nicht mehr zu ihrem Mann zurückkehren. Doch sie muss wohl, denn schließlich sind beide verheiratet.

In Kessis zurück beginnt wieder eine Zeit der Langeweile, die allerdings durchbrochen wird als Major Crampas in den Ort versetzt wird. Als alter Freund von Instetten verbringt er mit ihm und seiner Frau viel Zeit. Und mit der Zeit weckt er in Effi auch den Wunsch nach Spass, Lebendigkeit und Zärtlichkeit, als er anfängt, ihr Avancen zu machen.

Als Instetten wieder seiner Arbeit nachkommen muss, verbringt sie alleine mit Crampas viel Zeit, und sie kommen sich langsam näher. Irgendwann erzählt er ihr auch, dass Instetten die Geschichte mit dem Chinesen nur erfunden hatte, um Effi an ihn zu binden. Häuslich wie auch seelisch, und dass er sie schließlich „erziehen“ wollte.
Damit verwirrt er Effi zusehends und bringt sie langsam aber sicher gegen ihren Mann auf. Bei einer nächtlichen Kutschfahrt teilen sich der Frauenheld und Effi alleine ein Gefährt. Crampas nutzt die Gelegenheit und verführt Effi.
Sie und ihr Geliebter treffen sich nun heimlich. Und Effi plagen Schuldgefühle. Allerdings nicht wegen dem Ehebruch, sondern wegen den vielen Lügen die sie erfinden muss, um Geert nichts wissen lassen zu können. Aber sie ist zu schwach um sich von ihrem Liebhaber zu trennen.

Die Versetzung ihres Mannes nach Berlin sieht sie als Chance, alles wiedergutmachen zu können. Und einige Jahre vergehen, in denen das Paar glücklich und zufrieden lebt.
Doch in der Zeit, als Effi krank wird und einen Kururlaub machen muss, findet Geert die Briefe von Crampas an seine Geliebte. Gezwungenermaßen fordert er seinen früheren Freund zum Duell auf und erschießt ihn. Und wieder gezwungenermaßen lässt er sich von Effi scheiden. Annie bleibt von nun an bei ihrem Vater und Effi wird von ihren Eltern für immer verstoßen.

Diese verfällt darauf in tiefen Kummer und ist nun ständig krank. Sie bleibt in Berlin und teilt sich eine Wohnung mit ihrer langjährigen Haushälterin und Gefährtin Roswitha. Eines Tages entdeckt sie ihre Tochter auf der Straße und hegt den Wunsch, sie zu sehen und schickt Roswitha nach ihr, um sie zu holen. Das Zusammentreffen in Effis Wohnung ist allerdings ein Fiasko, denn ihre Tochter begegnet ihr nur fremd und unpersönlich. Sie merkt, dass Instetten sie von ihrer Mutter entfremdet hat und verfällt daraufhin in eine tödliche Depression.

Auf Rat ihres Arztes verzeihen Effis Eltern ihr und holen sie zurück nach Hohen-Cremmen, wo sie nach einigen wenigen Wochen stirbt – versöhnt mit ihrem Mann und ihrem Schicksal.




CHARAKTERE:


Hier werde ich für euch eine Liste mit Charakteren erstellen, die im Buch vorkommen. Gleichzeitig habe ich auch noch eine Grafik beigefügt, in der die Zusammenhänge zwischen den Personen erkennbar sind.
Fangen wir an:


Hauptpersonen:

- EFFI: die Hauptperson, nach der sogar das Buch benannt ist. Eine junge Frau, die einen 21 Jahre älteren Mann aus gesellschaftlichen Gründen heiratet und an der Ehe zerbricht.
- GEERT VON INSTETTEN: der Mann der Effi, ein kalter, scheinbar gefühlsloser Mann, der sich nur für den beruflichen Aufstieg interessiert (wird aber verworfen durch das Duell mit Crampas. Danach wird klar, dass er doch Gefühle hat und Effi eigentlich liebt und ihr verzeihen könnte…)
- CRAMPAS: der frühere Freund von Instetten und der spätere Liebhaber von Effi. Vielleicht nicht eine Hauptperson, aber wichtig für die HAUPTHANDLUNG und den weiteren Verlauf der Geschichte.

Freunde von Effi:

- ALONZO GIESHÜBLER: der verwachsene Apotheker, der in Kessin lange Zeit ihr einziger Freund bleibt.
- BERTHA & HERTHA: Schwestern.
- Hulda: Tochter von Pastor Niemeyer. Eine etwas arrogante Person, aber trotzdem befreundet mit den anderen dreien.
- ROSWITHA: die langjährige Haushälterin von Effi. Könnte man allerdings auch als ihre Freundin bezeichnen, da sie ihre einzige Vertraute und Verbündete ist, nach der Scheidung.

Verwandte von Effi:

- DAGOBERT: Effis Vetter/Cousin. Er steht Effi eigentlich als Verwandter am nächsten und sie fühlt sich zu ihm viel mehr hingezogen als von Geert Instetten. Aber eine Verbindung mit ihm wäre gesellschaftlich nicht möglich, deswegen entscheidet sie sich gegen ihn.
- VON BRIEST: Effis Vater. Ein Mann der Prinzipien, aber auch etwas weich.
- LUISE VON BRIEST: die Mutter und auch eigentliche Herrin im Haus. Sie bittet Effi den Instetten zu heiraten, da sie selbst ihn nicht haben kann (Erfüllung des Liebeswunsches durch die Tochter). Luise und Instetten hatten vor langer Zeit eine Affäre, dann hat sie sich allerdings aus gesellschaftlichen Gründen für Von Briest entschieden.

Andere Personen:

- RUMSCHÜTTEL: der langjährige Arzt der Effi, der auch ihr Kumpane ist, als es darum ging, ihrem Mann eine Krankheit vorzutäuschen.
- ANNIE: Effis Tochter. Sie wird von Instetten nachder Scheidung von Effi ferngehalten und gegen sie aufgebracht.
- LANDADEL: Borcke, Ahlemann, Jatzkows, Grasenabb. Freunde von Geert und Vertraute. Alles arrogante Personen, von denen Effi nicht viel hält, da sie viel zu steif sind.




DER AUTOR:

Theodor Fontane wird in Neuruppin ende des Jahres 1819 geboren. Er stammte aus einer in Preußen ansässig gewordenen Hugenottenfamilie. Sein Vater war ein Apotheker (verwendet er deswegen den Charakter des Gieshübler in seinem Roman „Effi Briest“?). Fontane besuchte das Gymnasium Neuruppin und danach die Gewerbeschule Berlin, in der er eine Apothekerausbildung abschloss.

1849 gab er seinen Beruf auf und danach bis 1859 als freier Mitarbeiter im Büro eines Ministeriums zu arbeiten. Er lebte von 1855-1859 in England als Berichterstatter. Von 1860 bis 1870 arbeitete er als Redakteur der Berliner "Kreuz-Zeitung". 1870-1889 Theaterkritiker bei der "Vossischen Zeitung". 1876 Sekretär der Akademie der Künste Berlin und freier Schriftsteller. 1894 Dr. Phil. H.C. Fontane starb am 20.9.1898 in Berlin.


Kersting, ein Freund Fontanes’ beschrieb seinen Gefährten wie folgt:

"... ein prächtiger Kerl, der mit seinem scharfen Verstand, hellem Geist und glühender Phantasie weit über mir steht, er liebt auch das Schöne und strebt nach dem Guten, aber sonst ein kurioser Kauz. Um Wissenschaft kümmert er sich gar nicht, Charakter habe ich noch nicht viel bemerkt. Er verteidigt nicht selten die niederträchtigsten Maximen, aber nicht eigentlich, weil sie die seinen seien, sondern weil es ihm Gelegenheit gibt, seinen Scharfsinn glänzen zu lassen. Von Natur aus sehr sanft und gutmütig, kommen da bisweilen sehr jugendlich aussehende Widersprüche zum Vorschein, wie überhaupt sein geistiger Habitus sehr Schönes, Edles, aber auch manches unreife zeigt.
Eitelkeit ist seine Hauptschwäche."


Fontanes Freund zeigt in diesem Zitat, dass sein Freund für ihn großen Wert hat, und dass er seine Intelligenz, seinen Geist und Verstand schätzt, außerdem auch seine Herzenswärme und Gutmütigkeit. Er missbilligt allerdings seine Unlust für die Wissenschaft und – was am wichtigsten ist – seine Mahnungen an die Konventionen seiner Zeit, die Gesellschaft und somit seine Sympathie mit Ehebrechern und sonstigen.




ORDNUNG IM BUCH:


Das Buch ist in Kapitel aufgeteilt mit insgesamt 36 an der Zahl. Dabei lässt sich das Buch in 3 Teile eingliedern, die da wären:

1. Kindheit und erste Jahre der Ehe
2. Weiteres Leben und Ehekrise
3. Scheidung und Tod




SCHREIBSTIL:


Fontanes Schreibstil ist sehr eigen, sehr ausgefüllt, sehr, sehr gedehnt und ausführlich (er beschreibt z.B. 2 Seiten lang das Aussehen des Briest’schen Hauses in Hohen-Cremmen).




LITERATUR-GATTUNG:


Der Roman von Theodor Fontane wird oftmals als „Eheroman“ bezeichnet, da sich ja im Großen und Ganzen alles um die Ehe zwischen Effi und Instetten dreht.
Allerdings wird er gleichzeitig auch als „Gesellschaftsroman“ bezeichnet, da die Gesellschaft hier eine sehr große Rolle spielt. Die Gesellschaft ist dafür verantwortlich, dass sich Effi für Instetten und nicht für ihren Cousin Dagobert entscheidet – da Instetten ja eine höhere gesellschaftliche Position innehat. Sie ist dem Adel verpflichtet und muss wieder adelig heiraten. Wieder etwas, das von der Gesellschaft angeordnet wurde.
Da die Gesellschaft missbilligt was Effi getan hatte (Ehebruch), wirkt sich das auch auf Instetten aus, der Crampas aus Pflichtgefühl töten muss und sich danach aus Reue und aus Ehrgefühl fern von seinem Elternhaus hält und sich auch weitgehend aus dem gesellschaftlichen Leben heraushält.
Effi ist durch die Gesellschaft von der Gesellschaft verstoßen und muss von nun an ein einsames Leben führen, da die Eltern – aus Pflichtbewusstsein – die eigene Tochter verstoßen mussten.

Die Gesellschaft ist hier höchste Instanz, man könnte sie in Effis und Instettens Weltbild vergleichen mit Gott, da sie eine übergroße Macht über das Leben hinaus auf beide ausübt.

Ich würde also eher sagen, dass es ein „Gesellschaftsroman“ ist, oder besser gesagt: Ein gesellschaftlicher Ehe-Roman.




INTERPRETATION:

In Effi Briest ist der politische Kontext, und sein Einwirken auf das Schicksal der Hauptpersonen, so konkret greifbar wie in keinem anderen Roman über die unverstandene Frau.

In allen Romanen von Theodor Fontane geht es auch um das Frauenleben vor dem Hintergrund des wilhelminischen Zeitalters. am stärksten in Effi Briest.

Es gerät das Echte und Natürliche, zusammengefasst das Weiblich-Humane in Konflikt mit der Öffentlichkeit. Diese entpuppt sich im Laufe des Buches als unmenschlich.
das Problem der unverstandenen Frau – hier Effi Briest – bezieht sich hier direkt auf die Härte des gesellschaftlichen Prinzips.
das Menschliche und das Gesellschaftliche geraten bei Effi in Konflikt obwohl sie sich eigentlich zu den Regeln der Gesellschaft bekennt.

Theodor Fontane will hier nicht ein einzelnes Schicksal andeuten. Effi Briest steht stellvertretend für die Darstellung eines spezifischen gesellschaftlichen Problems.
Effi versucht, die selbstverständlich anerkannten gesellschaftlichen Regeln mit ihrem persönlichen Empfinden und Glück in Einklang zu bringen, schafft es allerdings nicht. Und das wird ihr zum Verhängnis.

ihr ICH wird „vergesellschaftet“, das verhindert die Entfaltung ihrer Persönlichkeit und führt daraufhin zu Leidenschaftslosigkeit und Machtlosigkeit.
Effis Unverstandenheit und ihr Fehlschlag, sich der gesellschaftlichen Rolle anzupassen, werden für sie zur bewussten Erfahrung als sich ihre Unerbitterlichkeit ihr gegenüber offenbart (in Form von Scheidung, Verbitterung und folgendem Tod).

Fontane will hier nicht moralisieren, sondern das Schicksal Effis aufzeigen, und dass es gesellschaftlich bedingt ist. Er will somit zum Nachdenken anregen, damit man selbst erkennt, welche Fehler die Gesellschaft hat und wie sie in das Leben anderer eindringt.
Effi durchfließt außerdem ein zwitterhafter Geist, denn es scheinen sich Natürlichkeit und Gesellschaftlichkeit in ihr zu vereinen. Bzw. sie will es so. Und nach Fontanes Meinung lässt sich beides nicht vereinen. Entweder sie bleibt ganz Kind und ganz in sich selbst, oder sie hält sich an die gesellschaftlichen Regeln und bleibt ganz die treue Ehefrau.

Die Unverstandenheit zwischen ihrer natürlichen, lebendigen Art, die zur Anarchie (Gesetzeslosigkeit) neigt, und ihrem Willen nach gesellschaftlicher Anerkennung und dem Wunsch, eine gute Ehefrau zu sein führen unweigerlich zur Katastrophe  nämlich im Hang zum Ehebruch.

Effis Wesen ist altklug. Sie sieht sich als Kind und will ihre Freiheit bewahren
(Effi: „Warum kriege ich keine Staatskleider? Warum machst du keine Dame aus mir?“ Luise von Briest: „Möchtest du's ?“ Effi: „Nein.“).

Trotzdem sieht sie die gesellschaftlichen Normen als selbstverständlich an, weiß aber nicht wieso. Es ist eben so. Ihr geschwätziges Wesen beweist dies, als sie über die Liebesgeschichte zwischen ihrer Mutter und Instetten mit ihren Freundinnen erzählt
(„eine Liebesgeschichte mit Held und Heldin und zuletzt mit Entsagung“).
Und als sie weiterspricht:
„Eine Geschichte mit Entsagung ist nie schlimm.“
Und: „Nun, es kam, wie's kommen mußte, wie's immer kommt.“

Sie redet also eigentlich nur in Sprichwörtern, in Floskeln. Aber ansonsten macht sie sich keine Gedanken darüber. Es sind kindliche Gedankengänge, die verraten, dass ihr Wesen naiv und somit noch nicht reif für die Ehe ist.

Ihre Ansprüche sind klischeehaft. Das merkt man auch, nachdem man sie fragte, ob denn Instetten für sie der richtige wäre: „Gewiß ist es der Richtige. Das verstehst du nicht, Hertha. Jeder ist der Richtige. Natürlich muß er von Adel sein und eine Stellung haben und gut aussehen.“

Und bei der Frage, ob sie glücklich ist, antwortet sie: „Wenn man zwei Stunden verlobt ist, ist man immer ganz glücklich. Wenigstens denk ich es mir so.“
Und auf die Frage hin, ob sie den Instetten denn liebt, antwortet sie:
„Warum soll ich ihn nicht lieben? Ich liebe Hulda, und ich liebe Bertha, und ich liebe Hertha. Und ich liebe auch den alten Niemeyer. Und daß ich euch liebe, davon spreche ich gar nicht erst. Ich liebe alle, die's gut mit mir meinen und gütig gegen mich sind und mich verwöhnen.“

Ihr Gedanke an die Liebe zu Geert ist kindlich und undifferenziert und wenig spezifisch. Sie MUSS ihn ja lieb haben, denn schließlich ist er nun ihr Verlobter. Und wenn überhaupt die Rede von Liebe sein kann, dann nur von einer „vergesellschafteten“. Sie muss ihn wohl lieben. Er wird ihr Mann sein. Und dass sie sich darüber hinaus für ihn und nicht für Dagobert ihren Vetter entscheidet, ist auch ein Verrat an ihr selbst. Sie entscheidet sich, wie ihre Mutter, gegen den Mann, den sie liebt und für den Mann, der für sie ausgewählt wurde.

durch die Hochzeit und die Ehe mit dem 21 Jahre älteren Baron von Instetten, steht sie unter großem sozialen Druck, dem sie sich stellen möchte, schafft es aber nicht. Der gesamte Landadel ist ihr zuwider und sie vermisst ihre Kindheit, die nun beendet ist. „.. Und nun ich! Und gerade hier. Ach, ich tauge doch gar nicht für eine große Dame. Die Mama, ja, die hätte hierher gepasst, die hätte, wie’s einer Landrätin zukommt, den Ton angegeben, und Sidonie Grasenabb wäre ganz Huldigung gegen sie gewesen und hätte sich über ihren Glauben oder Unglauben nicht groß beunruhigt. Aber ich ... ich bin ein Kind und werd es auch wohl bleiben.“

Daran erkennt man auch ihren Widerwillen und wieder die Ambivalenz zwischen dem Natürlichen und dem Gesellschaftlichen. Zudem vermisst sie wahre Liebe und Zärtlichkeit, die ihr hier versagt bleiben. Das stürzt sie in die Affäre mit Crampas. Er weckt in ihre versteckten Gefühle, den Hang zum Anarchismus. Ihn umgibt die Aura des Gefährlichen und verbotenen, und das reizt Effi.

Ihre Affäre ist nicht durch Liebe entstanden, sondern durch den Wunsch nach Abwechslung und Zärtlichkeit. Als dann Crampas ihr auch noch erzählt, dass Instetten den Chinesen nur als „Erziehungsmittel“ benutzt hat, um sie zu erziehen, also als „Angstmittel aus Kalkül“, da gerät sie in Empörung und Misstrauen und stürzt sich immer weiter in die Liebschaft mit Crampas.

es folgt nun die Ambivalenz zwischen dem Legitimen und dem Unrechtmäßigen, zwischen privater Neigung und gesellschaftlicher Forderung.
der „Schritt vom Wege“ ist der erste Schritt in die gesellschaftliche Verdrängung und in weitere Probleme, die unwiderruflich folgen müssen.

Effi leidet – nicht am Ehebruch – sondern an der Schuld, die sie empfindet, wenn sie lügen muss. Doch es fehlt ihr der Mut, sich zum Ehebruch zu bekennen.

soviel erst mal zur Interpretation.




HINTERGRUNDWISSEN:


Der Roman Effi Briest basiert auf der wahren Geschichte der Elisabeth von Plotho – oder auch Ardenne – die Theodor Fontane einst in einer Zeitung las.
1886 duellierte sich Armand von Ardenne mit Elisabeths Liebhaber Emil Hartwich, den er erschoss. Nach dem Duell wird Elisabeths Mann verhaftet.

Theodor Fontane hat 1890-94 an seinem Roman „Effi Briest“ gearbeitet, den er im letzten Jahr fertig stellte.
Elisabeth stand der Hauptfigur Effi in Fontanes Roman Pate.

Genau wie Effi Briest wurde Elisabeth von Plotho auf Wunsch ihrer Eltern mit Ardenne verheiratet. Und genau wie Effi zieht sie aus beruflichen Gründen ihres Mannes später nach Berlin, bevor er ihre Affäre mit Hartwich entdeckt.

Aber anders als Effi stirbt Elisabeth nicht an den Folgen einer schnell darauf folgenden Krankheit, und behütet von ihren Eltern. Sie lebte weiter in Berlin, und zwar ziemlich lange und auch beruflich aktiv.

Theodor Fontane macht Effi in seinem Roman zur Heldin und stellt Zweifel an über die gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit, die sogar in die Privatsphäre eines Ehepaars eindringt und diese schlussendlich zerstört.

Allerdings soll nicht Effi allein als Opfer der Gesellschaft gesehen werden, nach Willen Fontanes, sondern auch Geert, und eben auch die „reale“ Effi, nämlich Elisabeth von Ardenne und alle anderen Menschen, die durch die Konventionen benachteiligt werden.




ANDERE VERGLEICHBARE WERKE (ÜBER DIE UNVERSTANDENE FRAU):


- „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert
- „Anna Karenina“ von Leo Tolstoi
- „Buddenbrooks“ von Thomas Mann
- „Stendhal“ von Honoré de Balzac
- „La petite Fadette“ von George Sand
- „Une Vie“ von Guy de Maupassant
- „Vanity Fair“ William M. Thackeray
- „The Return of the Native“ von Thomas Hardy




ANDERE WERKE DES AUTORS U.A.:

• L'Adultera (zu deutsch: „Der Ehebruch“, zu vergleichen mit „Effi Briest“)
• Irrungen, Wirrungen
• Frau Jenny Treibel
• Der Stechlin
Außerdem schreib er auch das Buch „Meine Kinderjahre“, welches als seine einizge Autobiografie bekannt ist.




TEXTPROBE:


Dies ist der Anfang des ersten Kapitels, in dem das Haus der Briests beschrieben wird. Ich denke, dass man hier schon mal einen guten Einblick in die Sprache Fontanes’ bekommt.


In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten erst auf einen weiß und grün quadrierten Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein großes, in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr und an seinem Rande mit Canna indica und Rhabarberstauden besetzten Rondell warf. Einige zwanzig Schritte weiter, in Richtung und Lage genau dem Seitenflügel entsprechend, lief eine ganz in kleinblättrigem Efeu stehende, nur an einer Stelle von einer kleinen weißgestrichenen Eisentür unterbrochene Kirchhofsmauer, hinter der der Hohen-Cremmener Schindelturm mit seinem blitzenden, weil neuerdings erst wieder vergoldeten Wetterhahn aufragte. Fronthaus, Seitenflügel und Kirchhofsmauer bildeten ein einen kleinen Ziergarten umschließendes Hufeisen, an dessen offener Seite man eines Teiches mit Wassersteg und angekettetem Boot und dicht daneben einer Schaukel gewahr wurde, deren horizontal gelegtes Brett zu Häupten und Füßen an je zwei Stricken hing - die Pfosten der Balkenlage schon etwas schief stehend. Zwischen Teich und Rondell aber und die Schaukel halb versteckend standen ein paar mächtige alte Platanen.




FORMALE DETAILS DIESER AUSGABE:


Unsere Lehrerin beauftragte uns, die Reclam-Ausgabe für 4,60€ zu kaufen, damit jeder dieselbe Ausgabe hat um Zitate, Zeilenangaben und Seiten schnell wieder finden zu können.

Das Buch (von einem Heftchen kann von der Dicke her nicht mehr die Rede sein) ist im obligatorischen Reclam-Gelb gehalten und damit unverkennbar. Die Höhe beträgt ca. 15cm, die Breite ca. 10cm und die Tiefe (also Buchdicke) 2 cm.
An der Dicke erkennt man schon, dass der Roman ein richtiger Wälzer ist, denn in den Reclam-Büchern ist alles extra-klein geschrieben, damit so wenig Papier wie möglich verbraucht wird. Außerdem sind die Seiten relativ dünn.

Erschienen ist das Buch im Reclam-Verlag schon im Jahre 1986. Diese Ausgabe liegt in Deutsch vor.

Die ISBN lautet: 315-0069-610




ANDERE ARTIKEL VON/ÜBER EFFI BRIEST:


- FÜR SPARFÜCHSE: die Anaconda-Reihe ist noch billiger als die Reclam Heftchen, da erstere den Preis von 2,95 niemals unter- bzw. überschreiten werden. Außerdem ist die Papierqualität nicht zu verachten und alle Bücher liegen in gebundener und sehr stabiler Weise mit sehr schönen Covern vor.
- FÜR SCHÜLER: Zu den Reclam-Ausgaben gibt es auch Lektürehilfen. Diese zu Effi Briest kostet 2,60€ mit 80 Seiten Hintergrundwissen.
- FÜR FILMLIEBHABER: Die beste von allen 4 Effi Briest Verfilmungen gelang 1977 Rainer Werner Fassbinder mit „Fontane – Effi Briest“, mit Hanna Schygulla in der Rolle der Effi. Der Film hält sich sehr nahe an den Film und geht auch darüber hinaus.




MEINE MEINUNG:


Weltliteratur. Ein Stück deutsche Geschichte. Preußen hautnah. Ein Gesellschaftsroman. Ein Eheroman. Ein Roman über die Rolle der Frau im kaiserlich-wilhelminischen Zeitalter.
Die Geschichte einer Frau – gefangen in den starren Konventionen der preußischen Gesellschaft.

Mit solchen Titeln oder Überschriften könnte man diesen bedeutenden Roman von Theodor Fontane beschreiben.

Dieser Roman von Theodor Fontane ist sehr interessant, da er sich mit soz. unserer Vergangenheit beschäftigt. Es geht auch um mich, um die Frau in der Gesellschaft. Und es geht um die Frau in der Gesellschaft des Kaiserreichs, also im späten 19. Jahrhundert. Das ist gar nicht so lange her und daher noch interessanter und wert, gelesen zu werden.

Stellenweise scheinen die Sätze einem zu lang und die Texte teilweise langatmig. Auch die Sprache bzw. der Gebrauch von manchen Wörtern scheint veraltet, da diese heutzutage nicht mehr gebraucht werden, oder wenn, dann nur sehr selten, z.B. von Sprachforschern und Germanisten in Universitäten. In der Umgangssprache kommen Worte wie „Heliotrop“, „Major“, „Alterchen“ oder „Courmacher“ eigentlich so gut wie nie vor.

Heliotrop kennt manche Frau vielleicht noch als Foundation aus dem Reformhaus.

Mich hat die alte Sprache – wie viele Schüler vor mir - teilweise abgeschreckt, und stellenweise stockte das Lesen, da man z.B. erst mal nachdenken musste: „Was meint Fontane denn nun mit diesem Geschreibsel…?“ oder da man etwas nachschlagen musste.
Ansonsten ist die Geschichte und das Geschehen leicht zu verstehen.

Wenn man erst mal im Geschehen drin ist, kann man auch gut weiterlesen, und zwar recht flüssig. Da man aber bei der Dicke des Buches das Problem hat, nicht in einem Stück das Ganze lesen zu können, muss man sich eben das ganze in Häppchen zerlegen. Außerdem muss man dann bei jedem Häppchen SEHR aufmerksam lesen, damit man im Geschehen bleibt. In einem Rutsch wäre das Ganze viel leichter, aber dafür ist das Buch zu dick. Bei Reclam alleine fast 360 Seiten. Das schafft keiner am Stück, außer, er liest 1-2 Tage komplett durch, ohne Pause.

Das Buch ist zwar schwer, aber eine Bereicherung für das Bücherregal und für den eigenen Geist, da man einen Einblick in vergangene Zeiten erhält – und man wird auch dankbar, über das fortschrittliche Zeitalter, in dem wir leben, und dass die Frauen damals für uns vorgearbeitet hatten, damit wir jetzt frei, selbstständig und lebendig unseren Weg gehen können – mit allen offenen Chancen.

Aus heutiger Sicht scheint das Buch vielleicht vielen veraltet. Aber für mich ist die Botschaft eine ganz zeitlose und ganz aktuelle. Es geht um die Gesellschaft und ihr Eindringen in die Privatsphäre der Menschen.

Heutzutage würde ich die Gesellschaft als „Öffentlichkeit“ betrachten. Und ist es nicht so? Die Öffentlichkeit beeinflusst uns in sehr hohem Maße: dazu gehören Werbung, Medien, z.B. Zeitungen usw.

Man kann eigentlich nicht sagen, dass die eigene Meinung nicht Einflüsse von außerhalb bekommen hat. Stellt euch vor, Zwillinge werden zur Adoption freigegeben. Bei Beginn der Geburt sind sie beide gleich. Dann kommt einer der Zwillinge in eine arme, arbeitslose Familie. Der andere Zwilling kommt in eine elitäre Großstadt-Familie mit Professoren und Doktoren. Was kommt dabei raus? Die Meinungen beider Zwillinge werden sich grundlegend unterscheiden in verschiedenen Aspekten. Der weltoffene letztere Zwilling wird auf die Frage antworten, wie er die Arbeitslosigkeit in Deutschland findet: „Es kommt drauf an, unter was für Umständen die jeweiligen Menschen in die Beschäftigungslosigkeit gerutscht sind. Man darf keine Vorurteile haben. Manche trafen Schicksalsschläge, andere sind arbeitslos aus purem Egoismus und nur aus dem Grunde, weil sie nicht arbeiten wollen, usw. Ich kann keine spezifische Antwort geben“. Und der andere Zwilling würde dann vielleicht auf die Frage antworten: „Ach, das Leben ist beschissen. Ich gehöre doch selbst dazu. Und wieso finde ich keine Arbeit? Die anderen sind schuld. Auch die Ausländer“.

Alles mögliche beeinflusst unser Leben und unsere Entscheidungen. Familie, Freunde, Kollegen, Medien, Fernsehen, Politiker, alles. Und jeder hat den Wunsch, uns zu erziehen. Heutzutage werden wir immer noch erzogen: vom Staat, von den Gesetzesbüchern, von der Schule.
Es gibt immer noch ungeschriebene Gesetze.
Immer noch gibt es die unverstandene Frau. Und einem Mann, der Ehebruch begeht, wird man es auch leichter verzeihen als einer Frau, die genau dasselbe getan hat.
Wird sich jemals etwas ändern? Klar, wir sind offener geworden. Welt-Offener. Toleranter. Aber im Grunde ist immer noch vieles gleich. Wir sind nicht frei. Frei, natürlich und lebendig sind immer noch nur die Kinder, die unbeschwert und frei ins Leben hinein leben. Und die ganz ungezwungen fröhlich sind. Erwachsene haben das verlernt. Und ein Kind, das erwachsen wird, verliert seine Unschuld alleine deshalb. So wie Effi.


Theodor Fontanes Werk gehört zu den Klassikern der Weltliteratur, weil noch heute man seinen Roman verstehen und auch in die heutige Zeit interpretieren kann. Ein Werk, welches nie an Aktualität verlieren wird und das unsterblich bleibt.



Fazit: Ein interessantes, wenn auch nicht einfaches Lesevergnügen mit viel Inhalt, das man nicht nur in der Schule lesen sollte.



QUELLENANGABEN:

Bücher:

„Effi Briest“ von Theodor Fontane
„Emma Bovary und ihre Schwestern“ von Bettina Klingler
„Effi Briest“ Informationsmaterial aus Schulunterlagen


Internet-Seiten:

http://www.gutenberg.spiegel.de/
http://wikipedia.de/
http://www.fontaneseite.de/


Geschrieben am: 10. Jul 2007, 16:15   von: scarlettrose



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